Selbermach-Sonntag (01.02.2015)

Feb. 1st, 2015 08:00 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Was hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.

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Samstagabendbeat mit Esther Bejarano

Jan. 31st, 2015 05:00 pm
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Posted by Magda

Esther BejaranoDiese Woche war der 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungs­lagers Auschwitz. Geboren im Jahr 1924 gehört Esther Bejarano zu den letzten Überlebenden des Mädchen­orchesters von Auschwitz. Dort wurde sie gezwungen am Lager­eingang mit ihrer Musik für „gute Stimmung” zu sorgen. Heute kämpft sie mit Lesungen und Musik gegen Rassismus und Antisemitismus und kritisiert auch aktuell mit klaren Worten die rassistischen Zustände in Deutschland, zuletzt die Polizei­aktionen gegen die Lampedusa-Geflüchteten. Zusammen mir ihrem Sohn und der Microphone Mafia steht sie heute oft auf der Bühne und erzählt ihre Geschichte.

Ein komplettes Konzert kann mensch auf YouTube anschauen. Im Laika Verlag erschien 2013 ihr Buch “Erinnerungen. Vom Mädchenorchester in Ausschwitz zur Rap-Band gegen Rechts.

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Posted by Nadine

Ich hab letztens meine alten Tagebücher wiedergefunden und ein bisschen darin herumgeblättert. Manchmal random ein paar Einträge gelesen. Bei einem bin ich länger verweilt. Er ist von 1998. Es war kurz vor meinem 13. Geburtstag.

Ich war noch völlig mit der Vorstellung im Einklang, dass ich ein pubertierendes Mädchen bin, das früher oder später einen Typen toll finden muss. Dass da irgendwie nie welche waren, die mich interessiert hätten – who cares? Dass ich mit den Mädchen in meinem Alter nie wirklich wohl fühlte? Pfff…Schwamm drüber.

Und dann war da dieser Eintrag, der irgendwie alles erklärte, obwohl ich darin überhaupt nicht über mich oder mein Erleben schrieb. Nur über meine Beobachtungen. Ich kann über junge Menschen, die 2015 12 oder 13 Jahre alt sind wenig sagen, aber 1998 war es jedenfalls noch so, dass es in diesem Alter anfing, unangenehm zu werden, was den ganzen Hetenkram anging. Die “Iiiieh Jungs”-Phase neigte sich dem Ende zu, das eigene Aussehen (im Sinne von “Attraktivität”) und das anderer wurde permanent bewertet und zu regulieren versucht. Nicht für sich, sondern in erster Linie für die gleichaltrigen oder älteren Typen und im Treten nach unten mit vermeintlichen “Konkurentinnen” oder “Schwächeren/Uncoolen”. Wer in der basisdemokratischen stillschweigenden Mehrheit mit dem Label “cool” getackert wurde, galt als begehrenswert. Dieses “cool” orientierte sich zu “meiner Zeit” (hach…) an klassischen heterosexuellen und zweigegenderten Stereotypen. Slutshaming ging los und Femininitätsfeindlichkeit war genauso am Start wie Homophobie und sexistische Sprüche für diejenigen, die zwei-Gender-Normen durch ihre Performances verließen.

Zwar schrieben mir meine damaligen Mitschüler vier Jahre später nach dem Ende der 10. Klasse hauptsächlich die Kommentare “du siehst gut aus” und “du bist witzig” (LOL) auf mein Abschiedsplakat (jede_r musste bei jeder_m was auf’s Plakat schreiben), doch hatte ich bis dahin nur lächerliche kurzweilige Nicht_Beziehungen mit Jungs, die super unangenehm für beide waren und in die wir halt so reingequatscht wurden, damit der Schulhof-Gossip bei Laune bleibt.

Heterosexualität hat mir meine Beziehungen zu Typen schon frühzeitig versaut, muss ich zugeben. Bis dahin waren sie meine liebsten Spielgefährten, weil sie sich öfter für Dinge interessierten, die mich interessierten, weil ich als “Mädchen”, die auf “Jungskram” steht, anerkannt wurde und weil dieses zweigenderwerdenaneinandergekettet-fuckup einfach auch mal Welten trennt, die eigentlich locker miteinander ko- und in sich oder ganz anders existieren könnten. Als es zusehends um Sexualität und Begehren über ein nicht-sexualisiertes_romantisiertes Hingezogenfühlen hinausging, wurde es eigentlich unmöglich die zuvor lockeren und kumpeligen Beziehungen zu Typen aufrecht zu erhalten.

Zum einen, weil die Typen immer unangenehmer wurden, durch aufkommendes und ständig neu einzustudierendes sexistisches Verhalten (nicht, dass es davor nicht auch Gewalt gegeben hätte, nur ich persönlich hatte das zu diesem Zeitpunkt meines Lebens noch anders abgespeichert). Zum anderen, weil wie bereits oben angesprochen, sich viel um male gaze und Typen-Bezogenheit im eigenen Handeln drehte. Frei sprechen davon kann ich mich nicht, war ich doch die Jahre zuvor auch stark typen-bezogen in meinem Sozialverhalten, weil es meine prioritäre peer-group war. Und die ständigen heterosexualisierten Anrufungen an mich als Person, meine Sexualität und meinen Körper hinterließen zusätzlich ihre Spuren.

