Selbermach-Sonntag (23.11.14)

Nov. 23rd, 2014 08:00 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Was hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.

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Posted by Charlott

Dieser Text ist Teil 263 von 263 der Serie Die Blogschau

Clatschi geht in die 11. Klasse einer Berliner Oberschule. Sie berichtet davon, wie bei Inklusionsmaßnahmen gespart wird (in ihrem Fall zum Beispiel Gebärdensprachendolmetscher_innen) und welche Auswirkungen das hat.

Auf escaping definitions schreibt ein_e weitere Schüler_in darüber, wie Diskriminierungsstrukturen an Schulen wirken. Grrrsy berichtet über cis_hetero_sexistischen Sexualkundeunterricht und Gedanken zum Bildungsplan.

Das Blog Reizende Rundungen feiert (etwas nachträglich) den 5. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch und auf weitere spannende 5(0) Jahre! Für alle Leser_innen: Es gibt sogar etwas anlässlich des Jubiläums zu gewinnen.

bluespunk denkt über “Diese Sache mit der Cis/Trans-Binary” nach.

Im Comic “Märchenstunde” wird auf Class Matters verdeutlicht, wie Erzählmuster in einer diskriminierenden Gesellschaft angepasst werden.

Dass unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar und bennenbar gemacht werden, ist für eine WissenschaftlerInnen schon zu viel des Gutem, berichtet Heng bei Teariffic.

Bei jayromeaufdeutsch gibt es einen neuen Beitrag zur Reihe “Ein Hoch auf…”, in der Trans* und gender queer Menschen aus dem deutschsprachigen Raum gewürdigt werden. Dieses Mal: Emy Fem.

Es gibt die unterschiedlichsten Familienmodelle und -konzeptionen. In der Politik werden diese aber kaum berücksichtigt. Fuckermothers analysiert das Beispiel Elterngeld.

Seit Oktober gibt es das Blog  fem* einer Darmstädter Gruppe. “fem* ist eine Gruppe junger Darmstädter* mit unterschiedlichsten Hintergründen. Uns vereint der Feminismus und unser Kampf gegen Diskriminierung.”

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 256 von 256 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Aktion “Rechts gegen rechts” in Wunsiedel. “Lachen ist Macht”, Gewalt aber auch: Im bisherigen Jahr 2014 wurden in Deutschland bereits mehr Angriffe gegen Geflüchtete verübt als in den beiden Jahren zuvor – und zwar zusammen gerechnet.

Beim kulturradio des RBB kann nun auch online die Sendung “Alltagsrassismus in Deutschland” nachgehört werden, wo unter anderem Sharon Dodua Otoo und Kübra Gümüşay sich zu Wort melden. Es geht es unter anderem um die vermeintlich harmlosen Fragen wie “Woher kommst du wirklich?”, Auswirkungen von politischen Debatten über Asyl, die Kinderbuchdebatte und #schauhin. (Inhaltshinweis: N-Wort ausgesprochen)

“Für mich fehlt dieser Gesellschaft die Bereitschaft, Differenzen stehen zu lassen.”, sagt Lann Hornscheidt in der FAZ in einem Artikel über Sprachformen, Geschlecht und gewaltvolle Reaktionen. (Inhaltshinweis: Reproduktion vieler Hasskommentare, Gewaltandrohungen etc.)

englischsprachige Links

Bei Race Traitor schrieb Tamara K. Nopper einen offenen Brief an “weiße Antirassist_innen” und erklärt, warum diese Selbstbezeichnung ein Widerspruch in sich ist.

Johnetta Elzie berichet bei Ebony über die traumatisierenden Erlebnisse während der fortdauernden Proteste gegen rassistische Polizeigewalt im US-amerikanischen Ferguson, denen die Polizei dort extrem martialisch und gewaltvoll begegnet: “When I close my eyes at night, I see people running from tear gas in their own neighborhood. […] I didn’t expect to go from a peaceful protester trying to attend a vigil for a young teen gunned down, to a modern day freedom rider. But I am prepared to stay the course and fight as long as we must.”

Dr. Matt Taylor, einer der European Space Agency (ESA)-Wissenschaftler_innen des Rosetta-Projekts, löste mit einem sexistischen Hemd, das er zunächst bei der Live-Übertragung der Landung trug, Kritik aus. STEM Women schrieben zum “#shirtstorm” und zu alltäglichem Sexismus in MINT-Bereichen.

“Where Are Our Elders?” – Anlässlich des Todes von Leslie Feinberg fragt sich Sunny Drake, wie viel Platz in aktivistischen Communities eigentlich für ältere und alternde Menschen, für die Vorgänger_innen ist.

Es ist wieder mal so weit: Bob Geldorf hat seine Showbiz-Freund_innen angerufen und rettet jetzt Afrika. Denn was hilft besser gegen Ebola (und alles andere Leid) als Singen und CD-Verkäufe?  Wirklich nichts dazugelernt?, fragt AfricaIsACountry.

Das TIME Magazine lässt über Wörter abstimmen, die für das Jahr 2015 verboten gehören. Mit auf der Liste: Feminismus. Nun haben sie sich entschuldigt (aber auch nichts an der Liste geändert). Bust schreibt über den Vorfall.

Termine in Berlin

Kein Platz für Rassismus – Anti-Geflüchteten-Demos stören in Buch und Berlin-Marzahn:

Vom 26.11. bis 29.11. findet das Festiwalla 2014 statt, eine Programmübersicht findet Ihr hier.

Die MIND THE GAP-Ausstellung mit Arbeiten der Schweizer-Jüdischen Künstlerin Elianna Renner wird am 21.11.2014 eröffnet.

