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Posted by Nadia

Die Geschichte, die ich erzählen will, wäre vielleicht noch interessanter, wenn ich sagen könnte, ich hätte Amy Winehouse schon immer richtig spitze gefunden. So war es aber nicht, denn das erste Mal kam ich mit Amy in Berührung als sie 2004 mit „Will you still love me tomorrow“ auf dem Soundtrack des Bridget Jones-Sequels landete, und ich ignorierte sie erstmal direkt: Eine weitere nicht-Schwarze Frau die einen auf Jazz machte, die nächste Norah Jones Schrägstrich Joss Stone Schrägstrich Diana Krall. Und die mit ihren Tracks wahrscheinlich sowohl wunderbar auf Sektempfängen als auch in Fahrstühlen funktionieren könnte. Langweilig, langweilig, langweilig.

In einem Leben, das damals noch wunderbar vorwiegend analog funktionierte, tauchte sie breitflächig erst wieder 2006 in meiner Wahrnehmung mit „Rehab“ auf, transportiert via MTV, optisch und musikalisch verziert mit der ganzen Rutsche des Ausleihens von Musikkultur-Erbschaften im großem Stil, und zwar glasklar in Richtung Black Appropriation, denn ihre Vintage-Selbstinszenierung war schon damals natürlich nicht unproblematisch. Dennoch, dass sie eine großartige Sängerin und Songschreiberin war, das war natürlich schon mit ihrer ersten Platte „Frank“ nicht von der Hand zu weisen. „Back to Black“ und insbesondere „Rehab“ waren wie ein rotziger Sieg, ein triumphales „Seht her, alle haben mich und ein zweites Album schon längst abgeschrieben, aber da bin ich wieder!“.

Weiße Künstler_innen, Schwarze Musik

Allerdings, und das soll keineswegs eine unschuldige Randnotiz sein: Ihr Erfolg fiel mit in ein Jahrzehnt, in dem sich auf einmal sowas wie die „great White hope of R&B music“ breit machte. Es waren Jahre, in denen weiße angelsächsische Künstler_innen wie in Massen unter anderem das Soul-Crooning okkupierten – so, als wäre es schon immer ihr Spezialgebiet gewesen und insbesondere nur für sie reserviert. Die Folgen hallen bis heute nach – unter anderem mit dem Überhype, den etwa ein Sam Smith oder bis vor kurzem noch eine Adele generiert haben. Ich glaube nicht, dass Amy Winehouse die große Wegbereiterin für diesen Trend war, sondern eher, dass ihr Schaffen in eine Zeit fiel, in der es sowieso wunderbar zu den pop-cultural politics passte, Musik mit Schwarzen Anleihen im großen Stil von weißen Künstler_innen zu vermarkten – angefangen bei Eminem bis hin zu Themenalben wie dem von Robbie Williams („Swing when you`re winning“, 2001) bis hin zu den anderen Megasellern dieser Zeit, wie etwa Justin Timberlake oder Jamie Cullum.

Das vorweg, wobei all diese Sachverhalte nicht der Grund dafür waren, dass ich keinen Zugang zu Winehouse bekam – ich kann wahrlich nicht behaupten, dass meine Awareness in diesen Jahren schon ausreichend ausgeprägt war, um den schalen Beigeschmack der Aneignung wahrzunehmen. Ich kam natürlich trotzdem nicht an ihr vorbei: Die Schlagzeilen zu Amy wuchsen mit der Verbindungsstärke meines Internets. Amy und Drogen, Amy und ihr Freund Blake Fielder-Civil, Amy auf Entzug, Amy und ihre Eheschließung mit Blake Fielder-Civil, Drogen, Alkohol, Bulimie, Amy und ihre Trennung von Blake Fielder-Civil, Entzug, Drogen, Alkohol, verhunzte Konzerte, Drogen, und ihr Vater Mitch Winehouse, der gefühlt irgendwann monatlich in den Boulevardzeitungen zitiert wurde: „Meine Tochter wird bald sterben wenn sie so weitermacht!“

Die Popkulturästhetik hat keinen Platz für Märtyrerinnen

„Irgendwann stirbt Amy Winehouse halt“, dachte man sich jahrelang, und dann, zack, im Sommer 2011, passierte es tatsächlich. Und nun, vier Jahre später, läuft also diese große Dokumentation über sie im Kino, AMY, die gleichermaßen als Monumentalwerk gefeiert und große Enttäuschung abgestraft wird. Auf Pitchfork erschien jüngst eine sehr lesenswerte AMY-Rezension: „Amy Winehouse, Kurt Cobain and the Gendering of Martyrdom„. Es geht es um den Vergleich von AMY und der zweiten großen Musik-Dokumentation dieses Sommers, „Cobain: Montage of Heck„. Dort wird formuliert, dass Kurt Cobain immer wieder das zugestanden worden ist, was Amy Winehouse bis heute auch posthum verwehrt bleibt: Drogensucht als Nebenerscheinung eines großen Talents zu betrachten. Depressionen, das Verzweifeln an der eigenen Prominenz und Substanzmissbrauch werden in der Stilisierung Cobains bis heute benutzt um sein Dasein als empfindsamen, mit der Welt hadernden Messias zu zeichnen, während hingegen Winehouse – die mit denselben Problemen kämpfte – Zeit ihres Lebens vor allem von den Massenmedien als komplett durchgeknallte und transgressive Frau immer wieder diskreditiert und ausgelacht wurde. Die Korrelation dieses Sachverhalts mit misogynen Strukturen ist natürlich nicht von der Hand zu weisen:

„The way media dotes over its tortured male artists while undermining the personal struggles of women who suffer the same is nuanced, but a look into the archive suggests the phenomenon is well documented across race, genre, and generation. (…) We martyr our women because we fear their greatness. We do so because we fear women who are living out of bounds.“

Intendiert oder nicht, der Film über Amy Winehouse bedient teilweise ebenfalls diese Schublade, da es zumindest zwei Drittel der Laufzeit eigentlich nur um Amys Süchte, Schwächen und ihre Abstürze geht. Zusammengefügt aus Schnipseln, die aus Talkshow- und Konzertaufnahmen, Telefonaufzeichnungen und privaten Kameraaufnahmen bestehen, wird das bekannte Bild der abstürzenden Amy, das Regisseur Asif Kapadia wahrscheinlich eher vermeiden wollte, dann doch noch reproduziert – glücklicherweise aufgehellt durch ein sehr eindrucksvolles erstes Filmdrittel, in dem es um die junge Amy Winehouse geht, und aufrichtige Erinnerungen von ihren Jugendfreundinnen und ihrem guten Kumpel Mos Def, der dann einmal sichtlich bewegt vor der Kamera gesteht, wie sehr er seinerzeit  in Amy verliebt gewesen ist. Was aber kann man von einem Werk erwarten, das einerseits Paparazzis als parasitär bezeichnet, um sich in einem nächsten Schritt dann doch noch an ihrem Bildmaterial bedienen zu müssen?