Außerdem bemerkte ich, wie ich mich vermehrt in mich zurückzog und das Gefühl hatte, meine Gedanken nicht mehr mit Typen teilen zu wollen. Ich war awkward, was den Umgang mit “Mädchen” betraf, weil sie ständig nur über Typen redeten und ich mit stärker werdenden Selbstverleugnungsgedanken und Suche nach Identität selten bei ihren Themen und Gefühlswelten anklopfen konnte. Bei ihnen schien das oft sehr widerspruchsfrei und selbstverständlich abzulaufen. Was nicht heißt, dass es keine Kritik gegeben hätte (über sowas sprachen wir erst viele Jahre später deutlich und konkret), doch das, was nicht gewollt wurde oder im Widerspruch zu sich selbst stand, wurde vielleicht eher hingenommen. So meine Interpretation im Nachhinein. Jedenfalls gab es in mir schon lange, bevor ich das für mich klar hatte, das Gefühl irgendwie viel Zeit in einem “Außen” zu verbringen.

Ich verstand nicht, wieso. Vielleicht war ich im Grunde einfach verwirrt, weil sich die sozialen Gruppen, die ich vorher eindeutig als “passend oder nicht” benennen konnte, auflösten und in ihrem gesamten Habitus heterosexualisiert wurden und wir als junge Menschen nun jederzeit all das selbst offen anwendeten, was wir sowieso von Geburt an eingetrichtert bekommen hatten? Auch hier ist es natürlich so, dass Kleinkinder schon heteronormative Praxen haben, die einzigen unangenehmen Situationen erlebte ich jedoch nicht mit Gleichaltrigen, sondern wie Erwachsene reagierten, wenn wir Grenzen sprengten oder “zu hetero” waren (Bsp: Ein Schmatzer auf die Wange und schon hattest du einen Kindergartenfreund. Aber nur einen, bitte!)

Dieses “Außen”, in dem ich mich öfter befand, brachte es spannenderweise mit sich, dass ich besser beobachten konnte, ohne durch Hetenkram den Blick verduselt zu bekommen. Eines Tages wagte ich mich an eine Analyse meiner Klasse. In dieser stellte ich meine ersten Thesen zu Auswirkungen von Heterosexualität bei Frauen auf. Ich benutzte Worte, die auf dem Schulhof nur als Abwertungen zu verstehen sind, als einfache Identitätskategorien. Ich konnte verschiedene Stadien skizzieren. Dieser Text ist derart emotionslos und trocken (und lustig!), so als hätte ich fünf Seiten mit Differentialrechnung ohne Zahlen zugebracht.

Ich schrieb nicht auf, was das alles mit mir machte, sondern mit meinem sozialen Umfeld. Ich konnte mich von meinem Forschungsobjekt in einer Art und Weise abgrenzen, die mir heute nur noch sehr selten gelingt. Weil mehr als 15 Jahre dazwischen liegen.

Sollte ich jemals wieder gefragt werden, ob ich wüsste, was die “eigentliche” Ursache für “sexuelle Orientierung” (meint in der Alltagssprache meistens schwul und manchmal auch lesbisch) sei, werde ich sagen: Heterosexualität.

Denn sonst bräuchte es keine/n Begriff/e für meine “Abweichung/en”.

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Posted by Julia

Dieser Text ist Teil 93 von 93 der Serie Die Feministische Bibliothek

Zwiespältig: Rose Tremains Gesellschaftsportrait „Die Verwandlung der Mary Ward“.

Mit dem englischsprachigen Original „Sacred Land“ veröffentlichte die (soweit bekannt: Nicht-Trans-)Bestseller­autorin Rose Tremain 1992 einen Roman, der kurz darauf ins Deutsche übersetzt wurde. In queerer Forschung fand das Buch Anerkennung für die Repräsentation queerer Männlichkeit. Nun wurde das Buch erneut auf Deutsch verlegt, unter dem Titel Die Verwandlung der Mary Ward.

Der Buchtitel täuscht in mehrerer Hinsicht: Denn Mary Ward versteht sich seit ihrem_seinem sechsten Lebensjahr, und hier setzt die Erzählung an, als Martin. Erste Zeugin dieser Selbst­erkenntnis ist Martins Perlhuhn Marguerite, das Martins zunehmend gewalt­tätiger und alkoholisierter Vater später töten wird. Es ist Martins – oder zu Beginn vielleicht: Mary_Martins – Geschichte, die der Roman erzählt. Zudem, das ist die zweite Täuschung des Buchtitels, ist seine_ihre Geschichte nur eine von vielen. Darin liegt durchaus eine Stärke des Buches: Tremain zeichnet anhand mehrerer Charaktere ein kleinstädtisch-weißes Gesellschafts­portrait Großbritanniens seit den 1950er Jahren. Sie liefert Einblicke in Lebens­konzepte und Alltag zwischen gesellschaftlichen Zwängen, Resignation, Emanzipation und Auflehnung. Martin Ward wird nicht zum ‚Anderem‘ stilisiert, sondern als eine von mehreren Personen und Männlich­keiten repräsentiert, die darum kämpfen, zu überleben, Zwängen zu entfliehen und ein selbstgewähltes Leben zu führen.

