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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 324 von 324 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Vorgestern wurde Gina-Lisa Lohfink zu einer Geldstrafe aufgrund „falscher Verdächtigung“ verurteilt. Identitätskritik nimmt Aussagen der Staatsanwältin als Ausgangspunkt, um darüber zu schreiben, was in dieser Gesellschaft offensichtlich unter „einvernehmlichen Sex“ verstanden wird.

Vor zehn Jahren konnte Natascha Kampusch sich befreien. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht sie über sexistische Frauenbilder und Vorstellungen davon, wie sich ein Opfer zu verhalten hat.

„Das geplante Teilhabegesetz soll Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Durch den derzeitigen Entwurf können behinderte Menschen aber z.B. gegen ihren Willen gezwungen werden in Heimen und anderen Einrichtungen zu leben.“, heißt es auf der Kampagnen-Seite von #AlleinZuHaus. Noch 18 Tage lang kann eine Petition gegen den Gesetzesentwurf unterzeichnet werden.

Im DeutschlandRadioKultur geht es um Queer Rap. Zu Wort kommen dazu Mykki Blanco und SchwarzRund.

Der hauptsächlich in Berlin agierende Verein Ruby Tuesday e.V. sucht neue Mitglieder und freut sich auch sonst über Unterstützung (z.B. in Form von Spenden). Seit nunmehr acht Jahren organisiert Ruby Tuesday Musikworkshops, Musikfestivals/-Konzerte und Musikcamps. Seit 2015 gibt es so z.B. ein queeres Musikempowermentprojekt.

meinbezirk berichtet über die Arbeit der „Queer Base“, einer Anlaufstelle für LGBTIQ-Geflüchtete in Wien.

Auch wenn die Diskussion um „Afropolitanism“, die der fluter hier aufnimmt, schon lange um einiges weiter/ ausdifferenzierter geführt wird, so lohnt sich doch ein Blick auf die fünf Autorinnen, die vorgestellt werden.

englischsprachige Links

In Frankreich wurde ein Burkini-Verbot durchgesetzt. Wie das in der Praxis aussieht, konnte nun zB in Nizza beobachtet werden, wo vier bewaffnete Polizisten eine muslimische Frau zwangen Kleidung (die nicht einmal ein Burkini war) abzulegen. Angelastet wurde ihr das Folgende: Sie trüge kein „outfit respecting good morals and secularism„.

Feministing stellt das peruanische Mutter-Tochter-Duo, Bila Flores und Mabel Valdiviezo, vor, die mit Kunst Themen wie Migration und Geschlecht bearbeiten.

Rad Women Doing Rad Things“ – Auf Bookriot werden acht Bücher über Erfinderinnen, Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen etc. präsentiert.

Termine

25.08. in Berlin: Der Film „Vessel“, über die Organisation „Women on Waves“, wird gezeigt.

05.-09.10. in Berlin: Mehrere Tage lang wird die Football Pride Week stattfinden.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?

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Posted by Charlott

Vielleicht ist es zynisch, aber wer in den letzten Wochen den Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink beobachtet hat, überrascht der Ausgang nur bedingt. Und trotzdem ist er natürlich ein Schlag in die Magengrube. Für Lohfink selbst. Und für alle anderen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Am Ende des heutigen Prozesstages wurde Gina-Lisa Lohfink, die zuvor zwei Männer aufgrund einer Vergewaltigung angezeigt hatte, wegen falscher Verdächtigung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 250€ verurteilt.

Das ist doppelt fatal, einmal für die Einzelperson (und allein das sollte schlimm genug sein), aber dann auch darüber hinaus als gesellschaftliches Zeichen: Sexualisierte Gewalt wird eh bereits nur sehr selten zur Anzeige gebracht. Neben den Gründen, die bisher dazu führten nicht anzuzeigen, kommt nun noch die offensichtliche Gefahr bei einer abgewehrten Anzeige zurück verklagt zu werden. Bei den katastrophalen Verurteilungsquoten für Vergewaltiger lassen sich die Konsequenzen leicht ausmalen.