Der Film ID-Without Colors wird am 20.11. um 19 Uhr (OmU) bei Frauenkreise Berlin gezeigt, Choriner Straße 10, 10119 Berlin. Im Anschluss gibt es eine Diskussion.

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Posted by Nadine

Dieser Text ist Teil 41 von 41 der Serie Wer war eigentlich …
Cover von Stone Butch Blues

Quelle: en.wikipedia.org

Nach jahrelangem Kampf gegen verschiedene Krankheiten ist Aktivist_in und Autor_in Leslie Feinberg am Samstag im Alter von 65 Jahren verstorben. Aktivist_in, Partner_in in crime und Wegbegleiterin Minnie Bruce Pratt hat auf Advocate.com einen liebevollen und faktenreichen Nachruf auf Feinbergs Leben und Wirken verfasst.

Leslie Feinberg zählt neben Sylvia Rivera und Marsha P. Johnson zu einer der tragenden Figuren der us-amerikanischen Trans Liberation und LGBT-Bewegung. Ihr_sein Leben hatte und hat enormen Einfluss auf politische Bewegungen, Theoriebildung, literarisches Schreiben von und über Lesben und Trans* und Aktivist_innen weit über die USA hinaus. Pratt zitiert Feinberg im Nachruf:

In a statement at the end of her life, she said she had “never been in search of a common umbrella identity, or even an umbrella term, that brings together people of oppressed sexes, gender expressions, and sexualities” and added that she believed in the right of self-determination of oppressed individuals, communities, groups, and nations.

Am Ende ihres Lebens sagte sie, sie sei niemals auf der Suche nach einem weit verbreiteten Sammelbegriff für Identitäten gewesen, geschweige denn einem Begriff, der Menschen unterdrückten Genders, Gender Ausdrucksformen oder Sexualitäten zusammenbringt und fügte hinzu, dass sie an das Recht auf Selbstbestimmung von Individuen, Communitys, Gruppen und Nationen glaubt

In diesem Zitat von Feinberg spiegelt sich die Mehrdimensionalität ihrer_seiner politischen Perspektive wieder: Trans*diskriminierung und Hetero_Sexismus kann nicht von Rassismus und Klassenunterdrückung/Klassismus getrennt werden. So sprach sich Feinberg beständig in Reden und Texten gegen Kriege, Militarisierung, Gefängnisse, rassistische Gewalt durch Staat und staatliche Behörden, Diskriminierung im Gesundheitssystem, Ausbeutung von Arbeiter_innen (of Color) und Kapitalismus aus, organisierte mehrere Demonstrationen und Märsche mit, unterstützte aktivistische Gruppen. Zuletzt setzte sich Leslie Feinberg für die Freilassung von CeCe McDonald ein.

Zu Feinbergs bekanntesten Veröffentlichungen zählen die Romane Stone Butch Blues (1984) und Drag King Dreams (2006) sowie die Sachbücher Transgender Liberation: A Movement Whose Time Has Come (1992), Transgender Warriors: Making History (1996) und Trans Liberation: Beyond Pink or Blue (1999).

In der Woche des Trans*(gender) Day of Remembrance hinterlässt Leslie Feinberg viele trauernde Menschen weltweit, deren Leben durch ihr_sein Schaffen und Schreiben inspiriert und geprägt wurde.

weitere Informationen

Die Webseite von Leslie Feinberg wird gerade überarbeitet. Auf dieser wird demnächst Stone Butch Blues anlässlich des 20. Geburtstags des Romans frei zugänglich sein. Komplettiert wird die Veröffentlichung mit einer Slideshow zur Kampagne für die Freilassung von Cece McDonald. Auf Feinbergs anderer Webseite transgenderwarrior.org findet ihr ein ganzes Archiv über Leslies Schaffen, unter anderem eine deutschsprachige Übersetzung von Transgender Liberation von 1992.

Lavender & Red: Feinbergs Artikel im Workers World Magazine zu den Verknüpfungen von sozialistischen und LGBT-Bewegungen

Vortrag von Leslie Feinberg zu Trans(gender) Bewegungen

Sunny Drake hat anlässlich des Todes von Feinberg einen Text geschrieben, der sich um (Zugehörigkeit) von älteren Menschen in politischen Bewegungen dreht (auf englisch).

Termine:

19.11., Berlin: Queer Edge Tresen der trans*genialen f_antifa zum Trans*(gender) Day of Remembrance mit einem Film von Susan Stryker zum Widerstand von Trans* gegen Polizeigewalt vor dem Stonewall Riot.

20.11., Berlin: Veranstaltung von GLADT e.V. und LesMigraS zum TDoR im Südblock mit Performances von Lia La Novia, Julz und Jayrôme C. Robinet.

Beide Veranstaltungen sind kostenfrei und mit einem Rollstuhl zugänglich. Die Veranstaltung im Südblock findet in deutscher und englischer Lautsprache statt. Die Performances werden schriftlich auf eine Wand projiziert. Der Queer Edge Tresen am Mittwoch ist zusätzlich rauch- und drogenfrei.

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Selbermach-Sonntag (16.11.14)

Nov. 16th, 2014 08:00 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Was hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.

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Posted by Nadia

Als letzte Woche bekannt wurde, dass das Verbot der heutigen Nazi-Demonstration in Hannover keinen Bestand hat, und daraufhin an vielen Stellen Zugwarnungen (insbesondere für PoC und muslimischstämmige Personen) ausgesprochen wurden dachte ich auch zunächst: Keine Zugfahrt am Samstag für mich.

So schön ist es in Zügen der DB nicht immer.

So schön ist es in Zügen der DB nicht immer.