Die Überzeugung, dass eine Zukunft als Martin auf sie_ihn wartet, verleiht ihr_ihm die Kraft, einem einengenden und zunehmend gewaltvollen Herkunfts­umfeld zu entfliehen. Martin findet UnterstützerInnen, zieht in eine Großstadt, lebt und zeigt sich mehr und mehr als Martin. Dem Medizin­system, das auf geschlechtliche Vereindeutigung aus ist – im Sinne einer zu vollendenden Männlichkeit –, wird er mit einer guten Portion Skepsis, Einfalls­reichtum und Wider­ständigkeit begegnen.

Neben Mary_Martins Leben erzählt Tremain die Geschichten weiterer Personen aus ihrer_seiner Heimatstadt. Da wäre etwa Estelle, Mary_Martins Mutter, die dem Leben mit ihrem alkohol­abhängigen und zunehmend gewalttätigen Ehemann Sonny durch Aufenthalte in einer psychiatrischen Einrichtung zu entfliehen versucht. Oder Walter, dessen Familien­tradition vorsieht, dass er die Metzgerei seiner Eltern übernimmt – der aber am liebsten mit seinem Onkel Pete Country Music hört und vom Auswandern in die USA träumt. Oder der Zahnarzt Gilbert, der mit seiner Mutter zusammen in einem Haus lebt, das immer näher an die Klippen rückt, und der eine Affäre mit Walter beginnt …

Die meisten Biografien sind über weite Strecken bedrückend: Die Protagonist_innen sind eingezwängt in ein Leben und Umfeld, das ihnen nicht behagt und nicht bekommt. Doch einige von ihnen werden ihren Wünschen und Träumen doch noch folgen, mal radikal, mal ein Stückweit und in kleinen Schritten.

Politische Schwachstellen verstecken sich in vereinzelten Sätzen oder Halbsätzen, die deshalb so ärgerlich sind, weil es ein Leichtes gewesen wäre, sie auszuräumen. Da ist das Klischee vom lispelnden schwulen Zahnarzt, der bei sämtlichen (!) männlichen Patienten die Behandlung länger ausdehnt als nötig; da ist die Andeutung einer sexistischen Blickweise Martins auf Frauen und von gewaltvoll-sexualisierter Grenz­verletzung; da sind die rassistischen und kolonialistischen Denkmuster einzelner Protagonisten. Manches davon mag im Sinne eines realistischen Gesellschafts­portraits Sinn machen. Das Wohlwollen jedoch, mit dem Rose Tremain ihre Figuren zeichnet – über weite Strecken eine Stärke des Romans –, droht hier bisweilen in eine Verharmlosung gewaltvoller Realitäten zu kippen.

Tremains Erzählweise ist detailliert, ihre Charaktere sind originell, es gelingt ihr offenbar mühelos, viel­schichtige und sich fort­entwickelnde Biografien zu erzählen. Was der Roman indes nur bedingt bietet, sind Identifikation und emotionales Berührt­werden. Das muss nicht zwangsläufig schlecht und kann durchaus so gewollt sein. In diesem Fall aber verlor ich beim Lesen zunehmend das Interesse – anstatt mich in den Geschichten der Protagonist_innen zu verlieren. Es bleibt ein distanziertes Verhältnis zwischen den Leser_innen und den Protagonist_innen des Buches: Gleichwohl er ohne Pathologisierungen und Voyeurismus auskommt, ist es ein Blick von außen, ein beobachtender Blick, kein identifikatorischer.

 

 

 

 

 

 

 

Im vergangenen Jahr sind viele weitere und überzeugendere Trans-Bücher Bücher erschienen, die unterschiedliche Lebenswelten von Trans-Menschen thematisieren (*siehe Kommentar von yori) – und das heißt auch: aus Trans-Perspektive. Zum Beispiel: die auf der Mädchenmannschaft bereits vorgestellte Auto­biografie „Redefining Realness. My Path To Womanhood, Identity, Love & So Much More“ von Janet Mock (hier findet ihr eine Paneldiskussion mit Schwarzen Künstler_innen und Aktivist_innen inklusive Janet Mock und bell hooks zu Rassismus, Feminismus, Ökonomie …); der ebenfalls bereits rezensierte Sammelband „Begegnungen auf der Trans*fläche“, mit 76 Zeichnungen und Kurzgeschichten aus einem transnormalen Alltag; oder der sehr umfangreiche und thematisch breite Informationsband „Trans Bodies, Trans Selves. A Resource for the Transgender Community von und für Trans-Personen.

Im frischen neuen Jahr 2015 wird das autobiografische Buch Goodbye Gender (Vorschau) der kanadischen Trans-Künstler_innen Rae Spoon und Ivan E. Coyote erscheinen. Im Moment ist Rae Spoon übrigens auf Europatournee und performt dabei auch in verschiedenen Städten der BRD (Website von Rae Spoon mit Tourdaten).

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 264 von 264 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links
Mädchen und Frauen mit Behinderungen erfahren besonders häufig Gewalt. Aus diesem Grund wird gerade die Internetplattform suse-hilft.de aufgebaut, auf der – möglichst barrierefrei – nach Informationen und Ansprechpersonen recherchiert werden soll: “Wo finde ich bei mir in der Nähe eine Therapeutin, die Gebärdensprache oder Leichte Sprache kann? Wo finde ich eine Anwältin, die sich mit dem Thema auskennt? Welche Selbstbehauptungstrainerin in der Nähe macht Kurse auch für behinderte Frauen?” Das Projekt benötigt noch Geld und kann über betterplace.org unterstützt werden.

