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Posted by Charlott

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Ein Mann und eine Frau betreten einen der Ausstellungsräume. Er schnaubt etwas verächtlicht mit Blick auf die präsentierten Fotografien, sie läuft hinter ihm her. Dann nähern sie sich einigen Bildern an, bleiben stehen. Er bemerkt im fachmännischen Ton: “Ist halt alles aus den 70ern, das darf man nicht vergessen. It’s dated.” Ich bin in der Ausstellung “Feministische Avantgarde der 1970er Jahre” in Hamburg und wie wenig ‘dated’, also veraltet oder überholt, eine künstlerische, feministische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen ist, beweist nicht nur dieser Herrklärer.

Und er ist nicht der einzige. Einige Räume weiter begegne ich einem zweitem Mann-Frau-Gespann. Sie stehen vor der Videoaufnahme der Aktion “Change” von Ewa Partum aus dem Jahr 1974. In diesem lässt sie sich vor Publikum die eine Hälfte ihres Körpers in ein älteres Alter Ego umschminken, um dann ihren Körper zu Kunst zu erklären. Der Mann kommentiert: “Und hier wird sie jetzt hässlich geschminkt.” Wüsste ich es nicht besser, könnte es sich um eine ironisch-bissige Performance handeln: “Typen, die Frauen feministische Kunst erklären”. Aber dem ist nicht so.

In den große Kunstmuseen, aber auch in den Gallerien, sind die Werke von Künstlerinnen bis heute unterrepräsentiert. Und als vor einigen Jahren das Pariser Centre Pompidou die Kunstwerke von Männern einlagerte und ausschließlich Künstlerinnen präsentierte (elles@centrepompidou), traf dies auf viel Skepsis (aber auch gute Besucher_innenzahlen). Bisher zogen keine ähnlich renomierten Kunsthäuser nach – und es ändert sich auch nicht viel an dem Fakt, dass auch der Anteil von Kunstwerken von Künstlerinnen am Gesamtbesitz des Centre Pompidous immer noch unter 20 Prozent liegt.

Die nun in Hamburg präsentierten Werke stammen allesamt aus der Sammlung Verbund, also einer Firmensammlung (sie wurde von der österreichischen Verbund AG gegründet), die zeitgenössische Kunst von 1970 bis heute erwirbt. Ein Schwerpunkt liegt auf feministischer Kunst, welche die Kuratorin Gabriele Schor unter dem Begriff “Feministische Avantgarde” zusammenfasst. Zu sehen sind nun breiter bekannte Künstlerinnen wie Cindy Shermann, Ana Mendieta und VALIE EXPORT, aber auch weniger Bekannte mit einem regionalen Fokus (wenn auch dieser kaum explizit artikuliert wird) vorwiegend auf Europa und die USA. Die Ausstellung präsentiert über 30 Künstlerinnen und macht deutlich, dass es natürlich Kunstschaffen von Frauen gab und gibt (und der Mangel an diesem nicht der Grund für die sonst seltene Repräsentation in Museen/ Galerien sein kann). Das Phänomen selbst ist auch perfekt in einem der ausgestellten Werke reflektiert: In “Some Living American Women Artists/ Last Supper” (1972) besetzt Mary Beth Edelson das ikonische “letzte Abendmahl” mit Künstlerinnen.

Renate Bertlmann: "Waschtag"

Renate Bertlmann: “Waschtag”

Viele der gezeigten Werke setzen sich mit Geschlechterinszenierungen, Rollenerwartungen und Sexualisierung auseinander. Paradigmatisch dafür ist vielleicht die Fotoreihe “Portfolio Of Models” (1974) von Martha Wilson, in der sie zur Verfügung stehende Modelle (Göttin, Hausfrau, Angestellte, Geschäftsfrau, Erdmutter und Lesbe) ironisch seziert um am Ende zu konstatieren: “Im Laufe der Zeit habe ich sie alle anprobiert, aber kein Modell hat gepasst.” Die Beschränkung aufs häusliche buchstabiert – im wahrsten Sinne des Wortes – Martha Rosler in ihrem Video “Semiotics of the Kitchen” (1979) durch. Sie steht in einer Küche hinter dem Tisch, starrt direkt in die Kamera und präsentiert alphabetisch sortiert Küchengegenstände mit Gesten, die mögliche Verwendnungen suggerieren. Statt freundlichen Essbewegungen zur Gabel gibt es so bestimmt-aggresive Zustech-Gesten.

Von Leslie Labowitz und Suzanne Lacy ist eine Dokumentation (Fotografien und Video) ihrer Performance von 1977 zu sehen mit der sie in Los Angeles mit 70 weiteren Frauen vor der Los Angeles City Hall auf Gewalt gegen Frauen hinwiesen und skandierten “Women Fight Back”. In eine ganz andere Richtung gehen die Arbeiten von Francesca Woodman. Von ihr werden eine ganze Reihe von Selbstportraits, angefangen mit ihrem “Self-Portrait At Thirteen” (1972), ausgestellt. Doch beide Werk(reihen) haben wenig an Aktualität eingebüsst. Gewalt gegen Frauen (und natürlich insbesondere mehrfachdiskriminierter) ist nach wie vor ein feministisches Thema. So wie auch die Selbst-Inszenierung junger Frauen in Eigenportraits, wie es heute meist am Beispiel von Selfies verhandelt und diskutiert wird.

Und so lässt es sich gut durch die Ausstellung gehen, Querbezüge zu aktuellen feministischen Debatten ziehen oder aber auch mit kritischem Blick auf einige der Werke zurückgucken. Durch die Ausstellung selbst geschieht dies leider kaum. Die Handzettel, die es zu jeder Künstlerin gibt, geben zwar eine gute knappe Idee über die zu sehenden Werke, ordnen aber wenig ein oder geben weitere Inormationen wie zur Rezeption der Werke zur Entstehungs- und Erstausstellungs-Zeit. Einführund zur Gesamtausstellung gibt es nur eine Informationstafel, auch auf dieser fehlt leider eine weitere kritische Situierung wie auch nach der Frage, warum Künstlerinnen aus gerade den Regionen und warum mit wenigen Ausnahmen weiß besetzt. (Warum dies nicht geschieht, ist eben wahrscheinlich auch auf die Art der Sammlung mitzurückzuführen.)

Am Ende der Ausstellung gibt es eine Wand mit pinken Klebezetteln. Dort können Besucher_innen ihre Gedanken notieren und hinzukleben. Enstanden ist so quasi ein weiteres Ausstellungsstück, welches übertitelt werden könnte “Schland und Feminismus. 2015.”. Zu lesen sind dort wichtige Kritiken an der Zusammenstellung, pure Begeisterung, Feststellungen dazu, dass all jene verarbeiteten Probleme nun ja überwunden seien, die Frage, wo denn der Feminisms ™ heute ist, eine ganze Reihe von Zetteln, die die Farbauswahl bemängeln (“Pink ist Sexismus!”) und natürlich auch Highlights wie das Folgende:

Differenziertes Feedback: "Schrecklich! Davon bekomme ich ja Alpträume!"

Differenziertes Feedback: “Schrecklich! Davon bekomme ich Ja! Alpträume!”

Die Ausstellung “Feministische Avantgarde der 1970er Jahre. Werke aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien.” läuft noch bis zum 31. Mai in der Kunsthalle Hamburg.

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Reciprocal Trajectory

May. 27th, 2015 10:34 pm
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Posted by sprocket

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A fading actor with no artifice, a rising businesswoman with a few secrets up her sleeve.

Words: 951, Chapters: 1/1, Language: English

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Posted by Nadine

Peggy Piesche und ich waren als Referentinnen zur Tagung “Das Übersehenwerden hat Geschichte – Lesben in der DDR und in der friedlichen Revolution” in Halle geladen. Auf der Tagung standen verschiedene lesbische Perspektiven auf lesbischen Aktivismus in der DDR, während und nach der Wendezeit im Mittelpunkt. In diesem Zusammenhang fragte der Freitag ein Interview mit einer ‘Zeitzeugin’ an, das ich nach der Tagung mit Peggy Piesche führte. Wir konnten das Interview nicht zur Autorisierung freigeben, so dass es nun auf der Mädchenmannschaft erscheint. Die Zusammenarbeit mit dem Freitag zeigte deutlich, dass viele sogenannte ‘Qualitätsmedien’ bzw. journalistische Angebote nicht an Selbst-Erzählungen interessiert sind, die sich gängigen heteronormativen, weißen und westlichen Geschichts- und Diskriminierungsnarrativen und Interessen entziehen. Peggy Piesche hat dazu einen Text geschrieben, den ihr am Ende des Interviews findet.

Obwohl Lesben in der DDR rechtliche Gleichstellung genossen, blieben sie unsichtbar. Es gab im Gegensatz zur BRD kaum öffentliche Orte des Zusammenkommens, in der breiten Öffentlichkeit fanden sie keine Erwähnung. Teilnehmerinnen der Tagung sprachen davon, dass sie sich isoliert fühlten. Ging es dir ähnlich?