Über zwei Stunden dauert der teilweise sehr ungeschönte Blick auf Amy, chronologisch wird ihr Werdegang skizziert: Angefangen bei der cleveren, lustigen, selbstbewussten, eitlen und lauten jungen Frau, die sich ihrer Musikalität souverän bewusst und die genauso aufrichtig wie schlagfertig ist. Mit gerade mal 20 Jahren sitzt sie dann als Newcomerin in einer Sendung von Jonathan Ross auf dem Sofa, und Ross stellt ihr so penetrant-blöde Fragen dass sie in diesem Jahrzehnt als Viralschlager das Internet aufgeheizt hätten. Ob sie je von ihren Vermarktern dazu angehalten worden sei ein bisschen angepasster zu sein, schließlich käme sie aus derselben Schmiede wie S Club 7 und die Spice Girls? „Einer wollte mich mal in eine Dreiecksform pressen und ich sagte: Nein!“, entgegnet sie mit einer Schlagfertigkeit, die man eher von der 45-jährigen Nichte Frank Sinatras erwarten würde als von einem Post-Teenager.

Amy bei Jonathan Ross

Amy bei Jonathan Ross

Der Film hat seine stärksten Momente nicht nur dort, wo es gelingt, Amy Winehouse als große Ausnahmekünstlerin und Songschreiberin zu würdigen, sondern vor allem auch bei den Szenen, die klar eine Winehouse skizzieren, die auf Konventionen pfeift, die sich stark fühlt, die dem für sie vorgesehenen Künstlerinnenbild mit der größten Unladylikeness und Selbstironie begegnet. Bei ihrem ersten Vorspielen in einer großen Plattenfirma ist sie fast nur von Männern umgeben, die damals, im Gegensatz zu ihr, der großen Naturgewalt, wie kleine, unscheinbare Würstchen erscheinen. Vielleicht wird genau das auch langfristig zu ihrem Verhängnis.

Allein unter Nieten

Je länger man den Film nämlich guckt, desto mehr drängt sich der folgende Verdacht auf: Kann es sein, dass es am Ende nicht allein die Langzeitfolgen der Drogen und die massiven Gesundheitseinbußen – auch durch ihre langjährige Bulimie – waren, die Amy Winehouse töteten, sondern insgesamt auch patriarchale und kapitalistische Strukturen, sozusagen die male malady?

Eins wird nämlich ziemlich schnell klar: Zeit ihres Lebens ist Amy Winehouse von Deppen Männern umgeben, die kontraproduktiv in ihrem Leben rumwurschteln und dabei entweder selbstmitleidig, paternalistisch oder übergriffig (oder alles zusammen) sind. Da ist beispielsweise Blake Fielder-Civil, der das Paradebeispiel eines nichtsnutzigen Schmerzens(ehe)mannes abgibt, der Winehouse erst fallen lässt und dann wieder treudoof zurückkehrt als er ihren aufziehenden großen Ruhm wittert. Die Szenen, wo er sich auf dem roten Teppich ständig als Pete-Doherty-für-Hängengebliebene-mit-Schlapphut mit auf die Amy-Fotos drängelt, sind an Nervigkeit kaum zu überbieten. Selbst die Fotografen haben die Nase voll: „Amy, alleine!“, schnauzen sie irgendwann. Später wird er mit Rotznase vor einer Kamera erzählen, wie sehr seine Ehefrau Amy, der Weltstar, „seine Karriere gebremst“ und dass er darunter „sehr gelitten“ habe. Er steht damit stellvertretend für alle Cis-Hetenmänner-Nieten, die irgendwann gedacht haben, dass sie bei völligem Nichtskönnen ihre weitaus fähigeren Frauen mit irgendwas übertrumpfen könnten – und sei es mit reiner Männlichkeit.

Auch Papa Mitch kommt nicht besser weg. Die Höhenflüge, die ihm die Erfolge der Tochter bescheren, führen ihn unter anderem mit seiner eigenen Doku-Soap plus Kamerateam-Entourage auf die Insel St. Lucia, wo Amy versucht, von der Öffentlichkeit abgeschirmt (haha!) ihren Entzug durchzuhalten. Dort kackt er sie unter anderem an, weil sie sich weigert für die Tourist_innen den Star zum anfassen und everybody’s darling zu spielen – ein peinsames Szenario, das noch schmerzhafter wird als Amy während der Tirade auf Kameramann Richard zeigt und ihren Vater bittet, sie doch wenigstens dann nicht auszuschimpfen wenn die Kamera läuft.

Ausgebeutet, verspottet und verleumdet

Für die Menschen, vorwiegend Männer, in ihrem Umfeld ist Amy die Eier legende Wollmilchsau, die selbst im Alkohohlrausch dämmernd noch in irgendwelche Flugzeuge getragen wird, um zum nächstbesten Auftritt geflogen zu werden. Der Konzertbetrieb wird dadurch ein bisschen ins schlechte Licht gerückt, die Musikindustrie weniger (aber die Doku wurde ja auch schließlich von ihrem Label Universal produziert), und bei ihrem letzten „Konzert“ in Belgrad, wo sie sich weigerte zu singen, hört man – gefilmt aus dem Publikum – einen Mann schreien: „Sing, oder ich will mein Geld zurück!“ Dazwischen Moderatoren, Comedians, Medienmänner – die alle hämische und teilweise widerliche Witze über Winehouse reißen: Frankie Boyle, Jay Leno, Graham Norton.

Verzweifelt zurück bleiben jeweils ihre besten Freundinnen aus Kindertagen, die mal ihre versiffte Wohnung aufräumen und mal Vater Mitch eindringlich bitten, Amy für eine Weile aus dem Verkehr zu ziehen. Der fand aber bereits 2005 dass seine Tochter keine Entziehungskur brauche. Einmal schreckt man kurz auf, als man vermeint ein paar Stimmen der Vernunft zu vernehmen: Drei Moderatorinnen sinnieren darüber, ob es überhaupt zu verantworten sei, eine so offensichtlich schwerkranke Frau den Strapazen einer Tour auszusetzen. Das (männliche) soziale Nahfeld jedoch verschließt die Augen. Amy, das ist die große patriarchale Ausrede, sei einfach eine Frau die man nicht in den Griff kriegen könne. Zwischendurch werden in der Doku dann Küchenpsychologien zusammengepantscht, die versuchen, Amys großes Selbtsbewusstsein als „Störung, entstanden durch die Scheidung ihrer Eltern“ zu deuten. Ihr rebellisches Wesen wird als „Erziehungsresistenz“ gedeutet, und zu diesem Zwecke dann auch als Kronzeugin kurz ihre Mutter Janis aus dem Off mit ihrem größten Redebeitrag in der Doku zitiert.