Das Oberlandesgericht in Celle hat abgelehnt, dass in einer Geburtsurkunde der Eintrag “inter” oder “divers” geführt werden kann.

Homofeindlichkeit und Zwangsheterosexualisierung in der Therapie, Fall 472136127: Nun zog ein Betroffener vor Gericht, berichtet die taz.

Noch bis zum 01. März können bei filia. die frauenstiftung Projektideen zur Mädchenförderung eingereicht werden, um Gelder von bis zu 5000€ zu erhalten.

Der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde hat einen Offenen Brief zur M-Straße in Berlin, Dieter Hallervorden und kolonialrassistischen Kontinuitäten verfasst.

Das LOTTA-Magazin gibt “Stichworte zur Gründungsgeschichte” der NPD, die 2015 im 50. Jahr besteht.

englischsprachige Links

Wenn Schauspieler die gleichen nervigen Fragen beantworten müssten wie Schauspielerinnen (Kleid, Haar, Make-Up, Gewichtsabnahme…), dann würden die sich wundern: Kevin Spacey hat sich gewundert.

Als Geologen in den 1950ern anfingen den Meeresboden des Atlantiks mit Sonargeräten zu vermessen, durften Frauen nicht mit auf die Boote (weil sie natürlich Unglück brächten). Aus dem Datenmaterial die erste wirklich detaillierte Karte hat dann aber doch eine Frau erstellt: Marie Tharp. Mental Floss zeichnet ihre Geschichte nach und wie sie an den Grundfesten der Geologie rüttelte.

Egal welche Krankheit eine dicke_fette Person hat und wie sie behandelt werden könnte, erst einmal abnehmen lassen? Ja, es gibt Mediziner_innen die so etwas empfehlen. Dances With Fat nimmt die Empfehlung auseinander.

MTV stellt 12 neue queere Hip Hop Acts vor.

Ein neues Album der isländischen Sängerin Björk erscheint und in einem Interview hat sie erstmal sehr ausführlich über den im Musikbusiness erlebten Sexismus gesprochen. Feministing greift diese Aussagen in einem Artikel zu Björk und überhaupt “mansplaining” auf. Slate nimmt die Aussagen als Anlass, um Zitate von weiteren Künstlerinnen (so unterschiedliche wie Solange Knowles, Grimes und Taylor Swift) zusammenzustellen.

Celebrating the Love between Queer Women of Color – In 25 Gorgeous Photos!” – präsentiert Everyday Feminism.

Bei Flavorwire zerlegt Judy Berman Jonathan Chaits Artikel im New York Magazine, der “Political Correctness” als Einschränkung der (linksliberalen) Meinungsfreiheit bezeichnete.

Termin in Berlin:

04. Februar in Berlin, ab 19.00 Uhr: Lesung und Filmvorführung mit der simbabwischen Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga.

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Posted by accalmie

“Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, dass ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.” (Theodor W. Adorno, Erziehung nach Auschwitz, 1966)

Heute vor siebzig Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Auschwitz war nicht nur der größte Ort des, sondern ist auch ein Kollektivsymbol für den industriellen Massenmord des Holocaust. In dem Konzentrationslager-Komplex Auschwitz und Birkenau (Auschwitz II; darüber hinaus existierten weitere “Unterlager”) wurden zwischen 1941 und 1945 über eine Million Juden_Jüdinnen und zehntausende Sinti und Roma, politische und Kriegsgefangene systematisch ermordet. Yad Vashem beschrieb Auschwitz-Birkenau als eine der größten “Fabriken des Massenmords”: Aus ganz Europa wurden Menschentransporte nach Auschwitz, der “zentralen Stelle” des Holocaust, gebracht. Josef Mengele führte in Auschwitz seine (pseudo-)medizinischen Experimente, also Folter, durch.

Seit 1996 ist der 27. Januar der offizielle Gedenktag in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus. Die UN erklärte den Tag 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

Weitere Informationen findet ihr zum Beispiel hier:

Gedenkveranstaltungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz:

Phoenix-Sendung, 27. Januar, 9:00 Uhr: Übertragung der Gedenkveranstaltung des Bundestags; anschließend Dokumentationen.

Berlin

  • 27. Januar, 13:00 Uhr, Ebertstraße Höhe Hannah-Arendt-Straße, Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen: Gedenkfeier.
  • 27. Januar, 19:00 Uhr, Topographie des Terrors, Auditorium: “Mahnort Güterbahnhof Moabit”, Buchpräsentation und Diskussion.
  • 27. Januar, 19:00 Uhr, Jüdisches Museum Berlin: Buchvorstellung und Podiumsgespräch zur Neuausrichtung der “Erziehung nach Auschwitz” in der Einwanderungsgesellschaft, mit Rosa Farva.
  • 30. Januar, 21:00 Uhr, La Casa Hellersdorf: Filmvorstellung (Facebook-Link).
  • 05. – 10. April: “Never Forget, Never Again” – Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz, organisiert von den Falken Berlin. Anmeldung bis zum 2. Februar, und weitere Infos hier. (Facebook-Link)

Bochum, 27. Januar, 11:00 Uhr, Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte: Gedenkmatinee.

Bremen, 27. Januar, 19:30 Uhr, Obere Halle des Bremer Rathauses: Zentrale Gedenkveranstaltung.

Celle, 27. Januar, 19:00 Uhr, Synagoge Celle: Gedenkkonzert.