Ja, ich denke, dass dies ein allgemein gesellschaftliches Phänomen in der DDR war. Die rechtliche Gleichstellung von Lesben, die weit fortgeschrittenere Gleichberechtigung von Frauen allgemein in der DDR gegenüber der BRD war nur eine Seite bzw. nur eine Hälfte real-sozialistischer Ideologie. Da über vieles nicht geredet wurde und es wenig Räume gab, in denen alternative Lebensentwürfe gedacht oder gar gelebt werden konnten, entwickelte sich im DDR-Alltag so etwas wie eine sprachliche Leerstelle.

Was meinst du damit?

Natürlich wussten wir, was ‚Homosexualität‘ war, kannten Wörter wie ‚Lesben‘ und ‚Schwule‘. Aber im aktiven Aussparen dieser Wörter und allem, was damit zusammen hängt, indem eine bestimmte Sprache sozusagen nicht ausgeübt oder verwendet wurde, fehlten für Lesben und Schwule die Möglichkeiten in ihre Identität hineinwachsen zu können. Ich wusste sehr früh, wie ich fühlte und was das bedeutet. Aber in einen Austausch dazu zu kommen, war zumindest für mich in der Provinz (ich habe in den Mit-80ern in Erfurt studiert) kaum möglich. Das Schweigen war allgegenwärtig.

"Schwarz - lesbisch - deutsch. 1980er Jahre in Südostdeutschland“  - Peggy und ihre Mit-Azubis einer LPG in Gotha. Fotoquelle: privat

“Schwarz – lesbisch – deutsch. 1980er Jahre in Südostdeutschland“. Peggy (links) und ihre Mit-Azubis einer LPG in Gotha. Fotoquelle: privat

Waren bestimmte Lesben-Gruppen sichtbarer als andere?

Das glaube ich schon. Das bereits beschriebene sehr typische Phänomen in der DDR, nämlich unliebsame Geschichte/n, Realitäten und Gedanken in einem Mantel des Schweigens zu ersticken, spielt hier auch eine Rolle. Diese Pathologisierung des Schweigens funktionierte natürlich in den Provinzen besser als in den wenigen Zentren der DDR. In Städten wie Berlin, Leipzig, Dresden und Jena waren die Möglichkeitsräume schon etwas größer. Hier trafen schneller oder vielmehr schon früher als in anderen Gegenden die beiden ‚Parallelwelten‘ systemkritischer politischer Gruppen und alternativ gesellschaftliche Lebensentwürfe im Schutze der Kirche aufeinander. Dabei bildeten diese Räume durchaus die gewünschte weiße deutsche Homogenität ab, die auch in der DDR identitätsstiftend für das Nationalkollektiv galt.

Besonders die Lesben, die sich unter dem Dach der evangelischen Kirche organisierten, sahen sich politischer Verfolgung durch die Stasi ausgesetzt. Bespitzelung, Verhaftungen und Denunzierung waren an der Tagesordnung. Waren Lesben potentielle Systemfeindinnen?

In dem angestrebten Lebenskonzept ganz sicher. Denn das schien das recht biedere und bürgerliche Gesellschaftskonzept der DDR zu bedrohen. Nicht umsonst wurde auch in der DDR die heteronormative Familie als „Keimzelle“ der Gesellschaft gestützt. Dennoch muss aber deutlich gemacht werden, dass lesbisch sein noch nicht gleichbedeutend mit Systemkritik einher ging. Die Bespitzelungen der Stasi bezogen sich auf das gesamte Spektrum der Gesellschaft. Es haben auch Lesben Lesben bespitzelt.

Neben politischer Opposition spielte auch der Kampf um politische, soziale und kulturelle Anerkennung eine Rolle. Konntest du dich als Schwarze Lesbe mit den Zielen der Bewegung identifizieren?

Wie gesagt, von einer richtigen Bewegung wusste ich in der DDR nicht wirklich etwas. Die Bewegung konnte sich meines Erachtens eher erst nach bzw. mit der Wende als solches wahrnehmen und ihre Energien bündeln. Aus der Perspektive der DDR-Provinz handelte es sich vielmehr um zerstreute Räume und individuelle Begebenheiten. Für mich und meine Generation waren hier vor allem die Sommercamps der evangelischen Kirche Orte der Begegnung. Diese Räume waren natürlich alle durchweg sehr weiß, was wiederum für mich schnell zu Grenzerfahrungen führte. Als Schwarze Frau und Lesbe habe ich vor allem einen Bezug auf die differenzierten Lebensrealitäten, die es in der DDR gab, vermisst. In diesen Räumen wurde der gesellschaftliche Mythos, nach dem es Rassismus in der DDR nicht geben konnte, nicht hinterfragt.

Es gab also keine Räume, in denen Rassismus und Schwarze Lebensrealitäten Thema waren?

Rassismus galt in der DDR ideologisch als überwunden und wurde mit moralischem Verweis auf den Westen als systemisch irrelevant angesehen. Die DDR zelebrierte in ideologischen Gefechten des Kalten Krieges ihre Sozialistische Internationale Solidarität. Gern und besonders mit den ‚jungen aufstrebenden Nationalstaaten in Afrika’. Da passten die Erfahrungen und Lebensrealitäten Schwarzer Menschen und Lesben nicht ins Konzept. Mit dem Schweigen über Rassismus im eigenen Land und der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit von Menschen jenseits einer heterosexuellen weißen Norm waren diese Themen auch im DDR-Alltag wenig möglich. Weil es nicht gedacht werden konnte, war es für die meisten einfach nicht da.

Hattest du Kontakt zu anderen Schwarzen AktivistInnen in der DDR?

Es gab in Leipzig und Berlin Schwarze Gruppen, die bereits aktivistische Arbeit Ende der 1980er Jahre initiieren konnten. Das war selbst im Nachhinein für mich sehr empowernd zu erfahren, dass sie sich finden und kleine eigene Räume schaffen konnten. Ich persönlich habe den Kontakt zu anderen Schwarzen lesbischen Aktivistinnen, hier vor allem aus allen Ecken von Thüringen und Sachsen, erst nach der Wende, beim ersten gemeinsamen Bundestreffen von ADEFRA (Verein Schwarze Frauen in Deutschland) 1990 in München finden können.

Die afro-deutsche Dichterin und Aktivistin May Ayim beschrieb den Mauerfall und die Wendezeit einst als beängstigend. Aus ihrer Sicht schlug der deutsch-deutsche Einheitstaumel schnell in Nationalismus und Rassismus um. Teilst du Ayims Einschätzung? Wie hast du die Zeit erlebt?

Ja, ich teile diese Erfahrung und Einschätzung durchaus. Für mich hörte unsere sehr kraftvolle und vielversprechende Gesellschaftsintervention – von einer friedlichen Revolution haben ja dann vor allem die Westmedien gesprochen und damit vieles eigentlich sinnentleert – auf eine gemeinschaftliche Auseinandersetzung mit unserer Regierung zu sein, als die Demonstrationssprüche „WIR sind das Volk“ von Parolen „Wir sind EIN Volk“ abgelöst wurden. Damit steuerte die noch existierende DDR geradezu atemberaubend in einen Strudel eines neuerstarkten selbstgerechten Einheitsnationalismus, der sehr klar machte, was er zuerst nicht benannte: „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus.“ Ich habe recht schnell begriffen, dass Schwarze Menschen in diesem neuen Deutschlandskonzept genauso wenig mitgedacht waren. Das war im Übrigen weit vor der alles enttäuschenden Märzwahl 1990, die ja oft als Zäsur in der politischen Lesbenbewegung der DDR gilt.

Wieso enttäuschend?

Standen nach den Ereignissen im November 1989 die Zeichen für einen demokratischen Reformweg der DDR, bei dem auch die Gruppierungen der Lesbenbewegung im Rahmen der Runde-Tisch-Gespräche beteiligt waren, so verschob sich durch den im Wahlkampf anlaufenden Mediensturm aus dem Westen und den Wahlauftritten des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl alles auf eine schnellstmögliche Vereinigung und hin zur (West)CDU. Die entsprechende Enttäuschung am Wahlabend und in der Zeit danach, in der die DDR bis zur Währungsunion im Juni 1990 de facto verabschiedet wurde, verstehe ich sehr gut und teile diese als eigene politische Erfahrung. Allerdings war das Projekt einer einschließenden Veränderung unseres Landes hin zu einer rassismus- und homophobiefreien Gesellschaft schon weit vor diesen Wahl(kampf)ereignissen gescheitert.

Obwohl der politische Umbruch für die meisten Ost-Lesben mehr demokratische Teilhabe bedeutete, wollten viele an einem sozialistischen System unter anderen Rahmenbedingungen festhalten, wiederum andere bangten um den Verlust ihrer Errungenschaften. Welche politischen Konsequenzen hatte die Wiedervereinigung aus lesbischer Sicht?

Ja, so ambivalent ist das Leben. Allgemein gesellschaftlich waren wir in der DDR vor allem bzgl. der Frauenrechte und Gleichstellungshürden schon sehr viele Schritte weiter als die damalige Bundesrepublik im Jahre 1990. Doch das schlug sich nicht zwangsläufig in den eigenen Lebensentwürfen nieder. Gerade in einer ‚Alltagsdiktatur‘, in der Teilhabe und Selbstverwirklichung oft nicht möglich war. Auf der anderen Seite hat die Wende eben vor allem die Sichtbarkeit ermöglicht, um die in der DDR solange gestritten wurde.

Auch für dich als Schwarze Lesbe?