Bereits vor zwei Monaten fragte Nadia Shehadeh in einem Artikel:

Was ist das „Nein“ einer Frau wert? Was sind – wenn eine Frau vergewaltigt, die Tat gefilmt, das Video im Internet hochgeladen wird – alle „Neins“ dieser Welt wert? Darf eine Frau leben und arbeiten und sich kleiden wie sie möchte, oder beeinflusst das den Wert einer Frau, den Wert ihres Körpers, ihr Recht auf Unversehrtheit und Schutz in jeder Hinsicht?

Die Antwort wurde heute wieder einmal glasklar gegeben: Es ist nichts wert. Daran ändert auch erst einmal nichts, dass in der Zwischenzeit im Hauruck-Verfahren ein Gesetz erlassen wurde, welches ein „Nein“ als solches gelten lassen möchte (und gleichzeitig die Lage für Asylsuchende verschärfte). Das Problem sind nicht ausschließlich die einzelnen Gesetze. Sondern vielleicht auch die Grundstruktur dieses Rechtssystems. Es ist eine Vergewaltigungskultur, wie sie sich in den Gerichtssälen zeigt, auf den Titelseiten vieler Zeitungen und im alltäglichen Gespräch.

Die Verteidigung von Gina-Lisa-Lohfink hat angekündigt in Berufung zu gehen. Die Proteste und Unterstützung für sie werden hoffentlich weiter stattfinden. Für heute Abend bleibt nur die Wut. Und das Lesen einiger Tweets:

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Samstagabendbeat mit FaulenzA

Aug. 20th, 2016 03:55 pm
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Posted by Charlott

„Ich pass nicht in dein Frauenbild der Zweigeschlechter-Welt/ Die Fee in deiner Traumwelt hast du dir anders vorgestellt“ heißt es gleich zu Beginn des Songs „Schönheitsideal“ von FaulenzA, um dann im Refrain klarzustellen: „Zum Tanzen brauch ich alles nur kein Schönheitsideal/ Scheißegal/ Mir fällt es schwer ganz so auszusehen wie Barbie/ Doch für mich bin ich hier die Dancing Queen auf dieser Party“. Dies ist die erste Single ihres neuen Albums Einhornrap, welches gestern beim Label Springstoff erschienen ist.

Ende des Jahres erscheint bei edition assemblage FaulenzAs Buch Support your sisters not your cisters. Über Diskriminierung von trans*Weiblichkeiten.

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10 Bücher für die Freibad-Tasche

Aug. 15th, 2016 09:50 am
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Posted by Charlott

Dieser Text ist Teil 118 von 118 der Serie Die Feministische Bibliothek

Die Sonne scheint. Das Freibad ist geöffnet. Auf der Decke liegen und feministisch inspiriert lesen. Das klingt doch ziemlich super, oder? Um zu mindestens den letzten Teil dieses Bildes erfolgreich zu erfüllen, gibt es heute diese Liste. Und ob ihr dann mit dem Buch einfach im Bett liegen bleibt, sei natürlich ganz euch überlassen.

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Die Preisträgerin

Dass Sharon Dodua Otoo den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hat, ist nun wahrscheinlich die Standardeinleitung, aber habt ihr auch alle ihre 2011 erschienene Novelle „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle…“ gelesen? In diesem Buch seziert Otoo das Ende der Liebesbeziehung einer Schwarzen Frau in Berlin. Das ist mal berührend, mal komisch; ganz nah an einer Figur, ohne gesamtgesellschaftliche Kontexte auszublenden.

Und wer lieber zu einer Lesung als an den Schwimmbeckenrand möchte, kann sich zum Beispiel auf den 19.08. freuen, denn da liest sie im Kino Babylon in Berlin. (FB-Link)

Sharon Dodou Otoo. 2011. die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle… (edition assemblage)