Cottbus, 27. Januar, Zeremoniebeginn um 17:00 Uhr (Treffpunkt für den Umzug: 16:45 Uhr, Stadtbrunnen, Buchhandlung “Hugendubel”): Eröffnung der neuen Synagoge in Cottbus. Die historische Synagoge der Stadt wurde in den November-Pogromen 1938 zerstört.

Dresden, 27. Januar, 12:00 – 15:30 Uhr, Gedenktafel an der Kreuzkirche: Namenslesung der in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten oder verschollenen Dresdner Juden sowie Sinti und Roma. (Facebook-Link)

Düsseldorf, 27. Januar, 18:30 Uhr, Universität Düsseldorf, Esther-Betz-Hörsaal: Filmvorstellung “Der Zug des Lebens” mit anschließender Diskussion. (Facebook-Link)

Frankenthal

  • 27. Januar, 19:00 Uhr, Dathenushaus: Filmvorstellung “Am Ende kommen Touristen” (Eintritt frei).
  • 28. Januar, 19:00 Uhr, Dathenushaus: Filmvorstellung “Im Himmel, unter der Erde” (Eintritt frei).

Frankfurt am Main, 27. Januar

  • 12:00 Uhr, IG-Farben Haus, Raum 1.314 (Eisenhower-Raum): Vortrag von Prof. Sybille Steinbacher zur Befreiung von Auschwitz und Auflösung des KZ-Systems.
  • 18:30 Uhr, Gedenkstätte Neuer Börneplatz (Rückseite Museum Judengasse): “Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Worten und Gesten vor den Steinen der Judengasse.”
  • Weitere Veranstaltungen heute und in den kommenden Tagen findet ihr bei der Antifa Frankfurt.

Gelsenkirchen, 27. Januar, 16:00 Uhr, Ebertstr. 1: Gedenkveranstaltung. (Facebook-Link)

Greifswald, 27. Januar, 19:00 Uhr, Universität Greifswald, Konferenzsaal: Vortrag: “Opfer der Wehrmachtsjustiz.”

Hamburg

  • 27. Januar, 10:00 – 18:00 Uhr, Universität Hamburg, Fachbereich Sozialökonomie: Tagung der Rosa-Luxemburg-Stiftung u.a.: “27.1. 1945 – 27.1. 2015 – 70 Jahre Befreiung des KZ Auschwitz”.
  • 27. Januar, 17:30 Uhr, Simon von Utrecht-Straße: Treffen am Ortsamt St. Pauli (Israelitisches Krankenhaus).
  • 27. Januar 19:00 Uhr, FC St. Pauli Fanräume im Millerntorstadium: Kranzniederlegung Gedenktafel Harald-Stender-Platz, anschließend ein Gespräch mit Norma van der Walde, Tochter des jüdischen Widerstandskämpfers Kurt van der Walde (Facebook-Link).
  • Im Bezirk Hamburg-Nord wird ausserdem eine “Woche des Gedenkens” veranstaltet. Alle Termine findet ihr hier (PDF).

Heidelberg, 27. Januar

  • 12:30 Uhr, Mahnmal der Psychiatrischen Universitätsklinik: Öffentliche Gedenkstunde “für die Kinder als Opfer der medizinischen Forschung in der NS-Zeit”.
  • 18:00 Uhr, Rathaus, Großes Rathaussaal: Gedenkfeier.

Koblenz, 27. Januar, 17:30 Uhr, Mahnmal am Reichensperger Platz: Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus.

Konstanz, 31. Januar, 19:30 Uhr, Kulturzentrum am Münster, Wolkenstein-Saal: Zeitzeuginnen-Gespräch mit Ursula Mamok.

Leipzig, 26. – 27. Januar, Universität Leipzig, Alter Senatssaal: Internationales Symposium (Facebook-Link).

Magdeburg, 27. Januar, 19:00 Uhr, Café Central: Filmvorstellung von “Zug des Lebens” (Facebook-Link).

Mainz

  • Näheres zu den hier aufgelisteten Veranstaltungen sowie einigen weiteren in Rheinland-Pfalz findet ihr in diesem PDF.
  • 29. Januar, 19:00 Uhr, Akademie der Wissenschaften und der Literatur: Vortrag “Wer wurde Nationalsozialist?”
  • 1. Februar, 11:00 Uhr, Schillerplatz am Fastnachtsbrunnen: Rundgang “Auf den Spuren verfolgter Frauen in Mainz während der NS-Zeit.”
  • Ausstellung im Rathaus Mainz, Rathausgalerie, bis zum 21. März 2015: “Sie wohnten nebenan: Im Nationalsozialismus verfolgte jüdische Mainzerinnen.”

Mannheim, 27. Januar, 19:00 Uhr, Stadthaus, N1: Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus in Mannheim.

München, 27. Januar, 18:30 Uhr, Gewerkschaftshaus München (DGB): Gedenkveranstaltung, Zeitzeugengespräch mit Ernst Grube und Filmvorführung von “Am Ende kommen Touristen”.

Nürnberg, 27. Januar, 17:00 Uhr, Platz der Opfer des Faschismus: Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, organisiert vom “Bündnis gegen Rechts – nie wieder Faschismus in Nürnberg”.

Osnabrück, 28. Januar, 18:00 Uhr, Felix-Nussbaum-Haus: “Niemand zeugt für den Zeugen? Die Post-Holocaust-Geschichte im Museum der Geschichte der polnischen Juden”, ein Vortrag mit anschließendem Gespräch von Dariusz Stola, Direktor des jüdischen Museums Warschau.