Für mich war es der Beginn eines Weges, pluralisierte Repräsentationen, die ich selbst verkörperte, mit und in anderen zu finden. Ich konnte im wahrsten Sinne des Wortes die Bewegungen finden, die mir in der DDR gefehlt haben. Mit den Schwarzen Frauen und Lesben von ADEFRA habe ich das, was ich fühlte und die Wörter, die ich zwar kannte, nun so füllen können, dass ich diese Teile meiner Identität zusammen leben konnte. Für die Schwarze lesbische Bewegung kann ich sagen, dass wir zueinander gekommen und mit dieser gebündelten Energie in eine politische sehr nachhaltige Zeit der 1990er aufgebrochen sind. Gemeinsam haben wir herausgefunden, dass wir uns in diesem gesellschaftlichen Rahmen quasi selbst erfinden mussten. Eine enorme kreative Arbeit, wie die Geschlechterforscherin und Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Maisha Eggers auf der Tagung in Halle so treffend auf den Punkt brachte.

Wie verliefen die ersten Zusammentreffen von Ost- und West-Lesben nach dem Mauerfall?

Wie gesagt, in der Schwarzen Community habe ich unser Zusammenkommen als eine gemeinsame Bereicherung erlebt. Natürlich hatten wir mit den gleichen Problemen von systemischem Unverständnis und Sprachlosigkeit zu kämpfen wie der Rest deutsch-deutscher Annäherung. Was mir jedoch in den überwiegend weißen Lesbenräumen der 1990er Jahre aufgefallen ist, war ein relatives Untergehen der Ostbezüge. Es war, als wenn die DDR und mit ihr die darin geführten Kämpfe nun eben als abgeschlossen galten. Auf den Lesbenfrühlingstreffen und den Berliner Lesbenwochen spielten solche Themen m.E. kaum eine Rolle. Vielmehr ist hier wohl dem allgemeinen Tenor, dass aus der DDR nichts Rettenswertes übrig blieb, gefolgt worden.

Das klingt nach Konfliktpotenzial…

Interessanterweise zeigten sich die größten Konflikte nach der Vereinigung vor allem in der Aussparung von Rassismus als themenrelevantes Diskussionsfeld. Schwarze Lesben aus Ost und West haben sehr für ihre Sichtbarkeit und die Versprachlichung von systemischem Rassismus, der zum Beispiel auch nicht vor den Räumen der Lesbenwoche halt machte, gekämpft. Ich glaube, einige haben sich erst in dieser Zeit zum ersten Mal als weiß und Teil dieser mehrheitlich weißen Gesellschaft begriffen. Insofern ist ein Thema aus DDR-Zeiten über die Vereinigung hinaus relevant geblieben. Lesbische Sichtbarkeit in einer weißen Gesellschaft kann ohne die Thematisierung von Rassismus nicht wirklich erreicht werden, denn: Sichtbarkeit kann nie nur die eigene sein.

Peggy Piesche ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin und arbeitet an der Bayreuth Academy of Advanced African Studies. Sie ist Mitfrau bei ADEFRA e.V. (Facebook-Seite) und arbeitet vor allem zu Diaspora und Black European Studies. Sie ist u.a. Mit-Herausgeberin von „Mythen, Masken und Subjekte – Kri­ti­sche Weißseinsforschung in Deutschland”. Im Jahr 2012 erschien unter ihrer Herausgabe die Anthologie “Euer Schweigen schützt euch nicht. Audre Lorde und die Schwarze Frauenbewegung in Deutschland“.

Mehr zum Thema:

Peggy Piesche: “Schwarz und deutsch? Eine ostdeutsche Jugend vor 1989 – Retrospektive auf ein ,nichtexistentes’ Thema in der DDR

Nadine Lantzsch: “Ausschluss oder Ausgangspunkt? Bündnisse und Fragen an die Lesbenbewegungen in der DDR

Peggy Piesche – Die Bequemlichkeit der Ignoranz
Schreiben ist nicht immer schnell, flexibel und anpassungsfähig. Eher nähert es sich uns langsam, ist mühsam und langsam. Schreiben und sinnmachendes Verworten ist aber auch ein Geschenk. Es kann wie das Erleuchten eines dunklen Zimmers sein, oder wie das Ausgraben alter Schätze, vergangener Leben, das Entstauben lang lagernder Puzzlesteine von kollektiven Erfahrungen. Schreiben und das sinnmachende Verworten gibt (vorhandenem) Wissen eine Form und macht es öffentlich. Das Geschenk liegt auch in dessen Aufnahme, des Gelesenwerdens, des Weiter/Mitgenommenwerdens. Damit kommt dem Schreiben auch eine große Verantwortung zu und lässt es wieder zurückfallen auf seine Ursprungsmühen.

Schreiben ist konkret und muss bei aller kreativer und vielleicht auch verkopfter Ausschweifung zitierbar für etwas stehen. Dies trifft vor allem für aktivistische Interventionen in eben diese Wissensräume zu, die durch das endlose Schreiben unseres Kanons immer wieder notwendig sind. In einem Balanceakt von Interviewfragen und -antworten, die sich doch zu einem Gesamtleseerlebnis fügen sollen, dann auch noch numerischen Vorgaben der Zeitschrift wie Zeichenmenge und Antwortlänge genügen müssen, sind redaktionelle Bearbeitungen sicher nicht einfach. Sie müssen den Gesamtton der Zeitschrift im Auge behalten, haben den Überblick über die inhaltliche Gestaltung der restlichen Seite und und und… Da können schnell Momente der Egokränkung bei Autor_innen entstehen.

Inhaltliche Eingriffe, die vom Standpunkt der eigenen thematischen Uneingebettetheit ausgehen und diesen noch als normativen Rahmen verteidigen, gehen aber darüber hinaus. Das vorliegende Interview war ursprünglich für den Freitag vorgesehen. Doch konnten wir es schließlich nach weitgreifenden und inhaltlich z.T. kaum noch nachvollziehrbaren redaktionellen Eingriffen dann jedoch nicht freigeben. Nach mehrmaligen Telefonkonferenzen und zwei verschiedenen redaktionellen Fassungen kamen wir nicht zusammen. Auch die Redaktion (Juliane Löffler, Community-Managerin/ Onlineredakteurin) sah keine Möglichkeit des Abdrucks, wenn nicht “gewisse journalistische Standards” eingehalten würden.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Allerdings dagegen schon, ein politisch wichtiges Thema so runterzukochen und reißerisch aufzumachen, dass es für die zwei beteiligten Perspektiven nicht nur nicht mehr wiederzuerkennen, sondern auch schlichtweg entperspektiviert und entpolitisiert wird. In meinen Gesprächen mit Frau Löffler wurde das Problem schon schnell ersichtlich. Die “Leserschaft” schien aus einer homogenen Masse einer heteronormativen weißen, westlichen Erfahrungswelt zu bestehen. Alle Referenzen auf eine Erfahrungswelt in der DDR, wie z.B. die gesellschaftliche Bedeutung von “unter dem Dach der evangelischen Kirche” bzw. eine geanderte, marginalisierte und rassifizierte Perspektive wurden mainstreamfähig aufgepappt.

Heraus kamen vermeintliche Ich-Sätze wie “Ich fühlte mich wie viele andere auch isoliert” bzw. “die Gemeinderäume” oder gar “Homosexuelle”. Das mag vielleicht für eben jene homogene Masse, die die “Community-Managerin” im Sinne hat, interessewirkend in ein Interview ziehen. Es entspricht jedoch weder der eigentlichen Aussagen noch einer möglichen Subjektsetzung und Selbst-Empowering. Dies scheint nicht leicht zu verstehen zu sein.

Wir schreiben, sprechen und performen nicht für ein einfaches und möglichst unangestrengtes Interesse des weißen Mainstreams. Wir tun dies zuerst und vor allem aus o.g. Gründen der Verantwortung unserer kollektiven Erfahrung. Es liegt etwas sehr Empowerndes darin, marginalisierte und rassifizierte Erfahrungen so zu vermitteln, dass sie sich jenseits des ‘Opferstatus’ zeigen. Schließlich müssen und wollen wir in der Lage sein uns unsere Geschichte so zu vermitteln, dass wir daraus Kraft, Wissen um Geschichte und Geschichtlichkeit, Anregungen und damit Energie gewinnen können.

Ein Interview, das mit ‘Isolation’ beginnt, wenig Perspektivisches zur eigentlichen gesellschaftlichen Situation vermittelt, vermeintlich selbst pathologisierende Wörter wie ‘Homosexuelle’ weiterträgt, entlässt eine “Leserschaft”, die aus Schwarzen und weißen lesbischen und heterosexuellen Leser_innen mit direkten oder auch indirekten Bezügen zur DDR-Geschichte ebenso besteht, wie der offenkundig klassische Freitag-Leser, eben nicht in dieser Form.

Unsere Printmedien werden da zum ultimativen Hüter einer normativen Wissensunwilligkeit, wo sie ihre eigene Themenfremdheit damit schützen, indem sie alles ‘Wissensfremde’ einfach schnell rauskürzen. Wo Schwarze Wissensbezüge, auch im Zitat (siehe Prof. Maisha Eggers), aufgrund der eigenen individuellen Ignoranz herausgestrichen werden und dies mit einem Allgemeinverständnis begründet werden soll (‘der Leser kennt das nicht…’), wird eben jene Ignoranz systemisch weiter fortgeschrieben. Das beschriebene Erlebnis mit dem Freitag zeigt, wie wichtig es ist, diesen normativen Wissenskanon immer wieder zu verstören.