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Der historische Roman

Yaa Gyasi hat mit „Homegoing“ eine epische Familiensaga erschaffen, die zwar über 300 Jahre umspannt aber gerade einmal etwas mehr als 300 Seiten einnimmt. Ihr Debut-Roman erzählt die Geschichte der beiden Halbschwestern Effia und Esia und ihrer Nachkomm_innen. Beide Frauen werden im 18. Jahrhundert im heutigen Ghana geboren, sie treffen sich nie direkt und ihre Leben könnten kaum unterschiedlicher verlaufen: Effia wird mit einem britischen Offizier verheiratet, der in den Versklavungshandel involviert ist, und bleibt ihn Ghana. Esi hingegen wird nach einem Konflikt gefangen genommen, versklavt und nach Amerika verschifft. In wechselnden Kapiteln wendet sich Gysasi jeweils einem Familienmitglied einer der Familienlinien zu, alle zwei Kapitel wird zu einer neuen Generation gesprungen. Themen wie Sklaverei, Kolonialismus, Jim Crow, Civil Rights Bewegung, sexualisierte Gewalt, den Gefängniskomplex und vieles mehr anschneidend, zeigt sie wie sich Trauma durch die Familien zieht und sich in weiter bestehenden rassistischen Systemen addiert. Sie gibt den Leser_innen aber auch Charaktere, die tief für einander empfinden, sich um einander sorgen, die aufsässig und widerständig sind. Das Romanende mag etwas zweckmäßig, „einfach“, erscheinen, doch nimmt es nichts von der Schlagkraft dieses wunderbaren Erstlings. In deutscher Übersetzung ist es leider noch nicht erschienen.

Yaa Gyasi. 2016. Homegoing. (Knopf)

Hinweis: Um so schöner, dass dafür Chimamanda Ngozi Adichie’s historischer Roman über den Biafrakrieg, „Die Hälfte der Sonne“, nun wieder auf deutsch erhältlich ist. Der Fischer-Verlag hat vor zwei Wochen die Übersetzung herausgebracht.

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Das Comic-Buch

Jem war der Titel einer animierten 80er Jahre Serie rund um die Band Jem and the Holograms. Im März 2015 erschien dann die erste Ausgabe einer Comic-Auflage. Die Geschichte der vier Musikerinnen, ihrer Freund_innen und Konkurrent_innen wird nun neu erzählt und die ersten beiden Bücher, die die Einzelhefte zusammentragen, sind bereits erschienen. Dabei sind die Drehungen und Wendungen in der Storyline nicht immer die Überraschendsten, aber die Bücher machen großen Spaß, sind ganz wunderbar anzusehen und neben Themen wie Freund_innenschaft, Musikmachen, Unsicherheit, Versagensängste, etc. steht auch eine lesbische Liebesgeschichte im Mittelpunkt.

Jem and the Holograms, Vol. 1: Showtime. 2015. (IDW) und Jem and the Holograms, Vol. 2: Viral. 2016. (IDW)

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Das Handliche

Ein kleines Buch, was in jede Tasche passt, nicht zu schwer ist, aber inhaltlich vollgepackt mit vielen anregenden Gedanken? Dann ist „vertrauen, kraft & widerstand. kurze texte und reden von audre lorde“, herausgegeben von AnouchK Ibacka Valiente, genau das Richtige. In diesem Band sind elf Essays und Reden von Audre Lorde zusammengetragen und erstmals – von Pasquale Virginie Rotter – ins Deutsche übersetzt. Die Texte geben einen wunderbaren Einblick in das Wirken und Denken von Lorde, die sich selbst häufig als “black, lesbian, mother, warrior, poet“ beschrieb und immer wieder verdeutlichte wie diese unterschiedlichen Facetten zusammengehören und sie ausmachen. Dabei kann das kleine Büchlein gleichermaßen eine Einführung zu Lorde sein für Menschen, die bisher nichts gelesen haben, als auch als Buch für Lorde-Kenner_innen fungieren, die sich einfach immer wieder von ihren Sätzen und Ideen inspirieren lassen wollen.