Und vielleicht bleibt das am Ende die große Moral der Geschichte: Dass Amy Winehouse so wie sie war am Ende einfach nicht in das enge Dreieck aus patriarchalen Strukturen, männlichem Besitz- und Anspruchsdenken und Kapitalismus passen konnte – auch, wenn sie viele am liebsten für immer genau dort gesehen hätten.

[Dieser Text ist ein Crosspost.]

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Die Bilder toter Menschen

Sep. 3rd, 2015 01:00 pm
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Posted by Charlott

Eine kann kaum noch die Seite eines sozialen Netzwerks aufrufen, ohne mit Bildern toter Menschen konfrontiert zu werden. Ob auf Twitter tausendfach geteilt oder bei Facebook bereits mit viele Likes versehen – es gibt kein Entkommen. Gestern war es vor allem das Bild des dreijährigen Aylan Kurdi.

Das Zentrum für Politische Schönheit (als neuer Teil einer Reihe von hoch gefeierten aber hoch problematischen Aktionen/ Äußerungen ) verkündete auf ihrer Facebookseite heute:

In Großbritannien liegt Aylan Kurdi (3) heute auf allen Titelseiten des Landes tot am Strand vor der Europäischen Union. In Deutschland kann noch eine Generation sagen: „Wir haben es nicht gewusst!“

Und in den Kommentaren geht es mit dieser Argumentationslinie weiter: Die Bilder seien wichtig. Die Bilder zeigten eben was passiert. Die Bilder rütteln auf. Die Bilder seien bedeutend für Empathie. Dabei ist die Perspektive eine ganz eindeutige: Was benötigen die mehrheitlich weißen, christlich-säkularen Europäer_innen?

Benötigen wozu eigentlich? Zu erkennen, dass tausende von Menschen an den europäischen Grenzen sterben? Dieses Sterben als etwas Schlimmes zu kategorisieren? (Auch ein Grund, warum gerade das Bild eines toten Kindes so gut funktioniert, wird ihm doch per se eine ‚Unschuld‘ zugeschrieben, denn von der Einteilung in ‚gute‘ und ’schlechte‘ Geflüchtete mag sich kaum eine_r verabschieden.) Oftmals heißt es, dass die Bilder zeigten, dass Geflüchtete wirklich Menschen seien.

Doch statt zur Vermenschlichung der Zahlen („wieder 600 Tote im Mittelmeer“) tragen diese Fotografien zur Dehumanisierung bei. Die toten Körper werden zu einem Symbol stilisiert, ohne Gedanken an die Angehörigen oder die Würde der Verstorbenen. Oftmals werden in einem Bild gleich eine Reihe von Menschen gezeigt, Namen werden nur selten zugeordnet. Wurde beim Flugunglück in Frankreich penibel darauf hingewiesen, dass keine Fotos von Toten veröffentlicht werden, so sehen viele Menschen kein Problem damit die Bilder toter Schwarzer Menschen und POC zu verbreiten. Für die Sache.

Empathie und Mitgefühl sind keine Empfindungen, die in einem machtleeren, hierarchiefreien Raum entstehen. Wenn diese Strukturen nicht ständig mithinterfragt werden, wird es kaum grundlegende gesellschaftliche Veränderungen geben und statt Einsatz für die Abschaffung von Grenzbestimmungen, Kapitalismus und rassistischer Gesellschaftsstrukturen steht ausschließlich eine Mitfühl-Performance, die wiederum das eigene, (weiße), europäische Ich in den Mittelpunkt stellt. Selbst wenn die Bilder den Zweck erreichten, der ihnen zugesprochen wird, was ist der Preis?

Lesetipp

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 289 von 289 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Artikel

Auf Complaints on Wheels könnt ihr eine Beschwerde über einen diskriminierenden Vorfall an einem Berliner S-Bahnhof nachlesen. Bitte unterstützt die Beschwerde und bittet die S-Bahn auf Twitter oder per E-Mail (kundenbetreuung@s-bahn-berlin.de), Stellung zu dem respektlosen und diskriminierenden Vorfall zu beziehen.

Noch bis zum 10. Oktober können sich jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen für den Förderpreis 2015 der Stiftung Zurückgeben bewerben. Die Stiftung lebt von Spenden – z.B. Geld oder auch Erbschaften / Möbel, die unrechtmäßig in den Besitz von Menschen nicht-jüdischer Herkunft gelangt sind.

XENION, Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.V., sammelt Spenden für Geflüchtete, die eine therapeutische Behandlung benötigen.

Die vorliegende Informationsbroschüre (PDF) richtet sich an die Pflege, insbesondere an die Fachrichtung Altenpflege. Sie soll zu einem professionellen Umgang der Pflegenden mit älteren, alten und hochaltrigen Lesben und Schwulen beitragen.

Treffpunkt, Hilfe, Unterstützung, Beratung und ehrenamtliche Begleitung für LSBTI Geflüchtete in Berlin.

Der LSVD veröffentlichte ein Interview mit Dawn Cavanagh, Geschäftsführerin der Coalition of African Lesbians aus Südafrika über ihre Arbeit, lesbische Lebensrealitäten in Südafrika und internationale Zusammenarbeiten: „Wir sind Aktivistinnen. Wir sind Feministinnen. Wir bringen feministischen Aktivismus in unsere Arbeit, die sich hauptsächlich auf Überzeugungsarbeit konzentriert. Wir wollen Veränderungen in Richtlinien, Gesetzen, Strategien und in der Praxis von Menschenrechten für alle Menschen, in allen Ländern des afrikanischen Kontinents.“

Ebenfalls beim LSVD wurde der Audio-Mitschnitt der Veranstaltung „Rassismus und LGBTI“ im Stadtteilzentrum Alte Feuerwache (Berlin-Kreuzberg) vom 30. April 2015 veröffentlicht. Dort diskutierten Sarah Kohrt (Plattform LGBTI-Menschenrechte der Hirschfeld-Eddy-Stiftung), Beatrice Cobbinah (Juristin, Mitarbeiterin bei LesMigraS / Lesbenberatung Berlin e.V., Autorin des Hintergrundberichts zu LGBTI und Rassismus) und Joshua Kwesi Aikins (Politikwissenschaftler, Mitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland ISD Bund e.V., Koordinator des Projekts Parallelberichterstattung zur UN-Antirassismus-Konvention). Moderiert hat Pasquale Virginie Rotter.