Rostock, 27. Januar, 11 Uhr, Rosengarten: Kundgebung.

Speyer, 27. Januar: “Jüdisches Leben in Speyer: Besuch des Judenbades und der Synagoge Beith-Schalom”.

Stuttgart, 28. Januar, 19:30 Uhr, Stadtbibliothek am Mailänder Platz: Diskussionsveranstaltung “Erinnerungskultur – Erinnerungskonflikte: Zusammenbruch und Auflösung des KZ-Systems” (Kosten: 3,00 – 5,00 Euro).

Wolfsburg, 27. Januar, 13:30 Uhr, 13:45 Uhr und 14:00 Uhr: Kranzniederlegungen.

Wupptertal

  • Gedenkveranstaltungen in Österreich:

ORF-Sendung, 27. Januar, 15:00 Uhr: ORF-III übertragt die Gedenkfeier aus Auschwitz-Birkenau, an der auch Überlebende teilnehmen werden.

Linz, 27. Januar, 19:30 Uhr, Pressezentrum des Alten Rathauses (Hauptplatz): Gedenkstunde.

Wien, 27. Januar

  • 17:00 Uhr, am Heldenplatz, beim Weiheraum des äußeren Burgtors: “Jetzt Zeichen setzen”-Kundgebung gegen Antisemitismus, Rassismus, Menschenhass und Ausgrenzung.
  • 17:00 Uhr, Dorotheergasse 11: Das Jüdische Museum Wien lädt ein zu einer Gedenkveranstaltung.
  • 19:30 Uhr, Werkl im Goethehof: Gedichtvertonung der Kassibertexte Richard Zachs – “Sie sollen uns nicht zittern sehen”.
  • Gedenkveranstaltungen in der Schweiz:

Luzern, 27. Januar, 18:00 Uhr, Kornschütte am Kornmarkt: Gedenkfeier im Rahmen der Ausstellung “Besa – ein Ehrenkodex”.

Weitere Informations-, Gedenk- und Veranstaltungshinweise bitte einfach  in den Kommentaren ergänzen. Danke.

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Dark and Stormy

Jan. 27th, 2015 04:40 am
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Posted by Wikiaddicted723

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Etta Bishop grows up in the Alaskan Shatterdome, the kaiju war the backdrop of her family's life. [Fringe/Pacific Rim Crossover]

Words: 5412, Chapters: 1/1, Language: English

Butterfly

Jan. 25th, 2015 07:27 pm
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Posted by pippychick

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Another mysterious death. Another case for Fringe. There's something strange going on in the lab, but only two people really notice.

Words: 9352, Chapters: 4/?, Language: English

Selbermach-Sonntag (25.01.2015)

Jan. 25th, 2015 08:00 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Was hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.

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The Air that I Breathe

Jan. 25th, 2015 04:35 am
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Posted by ThatwasJustaDream

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Video made for the Fringe Exchange holiday swap on dreamwidth

Words: 0, Chapters: 1/1, Language: English

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Posted by Nadia

Dieser Text ist Teil 266 von 267 der Serie Die Blogschau

Trollbar veröffentlichte eine eindrückliche Schilderung, die die Entwicklung von Rassismus in Zeiten von Pegida in Dresden beschreibt: “Der Rassismus in Dresden wird lauter und schlimmer. Und kaum jemand tut etwas dagegen.”

Außerdem gab es viele sehr lesenswerte Artikel die sich unter dem Eindruck der Folgen der Charlie Hebdo-Attentate mit den diversen Folgen befassten: Unter anderem ging es um die “Fetischisierung von Meinungsfreiheit”, um einen Büchertisch einer bekannten Buchhandlungskette, der Islam-Expertise suggeriert aber nur Klischees reproduziert, um antimuslimischen Rassismus, und dann gab es noch einen lesenswerten Rant.

Identitätskritik stellt zwei neue Blogs zu Antipsychiatrie und Psychiatrieerfahrung vor.

Auf Hannahs Blog gibt es einen Verweis auf ihr neues Projekt: Den Viele Sein-Podcast. Und auch bei heiter scheitern gibt es einen neuen Podcast.

Im NSU-Prozess ging es unlängst um das Nagelbombenattentat; im Lotta Magazin wird dazu die Initiative “Keupstraße ist überall” vorgestellt.

Auf Der keine Unterschied schrieb die Tugendfurie über Armut, Angst und Aufstiegslügen, und auch Hannah teilte nochmal einen Snapshot zu Hartz IV.

Manspreading ist ein weit verbreitetes Phänomen – ebenso weit verbreitet, aber kaum thematisiert: Bildungsbürger_innen-Spreading, analysiert von Clara Rosa.

Inspiriert vom Rookie-Magazin gibt es jetzt ein tolles neues Format: Das Hildegard-Magazin!

Habt ihr diese Woche was geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Jede Woche verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.

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Posted by Sharon

Die englische Fassung des Textes findet sich weiter unten.