Nun stand ich gestern aber in einem voll gestopften RE Richtung Minden – derselbe, der für heute als (einer von einigen Zügen) unfahrbar gilt, als No-Go-Area, als gefährliche Zone. Hinter mir ein Glatzkopf mit eindeutigem Pulli, Tattoo, Bierflasche in der Hand. Ich nahm ihn erst gar nicht wahr bis ich merkte, dass hinter mir einer hasserfüllt in sein Handy rotzte (“Die asozialste Zugfahrt die ich je erlebt habe, nur Gesocks im Zug!!!”), zwischendurch beherzt rülpste und aggressiv den Schnodder in der Nase hochzog und zwei Dudes (Kanaken-Bros) mir verzweifelt-sarkastisch zuzwinkerten. Den Kopf einmal halb zur Seite gedreht offenbarte sich mir die ganze Pracht des Elends, und ich muss zugeben, fast noch mehr als der Nazi-Sponk im Rücken widerte mich die Vorstellung an dass jemand mir auf die Haare rülpst, und ich stellte mich so gut es eben in dem beengten Zug ging in den nächsten Gang.

Und da dämmerte es mir: Diese Arschgesichter haben mich abgehärtet, denn der latente Rassist ist mittlerweile Standardware und der offensichtliche Aggro-Nazi auch keine Ausnahme mehr. Sie sind vielmehr regelmäßig anwesende (wenn auch unberechenbare) Größen in meinem Mikrouniversum, und wenn beispielsweise die Presse andeutet dass sich die Gefahr auf Ausnahmeveranstaltungen (wie eben die #HoGeSa) beschränkt, dann entbehrt das jedweder Realität. Denn eigentlich ist #HoGeSa Alltag.

Der Hauptbahnhof meiner Stadt ist an Wochenenden stets ein Sammelbecken auch für die “Ackerboxer” unter den Fußballfans, und denen nun reine politische Unbeteiligtheit anzudichten wäre mehr als untertrieben. In besagten REs der Deutschen Bahn sitzen während der Saison fast jedes Wochenende aggressive Fans, die auf ihren Bierkästen hocken und gerne auch mal rassistische Parolen singen – und schon oft teilte ich mir einen Waggon mit dieser Klientel. Es sind übrigens Fahrten, bei denen die deutsche Bahn anscheinend vermeidet Zugkontrolleure durch die Wagen zu schicken. Je höher die Bierlachen auf den Plastikböden in den Abteilen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit dass mensch bei diesen Fahrten kein Zugpersonal sehen wird – und auch nicht die Bundespolizei, die sonst so gerne Racial Profiling in den Zügen betreibt. Ich bin schon oft genug Zug zu solchen Anlässen gefahren, um eine Korrelation zwischen diesen beiden Sachverhalten festzustellen.

Einsam sitzt mensch dann in der Regel zwischen den angetüddelten oder komplett besoffenen (vorwiegend white-male) Fans, die johlen, gegen Zugwände klopfen, im oberen Abteil durch den Waggon trampeln, Alkoholgeruch ausdünsten, rumschreien und auf ihre Art ihren ganz besonderen Spaß haben. Unbeteiligte Fahrgäste rollen mit den Augen, teilweise wirft mensch sich schon mal pro forma solidarisierende Blicke zu (für den Fall der Fälle), und alle, die mit der Aggro-Fan-Kakophonie nix am Hut haben, hoffen nur eins: Dass die Fahrt schnell vorbei ist und mensch an seinem Zielbahnhof aussteigen kann – möglichst unbeschadet.

Und das sind wiederum nur die Begegnungen mit einem Nazi-Milieu, dass sich dem Fußball verschrieben hat – die “sportlich nicht interessierten” sind da noch gar nicht mit aufgeführt. Die tatsächliche No Go-Area gibt es nicht, sie ist in Bezug auf Nazi-Warnungen ein Mythos, verwandt mit einem Phänomen wie “Rape Culture” – Nazis, das sind Ausnahmen, das sind berechenbare Größen, das sind Personen die zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort stattfinden, das sind vielleicht “Hooligans” wird einem mitgeteilt, immer und immer wieder. #HoGeSa, das sei eine Ausnahmeveranstaltung, nur ein kleines i-tüpfelchen, ein kleiner Ausreißer im beschaulichen Deutschland das zwar irgendwie ein Rassismus-Problem habe, aber eins, das klar zu verorten ist (NSU, Beate Zschäpe, ein paar rechtsextreme Verwirrte). Und das alles stimmt nicht. Leute werden überall angegriffen, erschossen, zusammengeschlagen, ihre Unterkünfte oder Gebetshäuser angezündet, beschimpft – auf der Straße, in ihren Häusern, in ihren Geschäften, in Parks und in Diskotheken.

Vielleicht ist an Tagen wie diesen ja auch mal mehr Bundespolizei in den Zügen unterwegs – das wäre dann schon lustigerweise eine Verbesserung zu den sonstigen Fahrten, die mensch immer mal wieder über sich ergehen lassen muss (wenn sich denn dann mehr den gewaltbereiten Reisenden gewidmet würde statt dem Racial Profiling). Auf jeden Fall wäre eine Zugfahrt heute mit Sicherheit scheißiger, aber genauso unberechenbare scheißige Zugfahrten habe ich schon erlebt und werde sie noch erleben. Und, wer weiß, vielleicht steige ich heute noch in einen Zug – auch wenn ich es nicht unbedingt weiter empfehlen würde.

[Dieser Artikel ist ein Crosspost.]

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Posted by Nadia

Dieser Text ist Teil 262 von 263 der Serie Die Blogschau

Deutscher Patriotismus und warum der 9. November kein Tag zum Feiern ist/war: Dazu gab es einen Text auf Spunk, dem Blog der Grünen Jugend.