Die dritte (und letzte) Ausgabe des Make Out Magazines ist erschienen. Thema: Dirt.

Das Reddit-Unterforum „The Red Pill“ hat über 120.000 Abonnenten. Geteilt werden dort misogyne, sexistische Theorien. Juliane Frisse von Puls hat sich diese Internetnische, die dann doch nicht so klein und nischig ist, genauer angesehen. Die dort verbreitete Lehre klinge wie „wie ein Philosophie-Proseminar für frauenhassende Pickup-Artists“.

Am 1. September startet die Umfrage „Diskriminierung in Deutschland 2015“ von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Mitmachen können alle in Deutschland lebenden Menschen ab 14 Jahren. Hinweis: Die Umfrage ist nicht ganz unproblematisch (z.B. weil Diskriminierung individualisiert betrachtet wird, siehe auch die Anfangsfragen), dennoch halten wir es sinnvoll die Umfrage zu teilen, um Menschen, die eher wenig sensibilisiert sind, auf Diskriminierung aufmerksam zu machen.

Happy Birthday! Deutschlands erster und einziger lesbisch-schwuler Buchverlag – der Querverlag – feiert sein 20-jähriges Jubiläum. Das Jubiläum wird in einem Blog zelebriert und mit dem Hashtag #quer20 begleitet.

Englischsprachige Artikel

Eigene Blogartikel zu verfassen macht Spaß und kann bestärkend sein. Manche Kommentare, die mensch dann bekommt, eher nicht. Die US-amerikanische Fat Aktivistin Virgie Tovar erzählt, warum sie die Kommentarspalte ihres Blogs geschlossen hat.

Viele (Hetero-)Paare werden ständig gefragt, wann „denn endlich der Nachwuchs komme“. Ein Paar hatte eine super Idee, um der nervigen Fragerei nach Kindern ein Ende zu setzen.

Und zu guter Letzt: Wunderschöne Bilder von Queers of Color gezeichnet von Mohammed Fayaz.

Termine in Berlin, Bielefeld, Rostock

03.September in Berlin: Ab 18.30 findet ein Soli Konzert für das Abortion Support Network statt. (FB-Link)

05. September in Berlin: Mini Queer Zinefest Berlin III. (FB-Link)

ab. 12.09. in Berlin: Am 12. eröffnet die Ausstellung „Prekäre Kunst: Protest & Widerstand„. Den ganzen September werden zu dem einzelne Veranstaltungen stattfinden.

09. bis 13. September in Rostock: In dieser Zeit findet das Ladyfest Rostock mit Workshops, Konzerten und anderen Angeboten.

11. bis 13. September in Bielefeld: GRRRLS* Skate Fest mit Skate-Sessions, Wettbewerben, Musik etc.(FB-Link)

12. September in Berlin: Von 10 bis 16 Uhr findet „Pempamsie – Ein Open Space für Schwarze Mütter“ mit Sharon Dodua Otoo statt. (FB-Link)

19. September in Berlin: Aktionstag für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung. (FB-Link)

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Posted by Julia

Dieser Text ist Teil 107 von 107 der Serie Die Feministische Bibliothek

Reichhaltig. Wenn ich nur einen Begriff hätte, um Anne Bax’ Roman HerzKammerSpiel, zu beschreiben, wäre es dieser. Er ist Liebesgeschichte und Krimi in einem und mehr als das; er ist spannend, lustig und ernst zugleich.

DAnne-Bax-HerzKammerSpiela ist einmal die Liebesgeschichte zwischen Charlotte und Irene, ganz neu und doch schon auf dem Wege, sich zu verkomplizieren. Charlottes Ex spielt dabei eine Rolle, ein Unbekannter, der sich Schlager hörend in fremden Häusern herumtreibt, und vor allem der Mangel an Mitteilungsfreudigkeit auf beiden Seiten, der zu Missverständnissen und Misstrauen führt.

Dann ist da der „harte Kern“, so nennt sich ein Freundinnenkreis im Rentenalter, an dem auch Charlottes Mutter, Luise, beteiligt ist. Die internetaffine Gruppe mischt Gemeindeveranstaltungen auf, treibt sich in sozialen Netzwerken im Internet herum, plant eine kollektives Wohnprojekt, gibt Tipps in Liebesdingen – und löst einen Entführungsfall. Im Alleingang versteht sich. Und dann wäre da noch eine zweite Liebesgeschichte: jene zwischen Rose-Lotte, die zum harte Kern gehört, und Edda. Die beiden lernen sich auf dem Friedhof kennen, wo Eddas verstorbene Partnerin begraben liegt.

Die Geschichte um den „harten Kern“ ist wunderbar komisch, etwa, wenn die eingeschworene Gruppe sich aufmacht, einem homofeindlichen Hassprediger die Show zu stehlen. Klischees zum Thema Alter tauchen auf – um gebrochen zu werden: etwa, wenn die beliebten Kaffekränzchen zum Austausch von Kuchenrezepten, aber eben auch zum körperlichen Training für politische Aktionen, zur Koordinierung in Sachen Verbrechensbekämpfung oder zur Planung des gemeinsamen Wohnprojektes genutzt werden. Der Krimi wird im Laufe der Geschichte zum spannenden Thriller. Originellerweise mutiert dabei das Hetero-Kleinfamilien-Ideal zur Horrorshow (mehr kann nicht verraten werden). Die beiden lesbischen Liebesgeschichten sind berührend, mit Dialogen, die realistisch sind und ungestelzt.

Mit der Frauengruppe im Rentenalter schuf die Autorin zudem eine schöne Vision des Alterns: ein Freundinnenkreis, der zusammenhält und Unterstützung bietet; gemeinsames Wohnen; politische Aktivitäten; und selbstverständliches lesbisches L(i)eben. Bei allem Witz werden dabei auch schwere Themen berührt. Beeindruckt hat mich, wie das Thema Tod und Trauern – in Zusammenhang mit Eddas verstorbener Partnerin – Eingang in die Erzählung gefunden hat: mit einer angenehmen Selbstverständlichkeit, ernsthaft und würdevoll, und doch auch mit Humor.

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Rescue

Sep. 1st, 2015 11:25 pm
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Posted by MissFeya

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Although I totally adored how Season 3 and the rest unfolded, this is how I imagined the post-"Other Side" events. Rated Mature for future chapter sexytimes.