(*es sei denn, natürlich, ihr seid es wirklich)

Infolge der Gräueltaten, die Boko Haram zu Beginn des Jahres in  den nordnigerianischen Städten Baga und Doron Baga sowie in den  umliegenden Dörfern verübt hat, ist es natürlich absolut legitim,  Empörung, Abscheu und Betroffenheit zu empfinden über die – wie  formuliere ich es mal taktvoll? – “unausgewogene” Berichterstattung in den Medien. Verglichen mit dem öffentlichen Erguss von Trauerbekundungen nach dem Terrorangriff auf die Redaktion des französischen sogenannten Satiremagazins “Charlie Hebdo” würde man die Frage verzeihen: Sind manche Leben etwa mehr wert als andere? Warum eilt Angela Merkel sofort nach la belle Paris, um für die Meinunsgfreiheit zu marschieren, gemeinsam mit anderen Staatsoberhäuptern, die nicht unbedingt bekannt dafür sind, in ihren Heimatländern die Meinungsfreiheit hochzuhalten? Was ist mir entgangen?

Aber ich bin Zynikerin. Das sind alles rhetorische Fragen, und sie wurden sowieso bereits von vielen exzellenten Kommentator_innen beantwortet. Stattdessen schreibe ich über die Äußerungen von jenen, die sich in den sozialen Medien mit den Opfern von Boko Haram solidarisch zeigen wollen. Es dauerte nicht lange, bis das Hashtag #IAmNigeria (ich bin Nigeria) auftauchte, um #JeSuisCharlie (ich bin Charlie) etwas entgegen zu setzen – fast so, als könne man nur entweder das eine oder das andere sein.

Aber mal ehrlich, Leute – wir sind wirklich nicht Nigeria(ner_innen). Jedenfalls die meisten von uns nicht.

Zu allerest: Auch wenn ich das Bedürfnis verstehe, ein klares (visuelles) Statement auf Facebook zu setzen, fühlt es sich für mich total falsch an, dazu die Worte “Ich bin …” zu verwenden. Die meisten Leute aus meinen sozialen Netzwerken werden niemals die Verheerungen eines Bürgerkrieges erfahren; die meisten mussten niemals befürchten, dass sie, ihre Familien und Nachbar_innen von selbsternannten Bürgerwehren dahingemetzelt werden, weil das geltende Recht völlig außer Kraft gesetzt ist; und die meisten Leute aus meiner Timeline leben nicht in improvisierten Notunterkünften in Nachbarländern, weil ihre Heimatorte dem Erdboden gleich gemacht wurden. Wir sind nicht diese Menschen. Zu behaupten, wir wären es – auch wenn ich natürlich weiß dass das nicht wörtlich gemeint ist – fühlt sich an wie eine unbesonnene Banalisierung des unfassbaren Leids dieser Menschen.

Zweitens bedeutet  der Gebrauch des Wortes “nigerianisch” in diesem Kontext, es mit einer Bedeutung zu versehen, die im besten Fall reduktionistisch ist. “Nigerianisch” wird (mal wieder – welch Wunder) gleichbedeutend mit Leiden, Krieg, Terror, Korruption, Geflüchteten und einem generellen Zustand permanenten Opferdaseins (interessantwerweise fällt dabei auch unter den Tisch, dass Boko Haram selbst ebenfalls nigerianisch ist – wie geht das zusammen?). Natürlich ist Nigeria viel viel mehr als das. Kritische Leser_innen westlicher Medien haben Recht damit, darauf hinzuweisen, dass die Berichterstattung unausgewogen ist. Es wäre aber besser wenn diese Kritiker_innen in ihrer Kritik etwas tiefer gehen würden – weit über das o.g. Hashtag hinaus – denn ansonsten läuft man Gefahr, in die gleiche Art von “Afrika ist ein Land”-Erzählungen zu verfallen, die uns bereits bestens vertraut sind.

Außerdem glaube ich, dass die Formulierung “Ich bin …” Victim Blaming (wenn auch unabsichtlich) Vorschub leistet. Ich bitte um Geduld, ich brauche ein wenig Zeit, das zu erklären.

Mehr und mehr fällt mir auf, dass die Art, wie wir über rassistische Diskriminierung nachdenken, sprechen und schreiben, den Schwerpunkt auf bestimmte Merkmale der Betroffenen legt: “Er wurde von der Polizei angehalten, weil er Schwarz ist”, “Sie wurde angegriffen, weil sie einen Hijab trug” usw. Man bekommt den Eindruck, dass “Schwarz sein” oder “Hijab-Träger_in sein” irgendwie bedeutsamer für den Bericht über die geschehene Ungerechtigkeit ist als die Tatsache, dass der_die Täter_in rassistisch ist. Die Passivkonstruktion solcher Sätze tilgt ihn_sie sogar vollständig aus dem Bericht (“Er wurde diskriminiert” – ja, und von wem?). Wie befreiend wäre es, läsen wir stattdessen: “Weiße Pegida-Unterstützer_innen haben eine Gruppe junger Leute gejagt und ihnen angedroht sie umzubringen, weil Pegida-Unterstützer_innen rassistisch sind und bekanntermaßen mit Nazi-Überzeugungen sympathisieren“?