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Somewhere Over

May. 26th, 2015 12:24 am
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Posted by raspberryhunter

by

She thought: I'm glad I got to see her again, this once.

On the other side after “Liberty.”

Words: 954, Chapters: 1/1, Language: English

Selbermach-Sonntag (24.05.2015)

May. 24th, 2015 10:10 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.

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Ein deutsches Drama

May. 22nd, 2015 07:00 am
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Posted by accalmie

Zehn Menschen hat der selbsternannte “Nationalsozialistische Untergrund” (NSU) ermordet. Beim NSU-Bombenanschlag in Köln wurden 2004 mehr als zwanzig Menschen zum Teil schwer verletzt. Der NSU war nicht nur das “Trio” Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, sondern (wurde unterstützt durch) ein Netzwerk (extrem) rechter Organisationen und Personen in der gesamten Bundesrepublik. Sowohl Ver­fas­sungs­schutz als auch Po­li­zei ver­schlei­ern nach wie vor ihre da­ma­li­gen Ver­bin­dungen zu und Wis­sens­stän­de vom NSU – Akten­schredder und systema­tische Ge­dächt­nislü­cken sei Dank. Der Prozess gegen Beate Zschäpe ist nicht ab­ge­schlos­sen. Prozess-/Untersuchungsausschuss-Zeug_innen ha­ben ei­ne ge­häuft ver­kürz­te Le­bens­er­war­tung. All das ist so un­fas­sbar wie es fass­bar ist in die­sem Land; all das er­klärt die Not­wendig­keit be­sonderer medialer Sorg­falt, von Re­flek­tion, von Ge­denken.

Nicht für das erste deutsche Fernsehen, denn das meinte seine letztjährige Ankündigung tatsächlich Ernst. Die ARD initiierte einen Fernsehfilm-Dreiteiler über den NSU – die Dreharbeiten sind bereits im Gange, wie die Berliner Zeitung berichtet:

Anna Maria Mühe (29) ist für die ARD in die Rolle der Rechtsextremistin Beate Zschäpe geschlüpft. Eine Sprecherin der Münchner Programmdirektion bestätigte am Donnerstag einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach die Dreharbeiten für einen ARD-Dreiteiler mit Mühe in der Hauptrolle über die Terrorzelle NSU bereits im Gange seien. Die Ausstrahlung ist für 2016 vorgesehen. Die Rollen der beiden toten Rechtsextremisten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben Albrecht Schuch (29) und Sebastian Urzendowsky (29) übernommen.

Nochmal langsam: Man kann sich auf einen weiteren “Untergang” freuen (und in der Tat ist auch noch ein Spielfilm in der Mache). Die ARD dramatisiert neonazistische Morde für das Sonntagabendkino der teutschen “Volks”-Seele. Vermutlich statt Tatort, vor Jauch (wo dann eine weiße männliche Innenminister-Runde darüber reden wird, wie man das alles nicht hätte wissen können, wie vereinzelt und isoliert “Rechtsextremismus” sei, und dass man auch “Linksextremismus” im Blick haben müsse, weil Autos.). Man muss ja auch mal die menschliche Seite extrem rechten Terrorismus’ sehen, die Jugend, die Rebellion, die Suche nach (“Volks”-)Gemeinschaft, die road trips. Vielleicht können sich Zuschauer_innen auch sicher wähnen, so nicht zu sein, sondern nur durch­schnitts­ras­sis­tisch.

Es scheint sich um ein Projekt aus und zur Täter_innenperspektive zu handeln – die Namen der eventuellen Darsteller_innen von NSU-Opfern werden erst gar nicht erwähnt. Ihnen und ihren Angehörigen wird die gleiche Individualität offenbar nicht zugestanden. Sie bleiben hier eine nicht näher benannte, entmenschlichte “Masse”, während wir die Menschen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos kennenlernen sollen, statt eine Dokumentation über jene, die politischen Dimensionen, die Untätigkeit deutscher Behörden, die Hintergründe des NSU und der (extrem) rechten Szene in diesem Land oder gar eine Würdigung der Leben der vom NSU Ermordeten zu sehen.

Die Widerlichkeit des ganzen ist schwer zu überbieten – dabei traut man Öffentlich-Rechtlichen nach diversen Blackface-Intermezzos ja schon Einiges zu. Die NSU-Morde, die Unfähigkeit über bewusste Ignoranz bis Unterstützung deutscher Behörden, den politischen Unwille zur Aufklärung oder gar Thematisierung der Menschenfeindlichkeit sowohl (extrem) Rechter und ihrer Anschlussfähigkeit, gar direkten Verbindungen zur “Mitte” nun aber zum  Krimi-Dreiteiler zu verarbeiten, war schon jenseits des “teutschen Unterhaltungs”-Erdenklichen (in den Grenzen von…).

Die ARD freut sich sicherlich über Feedback: Melden kann man sich über das Kontaktformular, diese Kontaktadressen oder auf Twitter bei @DasErste.

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Posted by Hengameh

Vor ein paar Wochen besuchte ich eine Podiumsdiskussion im Hebbel am Ufer, in dem es um Privilegien ging – um männliche, heterosexuelle und weiße. Wo machen sich diese Privilegien deutlich und wie können sie abgegeben werden? Viel Spannendes kam dabei nicht herum, aber eine Passage hat sich bei mir eingebrannt. Es war ein Abschnitt, der viele mehrheitlich weiße feministische Debatten zusammenfasst. Thema war die Angst vor Fehlern: Wer sich in politischen Kontexten bewegt, weiß um das Risiko, dass mal etwas eskalieren, als problematisch eingelesen und mit einem starken Shitstorm quittiert werden kann. Dieses Gefühl kenne ich zu gut. Besonders, wenn eins den Anspruch hat, mit der eigenen Arbeit Leute aus ihrer Comfort-Zone rauszuschubsen und den flauschigen Bereich liberaler Popular Opinions zu verlassen, ist die Angriffsfläche groß.

“Du kannst eh nicht immer alles richtig machen”, behauptet gefühlt die ganze Welt, faktisch vor allem weiße Personen. Auch an diesem Abend sollte es so sein. Podiumsgast und Performerin Simone Dede Ayivi brachte dazu einen sehr wichtigen Punkt ein. Sie gestand, dass sie für sich selbst tatsächlich den Anspruch hat, stets alles richtig zu machen. Natürlich gelingt es nicht immer, aber, so sagte sie, wenn die eigene Herangehensweise frei nach dem Motto “zufrieden werden eh nicht alle sein”/”Fehler kommen so oder so vor” ist, dann ist es klar, dass irgendwas verkackt wird/problematisch ist.

Für mich war dies ein sehr wichtiger Moment in meiner aktivistischen Arbeit. Ich wusste, dass ich nicht immer alles richtig machen kann, ich wusste aber auch, dass ich mit einer ausschließenden, problematischen Praxis nicht zufrieden bin. Und wenn ich nicht einmal den Anspruch habe, keine Fehler zu machen und selbstkritisch zu sein, ist es klar, dass das Ergebnis scheiße wird.

Insbesondere, wenn es um subversiven Aktivismus geht, wünsche ich mir ein kritischeres Denkvermögen. Ja, politisches Handeln darf auch weh tun – aber wem? Denen, die von bestehenden Machtstrukturen profitieren oder jenen, die von ihnen unterdrückt werden? Und wer klopft sich schon bei 40% des möglichen Rahmens auf die Schulter und sagt sich “das reicht schon so, sind eh nicht immer alle zufrieden”? Meiner Erfahrung nach häufig weiße Feminist_innen. Mir missfiel schon letztes Jahr auf der re:publica, wie eine weiße Feministin aus sehr privilegierter Perspektive zum “Feminist Burn-Out” sprach und sich die Thematik stark aneignete. Ja, aktivistische Arbeit raubt viele Ressourcen. Aber am wenigsten von einfach betroffenen Personen wie ihr. Häufig sind es nämlich Schwarze Feminist_innen_Feminist_innen of Color, die sich in Richtung eines “Feminist Burn-Outs” hinbewegen. Zum Beispiel, weil sie nicht nur das rassistische Cis-Hetero-Patriarchat bekämpfen müssen, sondern drölftausend weiße_cis_heter@ Feminist_innen aufklären müssen. Wahrscheinlich mit einigen Spezis unter ihnen, die sich auch mal wieder dachten, der Mut zur Lücke müsse sein. Da finde ich es unerträglich, diese Endlosschleife des privilegierten “Mimimimi alle hacken auf mir rum, wenn ich mal was falsch mache”(lies: “Bei Rassismus oder anderen Diskriminierungen, von denen ich nicht betroffen bin und die ich selbst reproduziere, wird mal kein Auge zugedrückt”)-Gejammers zu hören oder zu lesen. Natürlich kommen Fehler mal vor, aber Personen können sich auch Mühe geben, nicht den gleichen Fehler trotz Kritik siebzehn Mal hintereinander zu machen.

Selbstkritik soll natürlich nicht zermürben, aber herrschaftskritische Praxis ist nun mal keine unbeschwerte Leichtigkeit, die keck und frech über die Bühne gebracht werden kann. Siehe FEMEN. Siehe Pinkstinks. Siehe Lily Allen. Siehe, siehe, siehe. So please, dear white feminists, get your shit together!