Words: 3881, Chapters: 2/?, Language: English

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Posted by Charlott

Lass es Sommerpause sein

Lass es Sommerpause sein

„Hatten wir dazu nicht schon einmal einen Beitrag?“ – Eine Frage, die gar nicht so selten auftaucht, denn (leider) bleiben viele Debatten auch über Jahre ganz zeitlos aktuell oder branden ‚plötzlich‘ wieder auf. Statt immer einen neuen Text zu verfassen, juckt es manchmal in den Fingern einfach die älteren Werke vorzukramen und zu posten: „Hier, war schon vor drei Jahren kritikwürdig.“
Eigentlich ist dieser Reflex doch auch gar nicht schlimm, wenn Gedanken schon einmal gut ausformuliert wurden, müssen sie ja nicht in der digitalen Schublade verstauben. Aus diesem Grund haben wir die Sommerpause genutzt und posteten auf Facebook und Twitter Artikel aus den letzten Jahren. Diesen #SommerImArchiv könnt ihr nun auch hier noch einmal gesammelt nachverfolgen. Viel Spaß beim Stöbern! (Und falls ihr unsere Arbeit finanziell unterstützen wollt, freuen wir uns jederzeit über Spenden.)

Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?!

Sommer, Badestrand oder Freibad – für viele eine unschlagbare Kombination. Doch die Freude wird auch häufig schnell getrübt, z.B. durch fatshamende Kommentare. Im letzten Jahr schrieb Magda zu Fatkinis und Gesundheitsdiskursen:

Ich höre Gefährdung und möchte schreien: Jaaa!! Stolze, glückliche fette Menschen sind gefährlich – weil sie hegemoniale Bilder von den traurigen™ und inaktiven™ Fatties in Frage stellen. Weil manche dicke Menschen einen lauten Furz darauf geben, ob andere es „ästhetisch“ oder „schön“ finden, wenn sie knappe Bikinis oder Neon-Badeanzüge tragen. Dicke Leute, die ihren Körper nicht verstecken, ihn sogar stolz präsentieren? Passt in keine gesell­schaftliche Erzählung über das Dicksein: Dicke Menschen sollen entweder abnehmen oder zumindest sagen, dass sie es tun wollen. Aber doch bitte nicht fett und glücklich im Badeanzug posieren.

Zum Freispruch für George Zimmerman

Im letzten Monat jährte sich bereits zum zweiten Mal der Freispruch für George Zimmerman. Im Juli 2013 schrieb accalmie über das Urteil und seinen Kontext:

Institutionalisierter Rassismus führt dazu, dass drei Mal mehr Schwar­ze US-Bür­ger_in­nen zur To­des­strafe verurteilt werden als weiße. Jener institutionalisierte Rassismus führte auch dazu, dass das Ver­fah­ren ge­gen Geor­ge Zim­mer­man auch zum Ver­fahren darüber wurde, wie Schwarz Tray­von Mar­tin war: wie sehr hood(ie), wie stereo­typi­sier­bar, wie entmenschlich- und entindividualisierbar genug, um eine „beiläufige“ Er­schiessung zu recht­fer­ti­gen.

Feminist Bore-Out

Eine Sommerpause tut aus so vielen Gründen Not – zum Beispiel? Feminist Bore-Out! Ein Phänomen, dessen Name Nadia im letzten Jahr prägte:

Es wird ja auch nicht besser wenn den Leuten™ das Ganze unter dem Deckmantel von “Es geht den Autorinnen ja eigentlich und tatsächlich um Gleichberechtigung!” untergejubelt wird. Und ich weiß auch nicht, womit wir diese ganzen Buchpupser_innen verdient haben. Ich meine, das Problem an all dem wirklich grenzwertigen und problematischen Herrschaftsgelaber der Mainstream-Unterhaltungsliteratur “mit Message”™ ist ja mittlerweile nicht mehr nur, dass in diesen Büchern stringent falsches und empirisch nicht haltbares Zeug behauptet wird – das Problem ist ja auch noch, dass dieses ganze Zeug furzlangweilig ist. Weil immer wieder der immer gleiche Scheiß erzählt wird.

 


Schöne neue Welt – „Hellcome to Germany“

Im August 2013 schrieb Sabine ihr Essay zu Flucht, Asyl, Grenzen, Gewalt. Jetzt zwei Jahre später scheint es aktueller denn je:

Das Leid hat sich nicht verändert, aber die Gesetze sind schärfer. Ein Wunder, wer es schafft über die Wüste, Menschenhändler, Foltercamps oder das Mittelmeer. Es ist Spätsommer, da ist das Mittelmeer etwas ruhiger und die Flucht kann gelingen. Dass weiß auch die Bundes- und Grenzschutzpolizei. Hochsaison, die Jagd hat begonnen. In dieser Welt möchte niemand bloß Mensch sein.


IDAHOT* – Sollten homosexuelle und transgender Personen getrennt kämpfen?

Anlässlich des diesjährigen IDAHOT* schrieb Jayrôme über die Argumente für und wider seperater Kämpfe von transgender Aktivist_innen:

Darum plädiere ich für die Selbst-Organisation jedes einzelnen Buchstabens und dann plädiere ich für unterschiedliche Bündnisse und unterschiedliche Dächer – abhängig vom Thema.

Zum Beispiel wäre ein Runder Tisch zur Gleichstellung der Geschlechter definitiv ein Thema für das CTI-Bündnis: Die cisgender, transgender und intersex Community.

Samstagabendbeat

(Fast) Jeden Samstagabend präsentieren wir euch Musiker_innen unterschiedlichster Genres und Jahrzehnte. Für alle Musikfans, und jene, die es werden wollen, lohnt sich auch da ein Blick ins Archiv. Oder noch einfacher: Auf unsere Youtube-Seite, wo es den Großteil der Songs in einer super Playlist gibt.

Wer war… May Ayim

Am 9. August vor 19 Jahren starb die afro-deutsche Dichterin, Schriftstellerin, Aktivistin May Ayim. Vor fünf Jahren stellte Magda sie in unserer Reihe „Wer war eigentlich…“ vor.

Ehe abschaffen! Und bis dahin: Eheprivilegien umverteilen

Es war eines der Themen des Frühsommers: Öffnung der Ehe. Erst Irland, dann die USA, drumherum viel Konfetti. Nadine forderte stattdessen: „Ehe abschaffen!“

Die Kritik, dass die Institution Ehe im Kern ein kolonialrassistisches, heterosexistisches und kapitalistisches Ordnungs- und Gewaltinstrument ist, das die staatliche Gewalt-Dynamik bis in den persönlichen Nahraum von Menschen wiederholt (siehe Links am Ende des Textes), scheint der „Why not?“ und „Tut ja keine_r weh!“-Stimmung keinen Abbruch zu tun.