Und so kann ich nicht anders als das Gefühl zu entwickeln, dass wir – wenn wir selbst keine jungen Schwarzen Männer sind –  in Wahrheit gar nicht solidarisch mit jungen Schwarzen Männern sind, wenn wir uns einen Kapuzenpulli anziehen und sagen, wir seien Trayvon Martin. Wir richten lediglich Aufmerksamkeit auf einen Aspekt ihrer Bekleidung, die sie schon trugen, lange bevor die Poteste begannen, und die sie weiterhn tragen werden, wenn die Proteste vorbei sind. Indem wir uns auf den Hoodie fokussieren, laufen wir Gefahr, ein komplexes Problem zu vereinfachen, welches mit struktureller Diskriminierung und weißer Vormachtsstellung einhergeht. Und wir riskieren, Leute mit begrenzter Aufmerksamkeitsspanne dazu zu verleiten, zu glauben, das Problem habe irgendwas damit zu tun, was die Betroffenen tun oder wer die Betroffenen sind. Die Täter_innen (dazu zähle ich hier auch die sprichwörtlichen “Guten Menschen, die nichts unternehmen”) verschwinden im Hintergrund.

Ich hoffe wirklich, dass jene, die die armselige Berichterstattung westlicher Medien über Gräueltaten gegen Schwarze und Braune Körper kritisieren wollen, dies fortsetzen, indem sie mit dem Finger genau in eben diese Richtung zeigen. Wir sind nicht nigerianisch. Wir sind wütend, dass die internationale Gemeinschaft nicht mehr tut, um die Bevölkerung von Baga in ihrem Kampf gegen Terrorismus zu unterstützen.

Nein, da lässt sich kein handlicher Hashtag draus machen. Aber ich glaube, es beschreibt die brutalen Ungerechtigkeiten und gewalttätigen Verbrechen, auf die wir aufmerksam machen wollen, genauer und verantwortungsvoller.

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Why we honestly are not Nigeria*

(*Unless of course you really are…)

In the wake of the atrocities perpetrated by Boko Haram in the northern Nigerian cities of Baga and Doron Baga as well as neighbouring villages most recently at the beginning of the year, it is of course completely legitimate to feel outrage, disgust and dismay at the – how shall I put this tactfully? – “imbalanced” coverage in the media. Compared to the public outpouring of grief following the terrorist attack at the offices of the French so-called satire magazine “Charlie Hebdo” one would be forgiven in asking: are some lives worth more than others? Why is Angela Merkel flying out to join other heads of state, who are not known to support freedom of speech in their home countries, to march in support of freedom of speech in la belle Paris? What am I missing?

But I am a cynic. These are rhetorical questions, which many excellent commentators have anyway already answered. Instead I am writing about the statements in social media by those who want to stand in solidarity with the victims of Boko Haram. It didn’t take long for the hashtag #IAmNigeria to rise in defiance of #JeSuisCharlie – almost as if you could only be one or the other.

But honestly people – we are really not Nigeria(n). Most of us are not anyway.
First of all, although I get the need to make a clear (visual) statement on Facebook or Twitter, using the words “I am…” to do so, feels terribly wrong to me. Most people in my social media networks will never experience the ravages of civil war; most have never had to fear that they, their families and their neighbours will be butchered by vigilantes because the law of the land has completely broken down; and most people in my timeline are not currently living in make-shift shelters in neighbouring countries because their home cities have been razed to the ground. We are not these people. To claim we are – even if I know it is not meant literally – feels like a reckless trivialisation of their immense suffering.

Secondly, to use the word “Nigerian” in this context is to fill it with a meaning that is reductive to say the least. “Nigerian” becomes (yet again – oh wonder) synonymous with suffering, war, terror, corruption, refugees, and a general state of perpetual victimhood (and curiously ignores that Boko Haram itself is also Nigerian – how does that work?) Of course Nigeria is so much more. Critical readers of Western media are right to point out that the news coverage is biased. These same readers must dig a little deeper in their criticism – far beyond this hashtag – because otherwise you are in danger of falling into the same type of “Africa is a country” narrative that we are already used to.

Finally, I believe the phase kind of supports victim-blaming (albeit unintentionally). Bear with me, I need a bit of time to explain.

I am noticing more and more how the way we think, talk and write about racist discrimination puts the emphasis on some characteristic of the victim: “he was stopped by the police because he is Black”, “she was attacked because she was wearing a hijab” and so on. You get the impression that “being Black” and / or “being a hijab wearer” are somehow more relevant to the reporting of the injustice occuring than the fact that the perpetrator is racist. The passive construction of such sentences even erases them from the report entirely (“He was discriminated against…” – yes, by who?) How liberating would it be if we would read: “White Pegida supporters chased a group of young people and threatened to kill them because the supporters are racists and are known to have sympathies with Nazi-beliefs” instead?

And so, I can’t help feeling that when we put on a hoody and claim to be Trayvon Martin that – if we are ourselves not young Black men – we are in fact not standing in solidarity with young Black men at all. We are merely drawing attention to an aspect of their clothing which they wore long before and will continue to wear long after the protests are over. By focussing on the hoody we risk oversimplifying a complex issue which involves structural discrimination and white supremacy. And we risk leading others with a limited attention span to believe that the problem somehow has something to do with what the victim did or who the victim is. The perpetrators (I include all the proverbial “good people doing nothing” here) fade into the background.

Similarly, I really hope that those who want to criticise Western media’s very poor coverage of atrocities that are carried out on Black and Brown bodies continue to do this by pointing their fingers in exactly that direction. We are not Nigerian. We are pissed off that more is not being done to by the international community to support the local people of Baga in their heroic struggle against terrorism.

No, it does not make for a neat little hashtag. But it does, I think, more accurately and more responsibly describe the vicious injustices and violent crimes we want to draw attention to.

flattr this!

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Page generated Feb. 1st, 2015 01:09 pm
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