Hengs erstes Zine-Projekt “My Body, My House” ist online.

Respect my Fist stellten Überlegungen zu Freiheitskonzepten, Schwesterlichkeit und Wir-Bezügen an.

Toleranz? Toleranz ist scheiße, sagt sanczny.

Freiwillige, solidarische Umverteilung? Clararosa nimmt ein Ideal unter die Lupe.

Es gibt ein neues Classmatterszine, tada!:

Ein Interview zu Sexarbeit und Mutterschaft führte umstandslos.

Maisha Eggers schrieb über Schwarze Frauen im ‚Shondaland‘ und die feministische Kulturpolitik einer digitalen Diaspora.

Schutzräume nur “für Frauen*” – wer ist willkommen, wer nicht? Ein sehr lesenswerter Text (zu einem immer noch aktuellen Thema) dazu erschien auf progress-online.

Querulant_ins erste Lesetour in Audio und Bild gibt es hier zum Angucken und Anhören.

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Posted by Charlott

Dieser Text ist Teil 87 von 87 der Serie Die Feministische Bibliothek

Auf Papier gelesen

Wo es immer grauer wird, passte die im August dieses Jahres erschienene Erzählung “Synchronicity” von Sharon Dodua Otoo eigentlich perfekt. In dieser geht es um Cee, eine Grafikdesignerin, die beginnt ihre Farben zu verlieren. Erst kann sie sie nach und nach nicht mehr sehen – und dann kommen sie ganz anders wieder. Doch geht es in den wenigen Seiten nicht allein um Sinneswarnehmungen, sondern auch um Beziehungen, Traditionen und Entscheidungen. Die Geschichte war ursprünglich in 24 Teilen per Email an Freund_innen in der Vorweihnachtszeit verschickt worden – und das ist doch eigentlich eine hübsche Idee: Das Buch, welches auch noch durch die hübschen Illustrationen von Sita Ngoumou glänzt, anstatt eines Weihnachtskalenders zu verschenken mit 24 wunderbaren Kapiteln für die Dezembertage.

Ebenfalls im August erschien Sarah Waters neuster Roman “The Paying Guests“. Waters hat zuvor bereits fünf Romane veröffentlicht, wovon “Tipping the Velvet” und “Fingersmith” als Mehrteiler verfilmt wurden. Bekannt wurde Waters für ihre mitreißenden historischen Romane, in denen queere Frauenfiguren im Mittelpunkt stehen. So auch in ihrem neusten Werk, welches in London in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg spielt. Frances Wray und ihre Mutter können das Haus nach dem Tod des Vaters und beider Brüder nicht mehr allein halten, sie nehmen ein junges Paar als Untermieter – the paying guests – auf. Weiter kann eine kaum über den Plot reden, ohne nicht alles zu verraten. Wer neugierig ist, kann aber zum Beispiel das Interview mit Sarah Waters bei Lambda Literary lesen.

Im Netz gelesen

Feministing hat die neue Biographie zu Vivienne Westwood gelesen. (Englisch)

“To understand the feminist novel we must first understand feminism. Or perhaps we must understand the nature of the novel. Or perhaps we must ask the questions, “What is feminism?” and “What is the novel?” Or perhaps, these questions are not at all relevant. The answers could never be wholly satisfying.”, die großartige Roxanne Gray denkt bei Dissent darüber nach, was einen feministischen Roman ausmachen könnte. Hint: Es reicht nicht allein, dass es im Roman um Frauen geht. (Englisch)

Is This a Golden Age for Women Essayists?” diskutieren Cheryl Strayed und Benjamin Moser bei der New York Times.

Auf Africa in Words wurde Chantal Zabus Buch “Out in Africa: Same-sex desire in sub saharan literatures and cultures” besprochen. (Englisch)

Susan Sontags digitale Daten sind nun bei der UCLA’s Research Library auf einem Laptop zugänglich. Jacquelyn Ardam und Jeremy Schmidt haben sich durch die Dokumente gewühlt, Wortliste mit Adjektiven gelesen und nach Begriffen gesucht. Die Frage: Welche Gefahren birgt dieser Zugang und welche Chancen? Der Artikel erschien bei der Los Angeles Review of Books. (Englisch)

Die UC Santa Cruz Review interviewte Angela Davis und Toni Morrison. Davis erzählt von ihrer Zusammenarbeit mit Morrison, Morrison beschreibt ihren Ansatz über Themen wir Sklaverei zu erzählen und beide sprechen von ihren Schreiberfahrungen. (Englisch)

A Midsummer Night’s Press hat ein neues Imprint “Periscope“, bei welchem ausschließlich Übersetzungen ins Englishe von Gedichten von Frauen erscheinen werden. Die ersten drei Bände Arabic Literature (in English) interviewte aus diesem Anlass Übersetzer und Herausgeber Lawrence Schimel.

Neuerscheinungen

Am 30. September erschien auf Englisch “The Penguin Book of Witches“. Besprochen wurde es bereits zB bei NPR.

Ebenfalls im September erschien von Ika Elvau “Inter*Trans*Express. Eine Reise an und über Geschlechtergrenzen” bei Edition Assemblage. Groß gelobt wurde das Buch Anfang des Monas auf der FB-Seite von TROUBLE X.

Am 06. November erschien in deutscher Übersetzung “Die Botschaft von Kambodscha” von Zadie Smith bei KiWi.


“Ein Buch nach dem Anderen” ist quasi mein Anti-Lese-Motto. Meistens lese ich viele Bücher parallel, aber ich stelle sie der Reihe nach vor. Was lest ihr denn gerade? Erscheinen demnächst Bücher, auf die ihr euch ganz besonders freut?