Critical Whiteness und das Ende der Sektstimmung

Manchmal muss man die Worte „Critical Whiteness“ nur flüstern und schon sieht man sich konfrontiert mit einer Abwehr-Welle. Oder aber „Critical Whiteness“ wird als Platzhalter für alles, was uncool empfunden wird, genutzt. Egal, ob sinnhafter Zusammenhang oder nicht. Drum heute einen Klassiker zum Thema von Nadia:

Kulturell, sozial, politisch, ökonomisch: Es gibt keine Rassismus-befreiten Zonen in Deutschland. Das ist das Resümee des Buches [Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow], und es schmerzt vielleicht manchen (weißen) Leser_innen noch mehr, wenn ihm_ihr dann auch noch direkt mitgeteilt wird, dass auch er_sie ständig an den vielzähligen Mikromechanismen mitwirkt, ob er_sie es will oder nicht.

Über das Gucken und Sehen: Schwarze Frauen in Deutschland an_erkennen

Was ist der Unterschied zwischen ‚gucken‘ und ’sehen‘? Wie werden Blicke etabliert? Was machen diesen Blicke? Wie sich selbst und andere sehen, erkennen, unter all den *istischen Strukturen? Dazu dieser wunderbare Text von Sharon aus dem Mai:

Insgesamt erzählen die Blicke von Mitgliedern einer mächtigen Gesellschaftsgruppe eigensinnige Geschichten über ein Objekt. Mit der Zeit besitzen diese Geschichten eine größere Autorität, als was das Objekt jemals könnte. Jedoch ist die Information, die das „Gucken“ bietet, unvollständig, da die Kommunikation nur in eine Richtung geht. Gucken ist nicht das Gleiche wie Sehen. In einem Kontext, in dem der weiße männliche Blick dominiert, wurden Schwarze Frauen immer angeguckt aber selten gesehen.


Über Verlust und Trauer

Noch relativ frisch in unserem Archiv dieser wichtige Texte über Gefühle und Erfahrungen mit dem Tod von Eltern sowie den Umgang mit Trauer und Trauernden (auch in queer-feministischen Kontexten).

In unseren Communities heißt es oft: Familie ist nicht nur die Herkunftsfamilie, lasst uns mehr über Wahlfamilie sprechen! Die theoretische Auseinandersetzung derjenigen, die dann trotzdem zu ihren Eltern nach Hause fuhren, wurde für mich praktische Realität. Ehrlich gesagt hat es sich nicht so befreiend angefühlt. Meine Traurigkeit kann ich nicht dekonstruieren.

Warum ich nicht mehr über ‚Hate Speech‘ diskutieren will

In regelmäßigen Abständen ist sie wieder da: die Hate-Speech-Debatte. Wer ist betroffen? Warum gibt es so viel Hass im Netz? Etc. Charlott schrieb im Mai darüber, warum sie zu mindestens den Begriff nicht mehr hören kann:

Ja, ich mag Hate Speech nicht – also natürlich zum einen die Akte, die mit dem Konzept gemeint sind (wie überraschend, ich mag es nicht bedroht und beschimpft zu werden), aber eben auch den Begriff ‚Hate Speech‘ an sich. Mich stört, dass der Begriff schnell relativ entpolitisiert verwendet werden kann. Dann wird plötzlich über die ‚Debattenkultur‘ im Internet diskutiert und nicht mehr über Macht- und Diskriminierungsverhältnisse.

Renate Künast, der Vergewaltigungsparagraph 177 und die Unzulänglichkeiten des Rechtsstaats

Im Februar wandte sich Renate Künast in einem Beitrag auf Zeit Online an Thomas Fischer, Richter am Bundesgerichtshof, und seine Behauptung im Sexualstrafrecht bestehe kein Handlungsbedarf. Nadine analysierte die Debatte:

Die Diskussion über die Reform von §177 ist nicht nur eine über die Strafbarkeit von Vergewaltigung, sondern auch eine über das Subjekt des deutschen Rechts. Über Dogmen, die vorgeben, dass das Strafrecht kein Opferrecht ist, das nach Gerechtigkeit strebt, sondern ein Täterrecht, das vorgibt fair gegenüber allen Beteiligten zu sein und ggf Sanktion ausübt (und die Bedingungen von „fair“ nicht mehr zur Debatte stehen), kein Recht für, sondern ein Recht gegen. Eine Diskussion darüber, dass Rechtsgüter (egal ob menschlich oder nicht), vor dem Gesetz so gleich behandelt werden, dass bestehende Hierarchien und Machtverhältnisse schlicht nicht stattfinden. Eine Diskussion darüber, dass der Täter im Strafrecht immer „der Andere“ ist, aber nie das Rechtssubjekt selbst: die Norm (weiß, cis-typ, hetero, gesund, deutsch, staatsbürger, christlich säkular). Und wenn doch, muss eben eine Abweichung herbeikonstruiert werden, um das Tatmotiv zu verdecken („verrückter“ Einzelgänger) und bestenfalls noch Mitleid abzunötigen („er konnte halt nicht anders“).


Reproduktive Rechte im Kontext – der Winterpodcast

Anfang 2014 fanden sich accalmie, Anna-Sarah und Charlott bei Nadia in Bielefeld ein. Neben gemütlichen (und langem) Pizza-Abend haben wir vor allem einen Podcast produziert zu reproduktiven Rechten. Ziel war es über die dominanten Fragen zur ‚Pille danach‘ und Abtreibung hinauszugehen, größere historische Kontexte zu diskutieren und die Weite des Felds anzudeuten.

Wir sprechen unter anderem darüber, wo eigentlich das Konzept von ‚reproduktiven Rechten‘ auftauchte, an wen sich Anrufungen des Familiengründens richten, Abtreibungsrecht in der DDR, und wie heterosexistische, cissexistische, ableistische, klassistische sowie rassistische Vorstellungen mit dem Thema verküpft sind.

Hat jemand „Knutschverbot“ gesagt?! – Critical Hetness 101

2013, einer der Höhepunkte der Debatte um (vollkommen fiktive) Knutschverbote. Anna-Sarahs Text dazu und zum Hinterfragen alltäglicher Praxen bleibt ein Knaller:

Die Welt verändern, solidarisch sein und alles so machen wie ich es gewohnt bin oder es mir selbst am besten passt – manchmal geht das nicht alles gleichzeitig. Auch die sophisticatedste Argumentation, warum es jetzt gerade speziell in meinem Fall alles ganz anders ist, führt da nicht dran vorbei. Auch wenn’s keinen Spaß macht. So fühlen sich Machtstrukturen an.