AnouchK Ibacka Valiente (hg.). 2015. vertrauen, kraft & widerstand. kurze texte und reden von audre lorde. (w_orten & meer)

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Das Bilderbuch

In dem Buch wunderschönen Bilderbuch „Die Flucht“ (der englische Titel hingegen ist „The Journey“) erzählt die Illustratorin Francesca Sanna die Geschichte einer Familie, in deren Heimatort Krieg herrscht und die flieht. Die Geschichte wird dabei ganz direkt erzählt aus der Perspektive eines der Kinder. Sanna zeigt in diesem Buch die Nöte der Familie, aber ebenso ihre Hoffnungen. In einer Zeit, in der „Schleuser_innen“ häufig zu einem der Hauptprobleme in der Fluchtdebatte hochstilisiert werden, scheut sie nicht davor zurück europäische Grenzbeamte als das wahre Grauen darzustellen und Schleuser_innen als eine Möglichkeit der Familie, die Grenzer zu umgehen.

Francesca Sanna. 2016. Die Flucht. (NordSüd Verlag)

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Der Sci-Fi-Roman

Manchmal möchte man sich beim Lesen ja einfach nur entspannen und ganz tief ein anderes Universum versinken. Becky Chambers hat dazu mit „The Long Way to a Small Angry Planet“ den perfekten Roman geschrieben (der auch noch für eine ganz eigene Erfolgsgeschichte steht, hatte sie ihn doch zunächst selbst veröffentlicht und bekam dann dank großen Erfolgs doch noch einen Vertrag mit einem Verlag). Hier gibt es einen Wohlfühl-Roman, ohne dass dieser allzu simpel oder flach wäre. Zu Beginn der Geschichte tritt Rosemary, eine junge Fraue, die auf dem Mars aufgewachsen ist, der Crew des Raumschiffs Wayfarer bei. Dieses Raumschiff ist allerdings kein großes Kriegsschiff, sondern baut Verbindungen zwischen Galaxien und Rosemarys Aufgabe ist es, endlich mal die Akten auf dem Schiff in Ordnung zu bringen. Als die Wayfarer das Angebot bekommt eine Verbindung zu einem Planeten zu bauen, der sehr weit weg liegt und um diesen noch bis vor kurzem Krieg geführt wurde, bedeutet das, dass die Crew nun zwangsläufig eine längere zeit am Stück auf dem kleinen Schiff gemeinsam verbringen wird. The Long Way ist eine unterhaltsame space opera, die viel mehr an den Charakteren als am Plot interessiert ist. Die wunderbaren Charaktere genauer zu beschreiben, würde bereits einiges vom Buch hinwegnehmen, aber es sei gesagt, dass Chambers es gelungen ist ein riesiges Universum zu beschrieben mit unterschiedlichsten Gruppen. Sie stellt Fragen nach Geschlechtsvorstellungen, Zugehörigkeit, Familienkonzepten und wie mit unterschiedlichen Bedürfnissen umgegangen werden kann. Das ist alles ganz wunderbar, berührend, lustig und spannend. Auf Deutsch wird der Roman im Oktober 2016 unter dem Titel „Der Lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten“ bei Fischer Tor erscheinen. Im Herbst wird glücklicherweise ein Sequel veröffentlicht.

Becky Chambers. 2015. The Long Way to a Small Angry Planet. (Hodder & Stoughton)

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Das ganz Neue

Heute erscheint Han Kangs Roman „Die Vegetarierin“ endlich auch auf Deutsch, nachdem die englische Übersetzung (die Orginalfassung ist auf Koreanisch) bereits Preise abgeräumt hat. Im Mittelpunkt steht Yeong-hye, eine koreanische Frau, die bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie beschließt kein Fleisch, keine Eier und keine Milch mehr zu konsumieren, ein eher unauffälliges Leben geführt hat. Mit ihrer plötzlichen Entscheidung, ausgelöst von einem Traum, gegen den Konsum von Tierprodukten, übertritt sie kulturelle Grenzen und wehrt Interventionen ihres Ehemanns und ihrer Familie ab. Die Geschichte wird in drei Teilen aus jeweils unterschiedlicher Perspektive erzählt: zu erst aus der von Yeong-hyes Ehemann, dann der ihres Schwagers und zu letzt der ihrer Schwester. Die Sprache ist einerseits häufig sehr karg, der Inhalt aber höhst metaphorisch. Yeong-hye scheint durchgängig Projektionsfläche der anderen Protagonist_innen zu sein, so weiß man am Ende des Buchs nur sehr wenig über sie und ihre Motivationen, sondern viel mehr darüber wie sie in den Köpfen der Personen um sie herum zu einem Objekt gemacht wird. Das Buch ist damit ein faszinierender Blick auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen (inklusive physischer und sexualisierter Gewalt), psychischer Gesundheit und Gegenwehr. (Inhaltshinweis zu Darstellung sexualisierter Gewalt und Essstörungen)