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Posted by Gastautor_in

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache.

Das nachfolgende Video und der Text – “An allen Ecken” – sind eine Hommage an “Cornered” von Adrian Piper. Mit diesem Installationsprojekt forderte Piper rassistische Blickregime heraus und thematisierte Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Verwandtschaft im Kontext von Rassismus. Die Videos sind aufgrund von Urheberrechten nicht mehr auf Youtube zu finden. Hier könnt ihr eine Transkription von “Cornered” nachlesen.

***

Ich bin weiß.
Vielleicht fragst du dich, warum ich das zur Sprache bringe?
Das ist nur weiße Salbe, denkst du.
Denn im Grunde sind alle Menschen gleich.
Und überhaupt,
und sowieso,
so zu betonen, dass ich weiß bin,
das ist der Beweis, dass ich mich von den „anderen“ distanzieren will.
Ja, dass ich bestimmte Alltagserfahrungen ausblende,
weil ich lieber dem Club der weißen angehören will,
um Privilegien zu haben.
Wenn du das denkst, hast du ein Problem.
Du setzt voraus, dass es grundsätzlich besser ist, weiß zu sein.
Du siehst ein, dass weiße Privilegien haben.
Ist dir das unangenehm?
Das tut mir leid.
Leider habe ich keine andere Wahl.
Wenn ich dir nichts sage,
wirst du eventuell denken, dass ich nicht_weiß bin.
Und wieso sollte ich dich in diesem Glauben lassen?

Ich erzähle dir kurz die Geschichte der süßen kleinen Teestube, in die ich früher, als ich noch als Frau lebte, regelmäßig einen Kräutertee trank.

Es war einmal eine süße kleine Teestube,
mit einem schönen Bücherregal
und sonnigen Tischen draußen in der Sonne.
An dem Tag will ich das erste Mal wieder hin,
seit ich als Mann durchgehe.
Als ich in die Teestube reinkomme, merke ich, dass die Besitzerin mich nicht erkennt, und das finde ich ziemlich schmeichelhaft.
Plötzlich sehe ich, dass das Schaufenster mit einem Kieselstein beworfen wurde,
das sieht schön aus,
wie ein glasklares, in der Luft hängendes Puzzle.
Während ich das bewundere, fragt mich die Besitzerin:

„Guckst du dir dein Werk an?“

Zitat Ende

Wenn ich nicht ich wäre,
würde ich mich auch anschauen und die Nase rümpfen.
Warum nicht?
Und wenn ich schon so geboren wäre, wie ich jetzt aussehe, würde ich denken:
Misstrauen ist normal.
C’est la vie.
Aber ich war an etwas anderes gewöhnt,
also kann ich vergleichen.

Lass uns Klartext reden:
In Frankreich habe ich lange als durchschnittliche Brünette gelebt,
aber in Deutschland wurde ich
zack
zum Top-Model.
Hierzulande haben mich Männer blickgefickt:
„Sie kommen aus Paris? Wie charmant!“

Das hier ist die Geschichte:
„Wie ich von einem weißen Top-Model zu einem Randalierer mit Migrationshintergrund wurde.“

Mag sein, dass ich in Deutschland eigentlich nie als weiß gelesen wurde
– auch nicht als ich als Frau lebte.
Das Top-Model, das war nicht ich.
Die Sexbombe war meine Haut,
meine Augen waren geile Schlampen,
und meine Haare, mein Akzent …
Früher war ich „exotisch“ und begehrenswert markiert,
heute bin ich „exotisch“ und gefährlich.
Ich bin nicht deswegen sauer auf dich.
Ich denke ja, dass wir weiße rassistisch sind.
Es wäre doch unglaublich, wenn wir es nicht wären.
In weißer Vorherrschaft aufzuwachsen und unbeschadet davon zu kommen,
das wäre doch ein Wunder.
Ich bewundere dich sogar,
weil du nur ein bisschen rassistisch bist,
und unter den gegebenen Umständen ist das schon eine Leistung.

Eigentlich bin ich vor allem sauer auf mich selbst.
In der süßen Teestube, nachdem die Besitzerin mich verdächtigte,
rate mal, was ich getan habe?

Ich habe mir einen Kräutertee bestellt.
Ich habe der Besitzerin nett zugelächelt
und dann ein Buch aus der Leseecke ausgesucht.
Ich habe mich bemüht dieser Frau zu zeigen,
dass sie keine Angst vor mir zu haben braucht.
Keine Angst
vor jemandem wie mir, der sich für Literatur interessiert.
Wie beweist du, dass du nicht gefährlich bist?

Bevor ich die Teestube verließ, habe ich mich bemüht dieser Frau zu zeigen,
dass ich das Buch ordentlich in die Leseecke zurückbringe,
ja, dass ich das nicht klauen will.
Ich denke, diese Frau war sicherlich klug,
anständig,
so ein Mensch, den ich ohne Vorbehalt darum bitten würde,
sich um meine Katze zu kümmern.
Ich bin sauer auf mich, wenn ich mich bemühe zu beweisen,
dass ich ein guter Mensch bin.
Ich bin sauer auf mich, wenn ich mich bemühe zu beweisen,
dass ich überhaupt ein Mensch bin.
Ich bin sauer auf mich, wenn ich auf deine Frage:
„Woher kommst du?“
antworte,
und ich bin sauer auf dich, wenn du wegen „Frankreich“ erleichtert bist,
als hättest du die Lösung einer heiklen Angelegenheit bekommen,
oder entzückt, als hätte ich dir ein Ticket für eine kostenlose Führung durch den Eiffelturm gegeben,
„Paris, die Stadt der Liebe!“
obwohl sich dort jeder hasst.