„Gesundheit“ ist ein Machtbegriff

Mit dem Begriff ‚Gesundheit‘ wird auch häufig eher unreflektiert um sich geschmissen. Hannah hat den Einsatz analysiert und herausgearbeitet, wie die Norm von ‚Gesundheit‘ produziert wird und ebenfalls als Machinstrument wirkt:

Mit jeder Forderung nach “gesunden Körperbildern” werden die existierenden Körperbilder pathologisiert und das Spektrum, das “Gesundheit” haben kann, enger gesteckt. Wieder geht eine Kluft auf zwischen “okay” (weil sogenannte, so definierte, “Gesundheit” mit Selbstbestimmung und Unversehrtheit belohnt wird) und “nicht okay” (weil sogenannte – so definierte “Krankheit” mit Stigmatisierungen, die wiederum zu Diskriminierung im Recht auf Selbstbestimmung und Unversehrtheit einhergehen).

Rassismus raus aus Kinderbüchern

Die Kinderbuchdebatte. Wir befinden uns wieder im Jahr 2013. (Was war in dem Jahr eigentlich los?!) Eine Zusammenfassung gab es von Lisa:

‘Zeter! und Mordio! Kultur­verfall! Und Sprach­polizei! Und Säu­berungs­kam­pagne! Und sowieso, Political! Correct­ness!’ regt sich die Presse von FAZ über Deutsch­land­funk bis Spiegel auf. (Die Artikel wurden ab­sicht­lich nicht ver­linkt, am harm­losesten ist noch dieses Interview mit Paul Maar.) In all dieser Auf­regung, wird, so oft es sich ir­gend­wie unter­bringen lässt, genussvoll das diskriminierende N*Wort geschrieben, am besten schon in der Überschrift. Dabei offenbart sich, neben teilweise erschreckend reaktio­närem Ge­danken­gut, eine un­glaub­liche Ignoranz und Un­sensi­bili­tät.

Wenn ihr übrigens nach Lesetipps (für jüngere und ältere Leser_innen) sucht, dann lohnt sich immer ein Blick in unsere Feministische Bibliothek.

Aus dem Wortschatz streichen: „Fremdbetreuung“

Jetzt, wo vor einigen Wochen, der Bundesgerichtshof die bundesweite Einführung des Betreuungsgelds als verfassungswidrig einstufte, ist auch mal wieder ein guter Zeitpunkt den Text zu ‚Fremdbetreuung‘ von Melanie aus dem Archiv zu zerren:

„ich möchte mein kind nicht so früh fremd betreuen lassen/abgeben…“ höre ich oft. wenn ich dann nachbohre, was „fremdbetreuung“ heißt, stehen dahinter konkrete formen von betreuung, die nicht erwünscht sind: betreuung, für die bezahlt wird. anders kann ich es mir oft nicht erklären, warum es ok ist, dass oma an vier vormittagen das kind bespaßt, aber die tagespflege oder die kita abgelehnt werden. und zwar auch von menschen, die sich solche betreuung grundsätzlich finanziell leisten können.

Warum der BMI scheiße ist (und ich kein Sellerie mag)

Ein Text, der Standardlektüre sein sollte: Magda erklärt im Juli 2014, warum der BMI nicht wirklich irgendetwas aussagt und bitte in der Schublade verschwinden sollte.

Es gibt nicht das „gesunde“ Essen auf der einen und das „ungesunde“ Essen auf der anderen Seite. Genauso wenig ist es sinnvoll, auf irgendwelche Rechnungen zu vertrauen, wenn es darum geht, Körper in „gesund_normal“ (BMI 20 – 25) und „risikobehaftet_krank“ (BMI ab 25) einzuteilen. Körper überhaupt in diese Kategorien einzuteilen ist, pardonnez-moi, kackscheiße!

Mehr wichtige Beiträge gibt es außerdem in der Reihe „(Mein) Fett is politisch„.

Fragmente

Viel zu seltene Form bei der Mädchenmannschaft: Lyrik. Darum aus dem Archiv die berührenden und erschütternden „Fragmente“ von Sabine.

Jenseits von „choosing my choice“ und „käuflichem Geschlecht“ – feministische Debatten über Sexarbeit

Ein feministisches Dauerbrenner-Thema: Sexarbeit. Anna-Sarah schrieb im November 2013 einen Beitrag, der einen differenzierten Blick auf die allgegenwärtigen Argumente und weitere Leerstellen anbietet.

Wodurch kann ich als Feministin Sexarbeiter_innen unterstützen/Solidarität zeigen – und zwar gleichermaßen jene die sagen, dass sie ihren Job gern machen und keinen anderen wollen; jene die sagen, dass sie ihren Job zwar nicht sonderlich toll finden, es für sie aber aus Gründen ihr Weg zum Geldverdienen ist; jene die sich um eine Alternative zur Prostitution bemühen; und besonders auch jene die von unmittelbarem Zwang und Gewalt betroffen sind? Und das erstmal ganz unabhängig von der Frage, ob und aus welchen Gründen ich eine Gesellschaft ohne Prostitution grundsätzlich für wünschenswert halte oder nicht? Ich würde mir wünschen, dass ein solcher Ansatz immer als Prämisse über Debatten stünde, wie wir sie hier führen.


Ablasshandel oder solidarische Handlung? Über Umverteilung mittels Geldspenden

Über Geld reden ist ja immer so eine Sache – eine ganz wichtige eigentlich. Im letzten Juli machte sich Nadine Gedanken zu den Politiken rund ums Spenden:

Insofern halte ich es für Luxus und wenig praktikabel erstmal unter uns weißen zu diskutieren, ob Spenden an unterstützenswerte Organisationen, Vereine und Projekte dem weißen Gönnertum zuträglich sind, das eigene Gewissen erleichtern oder sonst wie problematisch im Hinblick auf die Reproduktion von white supremacy (weißer Überlegenheit) sind. Es geht schließlich auch nicht um ein Entweder (spenden) – Oder (anders unterstützen). Solidarische Handlungen sollten im besten Falle auf mehreren Ebenen erfolgen, angefangen bei eigener Weiterbildung oder Übernahme von Tätigkeiten, die keine repräsentativen Zwecke haben (infrastrukturelle, organisatorische arbeiten im Hintergrund, für die in diesem fall weiße keine öffentliche Anerkennung erhalten).