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 278 von 278 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links:

Die Beratungsstelle für Opfer rassistischer, antisemitischer und rechtsextremer Gewalt in Berlin – ReachOut – hat eine Broschüre herausgegeben: „Grundlagen für eine diskriminierungsfreie Pädagogik im Kindergarten“.

Es wir derzeit eine Publikation über die letzten 30 Jahre ISD/jüngere Schwarze Bewegung in Deutschland vorbereitet. Für ein Kapitel zu “Black & Queer” gibt es eine Umfrage, um so viele Erfahrungen wie möglich abzubilden.

Vice interviewt einige der Mitglieder von Rawiya, einem Kollektiv von Dokumentar-Forografinnen aus verschiedenen arabischen/ nord-afrikanischen Ländern.

Der Tagesspiegel berichtet von der Veranstaltung mit Angela Davis und Gina Dent in der Werkstatt der Kulturen. Auch die Aktivist_innen vom Oranienplatz haben ein Statement zum Besuch der beiden Aktivistinnen in Berlin geschrieben. Die Geflüchtetenbewegung sei die soziale Bewegung des 21. Jahrhunderts, sagt Davis in nachfolgendem Interview:

Kennt ihr eigentlich schon das Portal lesbengeschichte.org? Die mehrsprachige Webseite stellt lesbische Geschichte, Kultur, Biographien, Filme… vor.

Bei der Grassroots Akademie ist ein Statement von Kien Nghi Ha nachzulesen zu rassistischen Strukturen im deutschen Unibetrieb.

Folter und Misshandlungen durch die Bundespolizei – deckten Mitwisser den Täter?“, fragt ProAsyl.

Englischsprachige Links:

[Spoiler für Game of Thrones] The Mary Sue erklärt, warum sie nicht weiter für Game of Thrones werben werden.

“Overlooking these women’s contributions doesn’t just misrepresent the era, it’s also helped solidify philosophy’s status as a white men’s club.” – The Atlantic schreibt über das Projekt Vox, bei dem Wissenschaftler_innen und Student_innen Texte und Übersetzungen von Philosophinnen aus dem 17. Jahrhundert zusammenstellen und Vorschläge für ein Curriculum erstellen.

Schlechte Filmideen überall: Disney will tatsächlich die Geschichte eines weißen, us-amerikanischen Vaters verfilmen, der im Sudan eine Flagge in den Boden rammte um seiner Tochter ein Königreich zu geben (just like colonialism never happened), schreibt Madame Noire. Janet Mock wirft außerdem einen Blick auf den neuen Film ‘Aloha’ und der Tradition von Aneignung und Unsichtbarmachung von Kanaka Maoli (den Native Hawaiians) im us-amerikanischen Film.

Fünf Gründe, warum die omnipräsenten Studien zur “Übergewichts-Epidemie” die Existenz einer solchen “Epidemie” nicht wirklich beweisen, nennt Melissa A. Fabello bei eveydayfeminism.

Die Studentin Emma Sulkowicz wurde durch einen Kommilitonen vergewaltigt. Daraufhin trug sie auf ihren Wegen über den Campus monatelang eine Matratze mit sich, um ein visuelles Statement auch gegen den Umgang ihrer Uni mit dem Vorfall zu setzen. Nun hat Sulkowicz ihr Studium beendet – und die Matratze war auch in der Abschlusszeremonie dabei, berichtet Mashable.

Termine in Wien, Göttingen und Berlin

23. Mai, Berlin: Fett voll feiern – eine fette Party im So36.

5./6. Juni, Wien: Femcamp, eine Konferenz mit feministischen Perspektiven, die von den Beiträgen ihrer Teilnehmer_innen lebt

12./13. Juni, Göttingen: Das Antifee Festival startet in die nächste Runde

22. Juni, Berlin: Fachtagung zum Thema Postkolonialismus, die sich intensiv mit der kolonialen Geschichte Berlins und deren Aufarbeitung zu beschäftigen wird

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Shut Up and Sign_Speak!

May. 19th, 2015 07:30 am
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Posted by Magda

Shut Up and Sign_Speak ist ein Projekt, das die Zusammenarbeit zwischen tauben und hörenden Performer_innen durch Spoken Word, Hip Hop und Gebärdensprachperformance inszeniert. Am Ende einer dreimonatiger Vorbereitung steht eine Show: Am 18. Juni 2015 präsentieren taube und hörende FrauenLesbenTrans*Inter*Queers in der Werkstatt der Kulturen in Berlin ihre Stücke.

Das Projekt braucht noch finanzielle Unterstützung, deshalb wurde eine Crowdfunding Kampagne gestartet. 

Eure Spenden helfen bei der Zahlung des Veranstaltungsortes, der Technik, der Kosten für Gebärdensprachdolmetscher_innen, der Videodokumentation und der Performer_innen.

Shut Up and Sign_Speak

Katinka und Simi von Shut Up and Sign_Speak

Mit dabei ist übrigens auch Mädchenmannschaft-Autor Jayrôme C. Robinet.

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Death By

May. 18th, 2015 11:54 am
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Posted by FairyNiamh

by

Walter has only seen pictures like this... and Olivia isn't sure she is happy knowing what he knows.

Words: 604, Chapters: 1/1, Language: English

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Posted by accalmie

[Inhaltshinweis: (Milde) Spoiler für Pitch Perfect 2]

Bridesmaids, The Heat, Pitch Perfect (und nun offenbar auch Mad Max) – Hollywood-Blockbuster, in denen Frauen nicht nur die Hauptrollen spielen, sondern auch andere Interessen als die Jagd nach einer heterosexuellen romantischen Zweierbeziehung haben, sind noch immer eher spärlich gesät. Der erste Teil von Pitch Perfect, der sich um die Frauen-A-Capella-Gruppe “Barden Bellas” dreht, kam 2012 ins Kino und wurde zum unvermuteten Hit. Pitch Perfect 2, der am 15. Mai anlief, setzt letztlich da an, wo der erste Film aufhörte.

Die Barden Bellas haben mittlerweile drei nationale Titel für ihre Sangeskünste gewonnen und stehen wieder auf der Bühne. Fat Amy (dargestellt von Rebel Wilson) hat eine, nun ja, “Wardrobe Malfunction” bei einem Stunt und zeigt der Welt was passieren kann, wenn man keine Unterwäsche trägt und die Hose reisst. Die Barden Bellas sollen daraufhin aufgelöst werden, es sei denn – und man hinterfragt die Logik hier am besten einfach nicht – sie gewinnen den internationalen A-Capella-Wettbewerb in Kopenhagen und werden Weltmeisterinnen. Wie man sich denken kann, passieren auf dem Weg nach Kopenhagen lustige Dinge, Probleme müssen gelöst und Lieder und Choreographien einstudiert werden, und darüber hinaus stellt sich für jede Barden Bella die Frage, wie es nach dem College-Abschluss weitergehen soll.

Quelle: Wikipedia.

Quelle: Wikipedia.

Während sich das Narrativ im ersten Teil noch stark an der Ent­wick­lung von Beccas (dargestellt von Anna Kendrick) und Jesses Be­zieh­ung orien­tier­te, spielen die ro­man­ti­schen Be­ziehun­gen der Bar­den Bel­las in Pitch Perfect 2 eine er­fri­schend ne­ben­säch­li­che Rol­le. Gezeigt werden vor­nehm­lich die Un­ter­stütz­ung durch Be­­­zieh­­ung­s­­­part­­­­ner und die un­be­darft-über­for­der­ten Ver­­­su­­che Ben­­jis, mit der Barden-Bella-Nach­wuchs­sänger­in Emi­­ly zu flir­­­ten, bis die­­­se selbst die Ini­­­tia­­ti­­­ve er­­­greift. Im Zen­­­trum stehen aber im­­­mer die Be­­­zieh­­ung­en der Bar­­­den Bel­­­las zu­­­einan­­­der und Fra­­­gen der per­­­sön­­­li­­chen (Weiter-)Ent­­wick­­­lung. Den Bechdel-Test besteht Pitch Perfect 2 also wieder mit Leich­tig­keit. Pitch Perfect 2 wurde zudem von Frauen ge­schrie­ben und pro­du­ziert, und Eli­za­beth Banks (die die Kommentatorin Gail spielt) führ­te Regie.

Pitch Perfect 2 ist lustig: Die deutsche A-Capella-Gruppe und größte Barden-Bella-Konkurrenz “Das Sound Machine” wurde zielsicher mit Youtube-Sternchen Flula Borg besetzt und hart akzentuiert, und auch sonst geben sich einige bekannte Gesichter die Ehre, angefangen von Keegan-Michael Key, John Hodgeman und David Cross über diverse Greenbay Packers-Spieler und Snoop Dogg, hin zu Christina Aguilera, Robin Roberts, Rosie O’Donnell und Rosie Perez. Es beweist sich ebenfalls erneut, dass Witze über Deutschland immer ziehen und dass es amüsant bleibt, Uncoolness liebevoll in Szene zu setzen. Pitch Perfect 2 tut gut daran Fat Amy stärker in den Mittelpunkt zu rücken, und Sexismus und Misogynie werden auch in dieser Fortsetzung persifliert.