Jetzt möchtest du mir bestimmt nett zulächeln,
um zu zeigen, dass du mich sicher nicht wie die Besitzerin der Teestube behandelt hättest.
Schau mal,
wenn dein Verhalten sowieso gleich ist,
ob ich weiß bin oder nicht,
dann hast du gar keinen Grund dich unwohl zu fühlen,
dann können wir uns alle wohl fühlen,
was denkst du?
Ich weiss, dass du das auch möchtest.
Daran habe ich keinen Zweifel.
Du wünschst dir auch, dass alle Menschen menschlich und gleich behandelt werden.

Vielleicht liegt das Problem daran,
wenn jemand wie ich weiß ist,
dann kann es jeden treffen:
Türken, Araber, Schwarze
können weiß sein.
Und noch schlimmer –
wie kannst du dann sicher sein, dass du weiß bist?
Auch Ludwig von Beethoven war Schwarz.

Kannst du dich an den Tag erinnern, an dem du verstanden hast,
dass du von Rassismus profitierst?
Ich war in der 5. Klasse.
Ich habe gesehen, wie unser weißer Lehrer meinen französisch-algerischen Schulkameraden misshandelte.
Ich fühlte mich … entmenschlicht.
Natürlich habe ich das damals nicht so genannt.
„Entmenschlichung“ – das Wort hätte ich nicht mal aussprechen können.
Aber ich spürte, dass etwas nicht in Ordnung war.
Das war ein tiefes, schmerzhaftes Gefühl von Hilflosigkeit.
Das war erschütternd.

Anschließend sind die psychologischen Vorgänge leicht zu rekonstruieren:
Um mich nicht machtlos zu fühlen, wollte ich lieber auf der Seite der „Mächtigen“ stehen.
Und damit die Ungerechtigkeit erträglicher wird,
habe ich mir unbewusst erklärt, dass diese Ungerechtigkeit
vielleicht doch nicht so ungerecht ist,
ja,
dass es vielleicht einen „guten“ Grund dafür gibt.

Als ich verstanden habe, dass ich zu dieser Katastrophe beitrage,
habe ich mich geschämt.
Voilà.
So kann ich parallel arrogant bleiben.
Wurde ich nicht in dem Glauben erzogen, dass ich überlegen bin?
Deswegen kommt es nicht in Frage, dass ich proklamiere,
dass auch ich rassistische Erfahrungen im Alltag mache,
einfach nur, damit ich nicht zu den „Tätern“ gehöre.

Das Ganze ist keine Theorie.
Entmenschlichung hat bei mir in der 5. Klasse eingesetzt.
Wann war das bei dir?
Und sie wächst weiter …
bis ich eines Tages vielleicht gar kein Mensch mehr bin.
Und
wie wollen wir nun gemeinsam weiter vorgehen?

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Nov. 12th, 2014 05:30 pm
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Posted by VancityJax

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Olivia's desperate to feel again after Etta's death and Peter's departure into the world of an observer.

Words: 326, Chapters: 1/1, Language: English

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 255 von 256 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Bei der Jüdischen Allgemeinen beschreibt Margot Friedländer, wie sie als 17-jährige die antisemitischen Pogrome am 9. November 1938 und deren Nachwirkungen in Berlin erlebte: “Hitler müsste eines Tages gehen, dachten wir. Irgendwann würden die Deutschen nicht mehr hinnehmen, was man uns Juden antat. Doch dieser Tag kam nicht. Nach der »Reichskristallnacht« wurde uns unmissverständlich klar: Niemand würde uns helfen.”

Feminismus-Geschichte in Deutschland wird immer wieder sehr perspektivisch sehr beschränkt erzählt, z.B. auch als eine vor allem west-deutsche Geschichte. Katrin Gottschalk schreibt in der Frankfurter Rundschau über feministische Auseinandersetzungen in der DDR und Wende-Enttäuschungen.

Das maiz, das Autonome Zentrum von & für Migrantinnen in Linz, wird zwanzig Jahre alt. migrazine spricht mit den drei Gründerinnen Tania Araujo, Luzenir Caixeta und Rubia Salgado über die Geschichte des Zentrums, Reflexionen und die Zukunft, die u.a. die Gründung der “Universität der Ignorant_innen” bereithält.

Und noch ein Geburtstag: Das Bielefelder Online-Magazin weird feiert 7-jähriges Bestehen:

englischsprachge Links

Nach wie vor ist Kunst eine sehr männlich dominierte Domäne. Und auch im Rückblick werden meistens jene Frauen, die tätig wurden, nicht in den Kanon aufgenommen, bleiben ganz unerwähnt oder Männer eignen sich die Werke an. Flavorwire stellt dafür 10 abstrakte Künstlerinnen.

Noch mehr Künstlerinnen stellt Hyperallergic vor: “The Women Tagging and Painting the Streets of Bogotá“.

Die Naturwissenschaften sind gar nicht männlich dominiert?! Das zumindest behauptete ein Artikel in der New York Times, der sich auf eine aktuelle wissenschaftliche Studie bezieht. Ein Beitrag auf slate.com nimmt diesen Quatsch super auseinander und erklärt noch einmal, was das Problem an der Auswertung der Studie sei.

Termin

Am 21. und 22. November in Berlin, Ballhaus Naunynstraße: “Performing Back” (Facebook-Link), eine künstlerische Auseinandersetzung von Simone Dede Ayivi mit der Kontinuität deutscher kolonialer Vergangenheit.