Die Politik Schwarzer Haare

In ihrem ersten Artikel, den accalmie jemals für die Mädchenmannschaft schrieb, diskutierte sie die Politik Schwarzer Haare zwischen Rassismus, Hierarchien und Solidaritätspotential:

Dass auch die Mehrheit der Friseur_innen in Deutschland nicht mit Schwarzen Haaren umgehen kann, ist angeblich aber nicht etwa deren mangelnder Ausbildung durch Ignoranz gegenüber nicht-weißen Kund_innen geschuldet, sondern mein eigener Fehler, weil meine natürliche Haartextur nicht angemessen gebändigt ist, um damit irgendetwas anfangen zu können. Während ich also Pflege­­mittel im Internet bestelle oder in den Afro-Shop (oder in den USA in die „ethnic hair section“) wandere, bleiben weiße (Haare) ethnienlos, und sind unmarkierte „Normalität,“ von der alle(s) andere(n) abweichen. Schwarze Haare sind ein zentrales Element dieses als weniger wert definierten „Anders­­seins“, mit dem Rassismus People of Color kategorisiert.

Buschkowsky: Die Stimme des Blutes deines Bruders

Als im September 2012 die Vorabdrucke des rassistischen Buchs „Neukölln ist überall“ des SPD-Politikers Heinz Buschkowsky erschienen, schrieb Nadia diesen immer noch absolut empfehlenswerten Text:

Buschkowsky ist 1948 geboren. Ich kam 1980 auf die Welt. Als er 1991 das erste Mal Bezirksbürgermeister wurde, wurde ich von meiner Klassenlehrerin im Unterricht nach vorne gebeten, damit ich erklären sollte, wie ich mich zum Irak-Krieg positioniere. Ich wusste damals nicht, wo der Irak liegt, aber das interessierte die Lehrerin nicht – als ethnische Schwester im weitesten Sinne würde ich ja schon etwas irgendwie Erhellendes sagen können.


Pink stinkt nicht, ihr Lauchs!

Der zweite Text von Hengameh, der bei der Mädchenmannschaft veröffentlicht (in diesem Fall gecrosspostet) wurde.

Interview mit Peggy Piesche über Lesben in der DDR: „Sichtbarkeit kann niemals nur die eigene sein“

Im Mai diesen Jahres konnte Nadine Peggy Piesche interviewen zu Lebensrealitäten und Aktivismus von Lesben in der DDR. Eigentlich hätte das Gespräch im Freitag erscheinen sollen, warum dies nicht geschah, beschreibt Peggy Piesche selbst in dem Nachtrag „Die Bequemlichkeit der Ignoranz“ unterhalb des Interviews:

Dagegen [journalistische Standards einzuhalten] ist nichts einzuwenden. Allerdings dagegen schon, ein politisch wichtiges Thema so runterzukochen und reißerisch aufzumachen, dass es für die zwei beteiligten Perspektiven nicht nur nicht mehr wiederzuerkennen, sondern auch schlichtweg entperspektiviert und entpolitisiert wird. In meinen Gesprächen mit Frau Löffler [Community-Managerin/ Onlineredakteurin beim Freitag] wurde das Problem schon schnell ersichtlich. Die „Leserschaft“ schien aus einer homogenen Masse einer heteronormativen weißen, westlichen Erfahrungswelt zu bestehen. Alle Referenzen auf eine Erfahrungswelt in der DDR, wie z.B. die gesellschaftliche Bedeutung von „unter dem Dach der evangelischen Kirche“ bzw. eine geanderte, marginalisierte und rassifizierte Perspektive wurden mainstreamfähig aufgepappt.

trans*parent – trans* und Elternschaft

Im März konnten wir einen Gastbeitrag von E veröffentlichen, in dem E über die Komplexitäten des Eltern- und gleichzeitig trans*-Seins schreibt.

ich laufe also bei dieser erzwungenen geschlechter ordnung gegen wände an. trotzdem finden sich manchmal wände, die ich einbrechen kann, wände, die andere vor mir eingebrochen haben und (schutz-)wände, die ich mir selber gebaut habe – wege, lücken oder kompromisse.

Wir haben die Definitionsmacht!

Ein feministisches, anti-*istisches Dauerthema (und gern auch von Kritiker_innen aufgegriffen): Sprache. Wie drücken wir uns aus? Welche Begriffe nutzen wir? Welche sollten wir weglassen? Und was ist der Effekt. Zu all diesen Fragen ein Plädoyer von Sharon:

Es gilt anzuerkennen, dass bestimmte Wörter verbrannt sind. Das Wort „Endlösung“ können wir nicht mehr verwenden, um zum Beispiel über das Ergebnis einer Rechenaufgabe im Matheunterricht zu sprechen, denn es hat eine grausame Konnotation. Klar ist auch, dass die Intention der sprechenden Person hierbei nicht maßgeblich ist. Andere Wörter, die mit Gewalt, Hass und Verbrechen konnotiert sind, gehören ebenfalls auch nicht in unserem Wortschatz. Als Amadeu Antonio 1990 in Eberswalde von Rechtsradikalen zu Tode getreten wurde, und als ich im gleichen Jahr an einer Bushaltestelle in Hannover von einem Nazi angeschrien und bedroht wurde, sind dieselben rassistische Bezeichnungen gefallen, über die in Deutschland 2013 immer noch hitzig diskutiert wird, ob sie wirklich aus Kinderbüchern gestrichen werden sollten.

Die Feministische Feuerwehr

Bevor es wieder mit dem Blog-Alltagsgeschäft weitergeht ein friendly reminder in Form eines Texts von accalmie: Es gibt keine Feministische Feuerwehr!

Seien es obsessiv gesetzte Pingbacks oder konstante Lektüre-„Tipps“ von allies (Verbündeten): offenbar herrscht die kuriose Annahme vor, dass es so etwas wie eine Freiwillige Feministische Feuerwehr gäbe. Jene wird gerufen, wenn erneut die antifeministische Argumentationsschablone zum Einsatz kam und die Feministische Feuerwehr nun das Sexismusinferno löschen soll.

Und damit auf in den Rest von 2015!

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Aug. 21st, 2015 04:31 am
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Posted by Anonymous

by Anonymous

When Olivia regains her memories of the original timeline, Lincoln isn't the only one affected.

Words: 5690, Chapters: 1/1, Language: English

Go on as three

Aug. 20th, 2015 11:47 am
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Posted by Anonymous

by Anonymous

In a world where three-person relationships are the norm, Lincoln Lee finds a new place to belong.

Words: 5095, Chapters: 2/2, Language: English

Take Me Anyway You Like

Aug. 27th, 2015 08:14 pm
[syndicated profile] fringe_on_a03_feed

Posted by sandyk

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Takes place after Unleashed. Peter remembers everything from the age of 2 to yesterday.

Words: 11133, Chapters: 2/2, Language: English

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