Genau hier zeigt sich aber das übliche Problem: Das allein reicht nicht. Bei Think Progress hat Jessica Goldstein schon beschrieben, warum “racism for comic relief”, also der Einsatz von rassistischen Witzen und Klischees, auch in Pitch Perfects Fortsetzung in die Hose ging. Ich hoffte beim Gucken immer wieder, dass diese Witze irgendwann aufgelöst würden – also, dass ein Charakter einen solchen lakonisch kommentiert, dass irgendwann peinlich berührte Stille herrscht in einer Szene oder durch eine Aktion das Gegenteil des Gesagten bewiesen wird. Bei Sexismus-Satire, die Pitch Perfect (beide Teile) ganz gut drauf hat, funktioniert das ja auch. Hier bleibt Flo (dargestellt von Chrissie Fit), die neue Barden Bella aus Guatemala, allerdings ein rassistisches Latina-Klischee, die ausschließlich und allein für komödiantischen Effekt von ihren Fluchterfahrungen erzählen darf. Auch Lilly (dargestellt von Hanna Mae Lee) muss weiterhin die leise, schüchterne, aber heimlich kampferprobte und leicht angsteinflößende asiatisch-amerikanische Barden Bella mimen. 

Pitch Perfect 2 versucht weiterhin mit Hetero-Klischees zu spielen, doch bleibt die Darstellung romantischer Beziehungen heteronormativ. Cynthia Roses (dargetellt von Ester Dean) Verlobte wird lediglich in einem Nebensatz erwähnt und niemals vorgestellt. Die Witze über mangelnde Norm-“Weiblichkeit” von Lesben bleiben ebenso problematisch und unaufgelöst wie die sich wiederholende Darstellung von Übergriffigkeit durch Cynthia Rose als der Schwarzen Barden Bella, die ihre Lust nicht unter Kontrolle hat. Die Entwicklung der Nebencharaktere kommt in Pitch Perfect 2 also erneut viel zu kurz. Eine antisemitische Bemerkung bezüglich Juden_Jüdinnen und Reichtum konnten sich die Filmemacherinnen ebenfalls nicht verkneifen. Satire ist dann eben keine Satire, sondern Vorurteilsreproduktion, die nach unten tritt. They could have finished that like a cheesecake. Doch somit ist Pitch Perfect 2 bezüglich Diversity und Abkehr von weißem, heterosexuellem Universalismus nicht weit gekommen, weder in der Besetzung des Films noch im Drehbuch.

Zuletzt kommt Pitch Perfect 2 auch nicht umhin, Fat Amy immer noch als dicke Lachnummer einzusetzen. Das Fatshaming hat seinen Höhepunkt bereits in der ersten Szene, aber auch danach kommt der Film nicht ohne die ständig auf Gags ausgelegte Inszenierung von Amys Körperform aus. Die Kussszene zwischen ihr und Bumper endet ebenfalls im “comic relief”. Dass eine dicke Frau sowohl mit ihrem Körper als auch ihrem (Liebes-)Leben zufrieden sein könnte, sich als begehrenswert empfindet und so empfunden wird und eine Liebes- und_oder sexuelle Beziehung führt, die nicht (nur) für Publikumslacher dient, ist offenbar unvorstellbar und damit eine Quelle für Komik; dabei ist Fat Amys und Bumpers Beziehung letztlich die zentrale Liebesbeziehung des Films. Fat Amys Sexleben als genauso selbstverständlich darzustellen wie das der nicht-dicken_fetten Freundinnen – dazu reicht es auch in Pitch Perfect 2 nicht. Rebel Wilson spielt darüber hinweg.

(Pop-)Kultur heißt fast immer Problematiken in Kauf nehmen und (mit sich und anderen) verhandeln zu müssen, was und wie viel davon erträglich ist. Bestimmte Filme werden auch nochmal besonders kritisch beäugt. Pitch Perfect 2 macht trotz allem Spaß, was auch daran liegt, dass der Film beim alten Rezept bleibt. Die Protagonistinnen zeigen echte Freund_innenschaften. Der Humor des Films (inklusive der Wortspiele) ist zugänglich, man schaut zumeist charmantes Wohlfühlkino und die Musik und Choreographie reichen von unterhaltsam bis richtig gut. Wenn Blockbuster, dann bitte keine androzentrischen: Pitch Perfect 2 ist dafür auf alle Fälle ein Beispiel, geht es im Kern doch um Schwesternschaft und die Anerkennung und Zelebrierung von Individualität. Das ist A-Ca-ltbewährt.

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Selbermach-Sonntag (17.05.2015)

May. 17th, 2015 07:00 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.

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Samstagabendbeat mit Bessie Smith

May. 16th, 2015 03:00 pm
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Posted by Charlott

In den USA läuft heute auf HBO das Bio-Pic “Bessie” über die Blues-Sängerin Bessie Smith (1894-1937). Die Hauptrolle spielt keine geringere als Queen Latifah und Regie führte Dee Rees (Pariah), die auch am Drehbuch mitschrieb. Hoffen wir, dass der Film bald auch hier zugänglich ist – und bis dahin bleibt natürlich immer noch: Musik!

Zum Weiterlesen: Rebel Girls: Bessie Smith Was a Queer Pioneer, and We’re Finally Gonna Get to Talk About It

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Posted by Nadine

Dieser Text ist Teil 275 von 275 der Serie Die Blogschau

Anna Dushime schreibt auf Buzzfeed, was es bedeutet, den eigenen Vater im Völkermord zu verlieren. Er wurde 1994 Opfer des Genozids an den Tutsi in Rwanda.

Auf nopsyko findet ihr einen kurzen Informationstext zur Anforderung und Einsichtnahme in die Behandlungsakten von vergangenen Psychiatrieaufenthalten.

Antipsychiatrische und pathologisierungskritische Perspektiven auf einem Vortrag und in einem Workshop? Steinmädchen ist buchbar!

Vergangene Woche war “Muttertag”. Schwarzrund ruft zum Feiern der Leerstelle auf, Maja Schwarz findet, dass die Muttertagsfrage ein Minenfeld ist und beim Gemischtwahnlädchen geht es um Tod und Verlust.

Auf umstandslos schreibt Anna Lisa über das Fotografieren von Kindern, die entweder während einer Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verstorben sind.

Angela Davis und Gina Dent sind derzeit in Berlin zu Gast, sprachen mit Aktivist_innen u.a. über den aktuellen Stand der Geflüchtetenproteste. Auf Schwarzrund gibt es einen Bericht zu einem Community-Workshop in der Werkstatt der Kulturen, an dem Davis und Dent teilgenommen haben.

Auf dem Blog des Berliner Theatertreffens sprechen fünf Kulturschaffende über Interventionen in rassistische Strukturen des deutschen Theaters.

Mode und Selbstdarstellung als Empowerment-Tools ist Thema bei Les Flâneurs.

Riot Trrrans* schreibt über seine Transitionserfahrungen der letzten Jahre und fragt sich, warum es vor allem für andere so schwer bleibt, Selbstbestimmung anzuerkennen.

In Frage stellen: Musik beschäftigt sich dieses Mal mit musik_kulturellen Aneignungen, welche Dimensionen Aneignungshandlungen haben können, welche Kritiken und Interventionsmöglichkeiten es gibt.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.

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Posted by Jayrôme

—- English version below —

 

PRO UND KONTRA, DAS  ‘T’  AUS  ‘LSBT’  ZU ENTFERNEN

Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie (IDAHOT*). Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, jenen Tag an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus ihrem Krankheiten-Katalog strich. Bis heute aber führt die WHO transgender Identitäten als Störung auf.

Nicht nur aus diesem Grund plädieren einige transgender Aktivist_innen für eine Trennung von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen auf der einen Seite und transgender Menschen auf der anderen. Sie möchten den Kampf lieber getrennt weiterführen.

Wir haben den Eindruck, dass die Inklusion des ‘T’s in den LSBT-Überbegriff im besten Fall verwirrend, im schlimmsten Fall nicht sehr hilfreich bei der Suche nach wirklicher Gleichberechtigung für transgender Personen ist.

sagt Frances Shiels, Vorsitzende des nordirischen transgender Vereins Focus: The Identity Trust. Und auch transgender Autor Lee Hurley erklärt, warum es Zeit ist, dass ‘T’ aus LSBT zu entfernen.

Maria Sundin, die von 2010 bis 2013 Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von Transgender Europe (TGEU) war, widerspricht:

Nicht getrennt von einander zu arbeiten, offen zu sein für alle Formen von trans und nicht-konforme Geschlechter-Identitäten und außerdem von der LGBTQI-Familie unterstützt werden – das war auschlaggebend für unseren Erfolg.

In diesem Text werde ich das Pro und Kontra, also die gängigen Argumente, die für oder gegen Transgender-Separatismus sprechen, auflisten.

Zuerst ein kleiner Hinweis zu Begriffen.

Den Suffix “-phobia” für irgendeine Form von Diskriminierung zu verwenden ist eigentlich nicht sehr angemessen. Ich möchte mich hier bei Sharon Dodua Otoo dafür bedanken, dass sie mich nochmals auf die problematische Verwendung des Suffix “-phobia” hingewiesen hat. Warum wir Engstirnigkeit und Phobien nicht gleichsetzten sollten, wird gut im folgenden Text erklärt: Eater of Trees.