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Posted by Gastautor_in

Hannah C. Rosenblatt bloggt auf “Ein Blog von Vielen” über Gewalt, ihre Formen und Folgen, Inklusion und ihr Leben mit dissoziativer Identitätsstruktur. Sie ist auch bei Twitter aktiv. Diese Woche hat sie sich die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angeschaut.

Unter dem Titel “Bundesteilhabegesetz” soll eine umfassende Reform der Teilhabeleistungen für Menschen mit Behinderungen vorgelegt werden. Verschiedene Punkte der Reformpläne wurden vorgestern in der Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Soziales hinterfragt. Dabei zeichnete sich ab, dass über die Wege zur Reform des § 9 SGB IX [die Vorschrift, die bis heute ausreichend sicherstellen soll, dass Menschen hinsichtlich ihrem Wunsch- und Wahlrecht zur Teilhabe entsprechend ihren Bedürfnissen Unterstützung erhalten] keineswegs nur Einigkeit herrscht. Auf der Webseite des Bundestags wurde aber auch festgestellt: „Einigkeit herrschte jedoch darin, das Wunsch- und Wahlrecht der Menschen mit Behinderungen zu stärken, die Beratungsangebote und die Durchlässigkeit der Werkstätten für Behinderte zu verbessern.“

Bisher werden nicht alle Personen mit Behinderungen gleichgestellt, was sie in ihrem Recht auf Einforderung von Leistungen zur Teilhabe einschränkt. So wurde von der Universität Kassel das Bundesgleichstellungsgesetz (kurz BGG) evaluiert. Dabei kamen die Wissenschaftler_innen zu dem Ergebnis, dass nicht alle Gruppen der Menschen mit Behinderungen berücksichtigt würden. Waltraud Wolff (SPD) führte an, dass Menschen mit “schlechten Kenntnissen der deutschen Sprache”, hörgeschädigte Menschen, Frauen mit Behinderungen, aber auch Menschen mit “geistigen und Lernbehinderungen” betroffen seien und richtete die Frage an Antje Welke von der Bundesvereinigung “Lebenshilfe”, was nötig sei, um diesen Menschen ausreichend Berücksichtigung zu geben. Diese antwortete darauf, dass die Etablierung leichter Sprache, die Abgrenzung “hörgeschädigter” Menschen von sogenannten gehörlosen Menschen als eigenständige Gruppe, so wie die Flexibilisierung von Verwaltungsabläufen und die Möglichkeiten zu alternativen Kommunikationswegen für Menschen mit sogenannten “seelischen Behinderungen” eingebettet werden müsse. Welke führte aus, dass es für Frauen mit Behinderungen, wie auch für “Menschen mit Migrationshintergrund”, wegen des Umstandes der Mehrfachdiskriminierung eine eigene Vorschrift geben müsse.

Es ist mir, als Frau*, die mit einer Behinderung lebt, ein gutes Zeichen, wenn nach zehn Jahren eher fruchtlosen Bemühungen für die Gleichstellung (und damit implizit die Teilhabe) von Frauen mit Behinderungen, diese im BGG eigens erscheinen sollen. Denn bekannt ist ja auch: Wer oder was nicht in irgendeinem Gesetz oder einer Vorschrift zu einem Gesetz benannt wird, existiert nicht als eigenständiges „Problem“ bzw. eigenständige Personen/Betroffenengruppe bzw. als Rechtsgegenstand. Das hat zur Folge, dass weder Schutz noch Strafe noch Regulierung allgemein für/an/mit/aufgrund von eben diesem Rechtgegenstand verbindlich festgeschrieben sind.

Allerdings hat sich in meinen Augen auch die Politik ™ damit kein gutes Zeugnis ausgestellt, denn was dieser Vorschlag auch sagt ist ja: “Mehrfachdiskriminierte Personen, die mit wie auch immer gelagerten Behinderungen leben müssen, benötigen einen gesetzlich regulierten Anspruch zur Gleichstellung (und damit eben auch zum Recht auf Teilhabe am Leben) in der Bundesrepublik Deutschland, weil sie ihn sonst nicht erhalten”.

Und dies steht neben dem folgenden Spannungsfeld: Einerseits soll niemandes Wunsch- und Wahlrecht beschnitten werden. Andererseits geschieht das aber in der Praxis immerzu, da die gesetzlich festgeschriebene Beschneidung durch die Kostenträger der Teilhabeleistungen, verhindert, dass alle Menschen, egal mit welcher Behinderung sie leben, auch an jedem Standort in Deutschland entsprechend ihren Rechten erhalten, was sie wünschen und wählen. So wurde in der Anhörung die Öffnung des Wunsch- und Wahlrechtes von Menschen mit Behinderung letztlich (und nach meinem Verständnis der Sachlage) aus Kostengründen bzw. Gründen lokaler Infrastrukturen abgelehnt, was für mich persönlich nicht hinnehmbar ist.

Denn apropos Kosten und Finanzierungen: Personen, die auf eine Assistenz angewiesen sind, können weder mehr als 2600€ als Schonvermögen ansparen, noch davon ausgehen, das ihre EhepartnerInnen* von ihren Finanzen unberührt bleiben. Gerade die Wortmeldung Nancy Posers, die als einzige offensichtlich konkret betroffene Person unter den Sachverständigen sprach und dieses offen bedauerte, erschien mir als Mensch mit nie mehr als Hartz 4 auf dem Konto als unfassbar bitterer Aus- und Einblick auch in die Leben anderer Menschen mit Behinderungen. Poser ist Richterin am Landgericht und hat kaum mehr auf dem Konto als andere in einem Monat verdienen. Weil sie mit einer Muskelatrophie lebt. Weil sie damit geboren wurde. Gut, sie hat ein Studium geschafft, hat einen Job gefunden und steht im Berufsleben – das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wenn man mit einem so großem Unterstützungsbedarf zur Interaktion und Anpassung an die bestehende Umgebung(snorm) lebt, doch am Ende unterscheiden sich ihre sowohl finanziell als auch die daran gebundenen anderen Möglichkeiten kaum von denen, die ich habe mit meinen 10 Jahren Hartz – weil keine angemessene Möglichkeit zur Berufsausbildung für Menschen mit seelischer Behinderung – 4.