Worte sind von Bedeutung

Auch den Begriff “trans” zu nutzen ist heikel, da er im Medizinsystem geprägt wurde, pathologisierend und genitalistisch ist und Binaritäten (Cis/Trans) erschafft, die z.B. Menschen glauben machen, dass es sowas wie getrennte cis und trans Identitäten gibt. Ich habe mich trotzdem entschieden ihn in diesem Text zu benutzen, weil es immer noch das Wort ist, was die meisten Aktivist_innen nutzen.

Und intergeschlechtliche Personen?

Das Referat für Gleichstellung und Lebensweisenpoltik der Universiät Leipzig tritt dafür ein, dass der Name von IDAHOT* zu IDAHIT* verändert wird, wobei das “I” für die “Diskriminierung gegen intergeschlechtliche Menschen” steht.

Der Menschenrechtskommissar des Europarates fasst die Situation intergeschlechtlicher Menschen in der folgenden Abbildung zusammen:

Human rights and Intersex people

Das vollständige Themenpapier Human rights and intersex people ist online verfügbar, sowie das Fokuspapier der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte.

Aber in diesem Artikel werde ich nicht das Für und Wider zum Entfernen des “I” aus “LGBTI” besprechen, da ich nicht mit den dazugehörigen Diskursen vertraut bin (auch wenn ich mir vorstellen kann, dass einige der Argumente ähnlich sein könnten zu denen von transgender Aktivist_innen). (Update vom 18. Mai 2015: In den Kommentaren wurde mich auf zwei Texte hingewiesen, die die Vereinnahmung von Inter* durch LGBT-Interessen thematisieren und wie das anders gehen kann: nachzulesen hier und hier.)

Nun, Los geht’s!

PRO UND KONTRA VON TRANS’ SEPARATISMUS

1. Für das Entfernen des ‘T’ aus ‘LGBT’

  • Der Sammelbegriff LSBT is verwirrend.

LSB bezieht sich auf sexuelle Orientierung, während Transgender etwas mit der Geschlechtsidentität zu tun hat.

Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Die Frage zu welche_n_m Geschlecht_ern ich mich hingezogen fühle (ob ich beispielsweise hetero, schwul, lesbisch oder bi bin) ist verschieden zu der Frage in welchem Geschlecht ich leben möchte und ob dieses übereinstimmt mit dem Geschlecht, welches mir bei der Geburt zugeschrieben wurde (ob ich zum Beispiel cisgender, transgender oder inter bin).

Transgender Menschen können hetero, schwul, lesbisch, bi, pan oder asexuell sein.

Cisgender Menschen können hetero, schwul, lesbisch, bi, pan oder asexuell sein.

  • Die politischen Forderungen sind unterschiedlich.

Öffnung der Ehe, Adoptionsrechte, reproduktive Gesundheit/Rechte, oder das Recht Blut zu spenden, sind häufig oben auf der Agenda von lesbische und schwule Aktivist_innen.

Auf der anderen Seite kämpfen transgender Aktivist_innen für für die Entpathologisierung der Trans*-Identitäten, für eine Reform der legalen Prozedur für Hormontherapie und Operationen und gegen misshandelnde Anforderungen.

In ihrer aktuellen Kampagne beschreibt TGEU die legale Situation von transgender Personen in Europa als einen “Albtraum”: Diagnose als Identitätsstörung, Zwangsterilisation als Voraussetzung für die Personenstandsänderung und/ oder erzwungene Scheidungen, finden in 34 europäischen Staaten statt.

  • LSBT-Organisationen nutzen das T für ihr Image, sind aber tatsächlich nicht T-aware oder T-inklusiv.

Viele sprechen nicht wirklich trans Themen an und sind in ihren Fortbildungsmaßnahmen, Preventions- oder Aufklärungskampagnen eher auf LSB fokussiert.

Um einige Beispiel zu nennen:

Wenn sie für die Homo-Ehe kämpfen, dann kämpfen sie nicht gegen die erzwungenen Scheidungen von trans Menschen.

Wenn sie sich für das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare einsetzen, dann setzen sie sich nicht dafür ein, dass schwangere Trans*Männer als Vater ihres Kinds im Geburtsregister offiziell anerkannt werden.

Wenn sie HIV/ AIDS Awareness und Preventionskampagnen durchführen, dann fokussieren diese auf schwule Männer bzw. MSM (Männer, die Sex mit Männern haben) und sprechen selten die spezifischen Problematiken rund um HIV innerhalb von trans Communities an…

2. Gegen das Entfernen des ‘T’ aus ‘LGBT’

  • Aufsplittung würde die Bewegung schwächen.

In den letzten 40 Jahren hat sich LSBT als wirkungsvolles Instrument für sozialen und politischen Wandel entwickelt. Außerdem sind diese Bündnisse eine Form der Solidarität, wie sie zur Geschichte von LSBT passt.

  • LSB und Trans haben Themen gemeinsam:

Lesben, Schwule und Bisexuelle entsprechen häufig nicht Geschlechternormen, somit haben LSB und T gemeinsame Kämpfe gegen Geschlechterrollen, Patriarchat, Hetero_Sexismus … Und viele Personen beginnen ihr Erwachsenenleben als Homosexuelle und machen dann eine Geschlechter-Transition, innerhalb der Community sind Geschlechtergrenzen also eher verschwommen, es ist mehr ein Spektrum als zwei sich gegenüberstehende Formeln.

  • Das westliche Konzept von trans Separatist_innen funktioniert nicht innerhalb der geschlechtsunkonformen globalen Bevölkerung, die mit HIV lebt. Somit würde Separatismus den Kampf gegen HIV enorm erschweren.
  • LSBT Vereine können tatsächlich T-aware und T-inklusiv sein (oder es werden).

Ein Beispiel, wie dies gut funktioniert, bietet die britische Organisation Stonewall, die im Februar 2015 einen Bericht veröffentlicht hat, der verschiedene Wege aufzeigt, wie Menschen mit trans Expertise in LSB Organisationen eingebunden werden können. Der Bericht Trans People and Stonewall ist online zugänglich.

  • Anstatt auseinander zu brechen sollten die LSBT Communities eher das Bewusstsein für die Verschränkungen zwischen Geschlecht, Sexualität, race und Klasse stärken.

 

3. Schlussfolgerung

Diskussionen darüber, ob der Sammelbegriff “LGBT” angemessen und effektiv ist, sind wichtig und könnten zu spezifischen Maßnahmen – je nach Kontext – führen.

Das “T” aus “LSBT” zu entfernen bedeutet nicht, dass Bündnisse nicht mehr eingegangen werden können.

Weiterhin Transgender unter dem Sammelbegriff “LGBT” zu fassen, bedeutet nicht, dass es nicht auch möglich ist, zu spezifischen Themen getrennt von einander zu arbeiten.

Der eine Ansatz schließt den anderen nicht aus: LSBT Dach-Organisationen können existieren und als Teil einer größeren queeren Bewegung gegen das Patriarchat und Heteronormativität ankämpfen. Lesben und Schwule können natürlich ihre eigenen Organisationen haben (und Partys und Magazine, die sie ja auch bereits haben ;-)), so wie transgender Personen ihre eigenen Strukturen haben, die spezifisch trans Themen adressieren. Menschen und Vereine können jederzeit ihre Kräfte vereinigen und gemeinsam arbeiten, mit geteilten Zielen und Werten, manchmal als Verbündete, manchmal als betroffene Gruppen, abhängig vom Thema.

Bündnisse sollten fair sein – inklusive der Finanzierung und Entscheidungsfindung.

Gleichberechtigungs-Gesetzgebungen sollten lesbische, schwule und bisexuelle Menschen basierend auf dem “Schutz der sexuellen Orientierung” schützen, und transgender und intergeschlechtliche Menschen basierend auf dem “Schutz der Geschlechtsidentitäten”.

LSBT Communities sollten das Bewusstsein für die Verschränkungen von Geschlecht, Sexualität, race und Klasse verstärken. Dazu die Stellungname des LSBT Vereins Gladt zum Kiss-In, das vom schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo in Berlin zum IDAHOT* organisiert wird.

Wer sind “sie”– “die LSB”?

Lesben, Schwule und Bisexuelle sind keine homogene Gruppe, “sie” können Verbündete sein, “sie” können nicht aware oder gleichgültig sein, “sie” können Trans*Menschen diskriminieren, “sie” können selbst Trans* sein. Also …

Lasst präzise sein!

Anlässlich des IDAHOT* hat ILGA-Europe die 2015 Rainbow map veröffentlicht, welche einen Überblick über die aktuelle Situation von LSBTI Personen in Europa gibt.

Rainbow Map

Click here to see the full map

 

Ich denke jeder Buchstabe steht für eine Community an sich.

Darum plädiere ich für die Selbst-Organisation jedes einzelnen Buchstabens und dann plädiere ich für unterschiedliche Bündnisse und unterschiedliche Dächer – abhängig vom Thema.

Zum Beispiel wäre ein Runder Tisch zur Gleichstellung der Geschlechter definitiv ein Thema für das CTI-Bündnis: Die cisgender, transgender und intersex Community.

Natürlich gehören Menschen gleichzeitig unterschiedliche Communities an. Das ist auch ein Grund, warum wir intersektional denken müssen und mehrfache Privilegien und Mehrfachdiskriminierungen berücksichtigen müssen – auch während wir Bündnisse bilden.

Zu diesem Thema sind die Texte von Eske Wollrad White bond – Welche Frage stellt sich vor der Bündnisfrage? und von Nadine Lantzsch Ausschluss oder Ausgangspunkt? Bündnisse und Fragen an die Lesbenbewegungen in der DDR lesenswert.

Was denkt ihr? Welche Communities sollten oder können die folgenden Themen adressieren – und, falls notwendig, welche zusätzlichen Communities sollten für Bündnisse eingebunden werden?

Konversionstherapien, HIV, Arbeitsmarkt, häusliche Gewalt, Ehe, Adoption, Mobbing in Schulen, Heterosexismus, Rassismus, Diskriminierungen innerhalb der globalen queeren Bewegung, Mangel an (angemessener) Medienberichterstattung, Sport, Rape Culture, Ableismus, erzwungene Sterilisation, Diagnose der Identitätsstörung, Diskriminierungen gegen bisexuelle Menschen, Klassismus, physische Gewalt in öffentlichen Räumen, Zugang zu Gesundheitspflege…

Meiner Meinung nach repräsentiert die Regenfloge tatsächlich die menschliche Gemeinschaft.

 

 

 


 

Should homo and transgender fight separately?

May 17th is International Day against Homophobia, Transphobia and Biphobia (IDAHOT*). It commemorates the day when the World Health Organization (WHO) removed homosexuality from its disease catalog on May 17th 1990. But to this day transgender identities are still on the WHO list of mental illnesses.

Not only for this reason, some transgender activists are calling for a separation of lesbian, gay and bisexual people on the one hand, and transgender people on the other. They prefer to continue the fight separately.

We feel that the inclusion of the ‘T’ in an LGBT umbrella is at best confusing and at worst very unhelpful in the search for true equality for transgender individuals

says Miss Frances Shiels, secretary of the Northern Irish transgender organization Focus: The Identity Trust.

Also transgender writer Lee Hurley explains why it’s time to remove the T from LGBT.

Maria Sundin, member of the Executive Board of Transgender Europe (TGEU) from 2010-2013, disagrees:

Working in a non-separatist way and being open for all forms of trans and gender non-conforming identities, as well as being supported by the LGBTQI family, was essential to our success.

In this text I will list some of the common arguments in pros and in cons of transgender separatism. 

First, a small note on words.

Using the suffix “-phobia” for any form of discrimination is actually not quite appropriate. I want to thank Sharon Dodua Otoo for reminding me of the problematic use of the suffix „–phobia“. Why we shouldn’t conflate bigotry and phobia is well explained here: Eater of Trees.

Words matter

Using the word “trans” is also tricky because it has been coined by the medical system, it is pathologizing and genistalistic and also creates binaries (cis/trans), i.e. it makes people think there are such things as separated cis and trans identities. In this text I decided to use it, though, because it is the word that is still most commonly used by activists.

And intersex people?

The Equality and Way of Life Policy Unit at the University of Leipzig advocates a changing of the name IDAHOT* to IDAHIT*, where “I” stands for “discrimination against intersex people”.

The Council of Europe Human Rights Commissioner summarises the situation of intersex people in the illustration below:

Human rights and Intersex people

The full issue paper Human rights and intersex people is available online as well as the   Focus paper of the European Union Agency for Fundamental Rights (FRA).

But in this article, I will not address the pros and cons of removing “I” from “LGBTI” because I am not familiar with the discourse surrounding this (even though I can imagine that some of the arguments could be similar to those of transgender activists). (Update  Mai 18th 2015: Someone drew my attention on two texts that are adressing the appropriation of intersex issues by LGBT interests: here and here – in german with some links in english).

Now, here we go!

TRANS’ SEPARATISM – PROS AND CONS 

1. Pros of removing the T from LGBT

  • The LGBT umbrella is confusing.

LGB have to do with sexual orientions and being transgender has to do with gender identity.

Sexual orientation and gender identity are two completely different issues. The question of which gender_s I am attracted to (for example whether I am straight, gay, lesbian or bi) is different to the question of which gender I want to live in and whether this is in agreement with the gender that I was assigned at birth (for example whether I am cisgender, transgender or intersex).

Transgender people can be straight, gay, lesbian, bi, pan or asexual.

Cisgender people can be straight, gay, lesbian, bi, pan or asexual.

  • The political demands are different.

Same-sex marriage, adoption rights, access to reproductive health, or the right to donate blood are often at the top of the lesbian and gay rights activists’ agenda. On the other hand, transgender activists are fighting to stop pathologization of their identities, against abusive requirements and for a reform of the legal procedure for hormone therapy and surgeries. In its new campaign, TGEU refers to the legal situation of transgender people in Europe as a “nightmare”: a diagnosis of mental illness, forced sterilization as a condition of legal gender change and / or forced divorce, are requirements in 34 European countries.

  • LGBT organisations are using the T for their image but are actually not really T-aware or T-inclusiv.

Most of them don’t truly address trans issues and are more focused on LGB in training and advocacy.

To name a few exemples:

When they fight for same-sex marriage they don’t fight against forced divorce for trans people. When they campaign for the right of same-sex couples to adopt children, they don’t campaign for the right of pregnant transgender men to be legally considered as the kid’s father. When doing HIV/AIDS awareness and prevention campaigns they focus on gay people or MSM (men who have sex with men) and hardly ever adress the specific issues of HIV among trans’ communities…

2. Cons of removing the T from LGBT

  • Separatism would weaken the movement.

In the last 40 years LGBT has become a powerful instrument of social and political change. Plus, these alliances are a form of solidarity which is in line with the history of LGBT.

  • LGB and Trans do have issues in common.

Lesbian, Gays and Bisexuals are often gender non-conforming, therefore LGB and T are part of the same struggle against gender roles, patriarchy, hetero_sexism… And a lot of people begin their adult life as homosexuals and then make a gender-transition, so inside the community the genderlines are blurring and it is more about a spectrum than about two opposites formulas.

  • The trans’ separatist western concept can not work among the large gender variant global population living with HIV. Therefore, separatism would complicate tremendously the struggle against HIV.
  • LGBT organisations can actually be (or become) T-aware and T-inclusiv.

Best practice example is the UK-based association Stonewall who published in February 2015 a report that details different ways in which people with trans expertise can get involved in the work of LGB organisations. The report Trans People and Stonewall is available online.

  • Instead of breaking apart, the LGBT communities should raise awareness on intersectionalities between gender, sexuality, race and class.

3. Conclusion

Discussions about the appropriateness and effectiveness of the “LGBT” umbrella are important and this could lead to specific measures according to the context.

Removing the “T” from “LGBT” does not mean ceasing alliances.

Continuing to include transgender under an “LGBT” umbrella does not mean that it would not be possible to work separately on specific issues.

The one approach does not exclude the other: LGBT umbrella organizations can exist and struggle against patriarchy and heteronormativity as part as a larger queer movement. Lesbians and gays can of course have their own organisations (and parties and magazines, as they already have ;-) in the same way that transgender people can organize in order to address specific trans’ issues. People and organizations can join forces and work together anytime, with shared goals and shared values, sometimes as allies, sometimes as concerned groups, depending on the issue.

Alliances should be fair – also in funding and decision-making.

Equality legislations should protect lesbian, gay and bisexual people based on „Sexual Orientation Strategies“ (protection of sexual orientations), and protect transgender and intersex people based on „Gender Equality Strategies“ (protection of gender identities).

LGBT communities should raise awareness on intersectionalities between gender, sexuality, race and class. Read the statement by the LGBT association Gladt about the Kiss-In that the gay anti-violence-project Maneo is organizing in Berlin for IDAHOT*.

Who are “they”– “the LGB”?

Lesbians, gays and bisexuals are not a homogeneous group, “they” can be allies, “they” can be unaware or indifferent, “they” can be discriminating against transgender people, “they” can be transgender themselves. So …

Let’s be specific!

On the occasion of IDAHOT*, the European Region of the International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association ILGA-Europe launched the 2015 Rainbow map which gives an overview of the current situation for LGBTI people in Europe.

Rainbow Map

Click here to see the full map

I think each letter is a community in and of itself.

Therefore I advocate for a self-organization of each letter in and of itself and then I advocate for different alliances and different umbrellas – depending on the issue.

For instance, a round table about gender equality is definitely an issue for the CTI-alliance: Cisgender, transgender and intersex community.

Of course, people belong to several communities. That is the reason why we have to think intersectionnally and consider multiple privileges and multiple discriminations – also while forming alliances.

On that topic, you might want to read Eske Wollrad White bond  – Which question is raised in front of the alliance question? and Nadine Lantzsch Exclusion or starting point? Alliances and questions to the lesbian movement in the GDR

Now what do you think? Which community could or should address the following issues – and, if required, which additional communities should be involved in alliances?

Conversion therapies, HIV, labour market, domestic abuse, marriage, adoption, misogyny, school bullying, heterosexism, racism, discrimination within the global queer movement, lack of (appropriate) media coverage, sport, rape culture, ableism, forced sterilisation, diagnosis of mental illness, discrimination agaist bisexual people, classism, physical violence in public spaces, access to healthcare …

In my humble opinion the rainbow flag actually represents the human community.

 

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