Auch das wurde thematisiert. 18% aller im Jobcenter landenden Menschen mit Behinderungen, werden in Werkstätten eingegliedert, die oftmals gar nicht passend konzipiert sind. So sind inzwischen etwa 30% der Menschen, die in Werkstätten arbeiten, Personen, die mit “seelischen Behinderungen” leben. Tendenz steigend und das nicht zuletzt auch, weil viele Menschen erst durch krankmachende Arbeitsbedingungen auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt zu chronisch Kranken und damit ebenfalls schwerbehinderten Menschen gemacht werden.

Als schön zu hören, erlebte ich den Einwurf, dass das Recht auf Teilhabe nicht allein durch das Schaffen von Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt für Menschen, die mit Behinderungen leben erfüllt werde. So wurde angeführt, dass der übliche Lebensrhythmus von verschiedenen Tätigkeiten geprägt sei und immer auch mit sozialer Teilhabe am Leben einher gehen müsse und ergo auch entsprechenden Leistungen zu ermöglichen seien. Was für mich implizierte, dass auch die Sorgearbeit von schwerbehinderten Frauen oder der “2 Stunden die Woche”- Job von Senior_innen mit Behinderungen, so wie die Überlebensarbeit für akut unter der ihre Behinderung definierende Krankheit leidenden Personen gesehen wurden.

Alles in allem bleibt: der Weg zu einem Gesetz, das umfassend und ohne weitere Ausschlüsse und Diskriminierungen zu produzieren, Menschen, die genau davon in ihrer Lebensqualität und ihren Entfaltungsmöglichkeiten zum Teil massiv eingeschränkt werden, stärken und sichern soll, ist steinig.

Das Video zur Anhörung ist hier zu finden.
Eine schriftliche Stellungnahme der teilnehmenden Personen wurde angefertigt und ist hier zu finden.

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Posted by Charlott

Toleranzwochen bei der ARD sind in etwa so wie Themenwochen in einer Kantine: Es gibt die gleiche Einheitssauce in anderer Verpackung. Heute also mal ein bißchen Toleranz zum Kartoffelpüree.

Einheitssauce bei den öffentlich-rechtlichen Sendern bedeutet: Hetero_Sexismus, Rassismus, Ableismus, um nur einiges zu nennen. Für die Zeit vom 15. bis 21. November wird es diese Mischung nun im Toleranzgewand geben. Allein der Titel der Schwerpunktwoche und der dazugehörige Slogan (“Anders als du denkst”) machen deutlich um was es geht: Priviliegierte TV-Zuschauer_innen sollen vor das Fernsehgerät gelockt werden, um gemütlich von der Couch aus “toleranter” zu werden oder sich in ihrer eigenen “Toleranz” zu bestätigen.

Die Woche wird auch schon fleißig beworben: Zum einen mit einem Trailer, in dem Jan Delay von der Liebe singt und Menschen (die Fernsehkundige sicher erkennen können) Schilder hochhalten wie “Ich trage nachts eine Zahnspange”, und zum anderen mit einer Reihe von Bildern, in denen die Zuschauer_innen zum Urteil über die Menschlichkeit anderer aufgefordert werden. Ein Mann, der einen anderen Mann auf die Stirn küsst – normal oder nicht normal? Noemi Molitor analysierte bei der taz die Motive:

Die Aneinanderreihung soll suggerieren, dass die beiden Männer schwul sind. Wären es zwei Brüder, gäbe es die Frage nicht. In der Tat werden hier problematische Assoziationsketten aufgerufen. Ein schwarzer Mann wird mit der Frage „Belastung oder Bereicherung“ betitelt.

So spielt die Kampagne mit rassistischen Wahrnehmungsmustern, gerade indem sie auslässt, worauf sie sich bezieht: Ein Schwarzer, der „belastend oder bereichernd“ ist, kann wohl nicht deutsch und muss wohl ein Flüchtling sein. Wo soll die Floskel sonst herkommen?

Das begleitende Blogprojekt vom Bayrischen Rundfunk heißt “Steh zu dir”. Warum auch Macht, Diskriminierung und Gewalt benennen, wenn es aufbauende Botschaften an das Individuum ™ gibt? Warum die eigene Rolle in diskriminierenden Gesellschaftsstrukturen reflektieren, wenn eine_r eine Toleranzwoche inszenieren kann?

Die weiteren Fragen, die sich natürlich anschließen (und rein rhetorisch sind)? Wer soll hier wen tolerieren? Wer ist die (unbenannte, unhinterfragte) Norm? Wer entscheidet über Abweichungen? Was soll Toleranz überhaupt sein, und warum glaubt die ARD das es etwas positives ist? Und was genau soll der Effekt dieser Themenwoche sein? Da es keinerlei kritische Rahmung gibt (und wie die Kampagne und Konzeption ja auch beweisen offensichtlich keinerlei Kompetenz für eine solche), wirkt auch das TV-Programm, in welchem sicher auch ein paar sehenswerte Sendungen/Filme versteckt sind, wie eine schlichte Inszenierung der “Anderen”. Re_produktion der Machtverhältnisse wird ja aber auch gern toleriert.

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