Han Kang. 2016. Die Vegetarierin. (aufbau Verlag)

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Der Gedichteband

Mahtem Shiferraw ist die Gewinnerin des Sillerman First Book Prize for African Poets und wenn man ihren Band „Fuchsia“ beendet hat, sollte auch kein Zweifel an der Gerechtfertigtheit dieser Auszeichnung bestehen. Für mich ist dieses Buch direkt aufgestiegen in die Riege meiner liebsten Gedichtebände, ist es doch unglaublich schön, herzzerbrechend und vielschichtig. Einerseits gibt es viele erzählende Elemente, die ich auch in Gedichten sehr zu schätzen weiß, andererseits entwirft Shiferraw auch immer wieder sehr metaphorische Passagen. Sie schreibt über Kindheitserinnerungen, Verluste, Krieg, ihre vermissten Onkels, Haarpolitken, sexualisierte Gewalt, Resilienz, Liebe. Wie der Titel schon erahnen lässt, sind die Gedichte gespickt mit Farb-Symbolik, die sie geschickt selbst entwirft, dabei klassische Zuschreibungen dekonstriert oder verkompliziert. Es lohnt sich also in jedem Fall diese gedichte wieder und wieder zu lesen und mehr und mehr zu entdecken.

Mahtem Shiferraw. 2016. Fuchsia. (University of Nebraska Press)

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Die Liebesgeschichte (?)

Bisher sind alle Bücher auf dieser Liste ziemlich neu, aber warum nicht auch mal den Sommer nutzen um nachzuholen, was bisher verpasst wurde? Wie beispielsweise der Roman „Die Zweitfrau: Eine Liebesgeschichte“ (im Orginal „Changes: A Love Story“) der ghanaischen Autorin Ama Ata Aidoo. In diesem geht es um Esi, eine beruflich erfolgreiche Frau und Mutter einer Tochter, die sich von ihrem Ehemann trennt, nachdem dieser ihr sexualisierte Gewalt angetan hat. Sie beginnt eine Beziehung mit einem wohlhabenden, freundlichen Mann, der sie gern heiraten möchte – allerdings wäre sie dann die Zweitfrau. Aidoo packt vieles in dieses schmale Buch: Sie blickt nicht nur auf sexualisierte Gewalt (vor allem auch innerhalb von Ehen), sondern an sich Geschlechtervorstellungen, Problemen von Frauen am Arbeitsplatz, Zugang zu Ressourcen und die Rolle von Freundinnenschaften. Dabei ist das „Eine Liebesgeschichte“ im Titel viel eher ironisch zu lesen, denn eine klassische mit einfachem Happy End ist hier ganz sicher nicht zu erwarten.

Ama Ata Aidoo. 1999. Die Zweitfrau: Eine Liebesgeschichte. (Lamuv)

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Die Man Booker Preis-Kandidatin

Wer sich etwas intensiver mit aktueller englisch-sprachiger Literatur auseinandersetzt ist sicher schon einmal über den Man Booker Preis gestolpert. Vor einigen Wochen wurde die diesjährige (leider meines Erachtens enttäuschende) Longlist bekannt gegeben. Ein Highlight auf dieser ist aber Elizabeth Strouts neuster Roman „My name is Lucy Barton“. Die Protagonistin Lucy Barton erzählt von einer längeren Zeitspanne, die sie als Erwachsene im Krankenhaus verbringen musste und insbesondere über die fünf Tage, in denen ihre Mutter, die sie zuvor seit Jahren nicht gesehen hatte, sie besucht. Es ist ein ruhiges Buch. Durch Rückblenden und Verweise auf Zukünftiges entfaltet sich nach und nach Lucys Lebensgeschichte – oder das, was Lucy von dieser preisgeben möchte, ist sie doch das, was als unzuverlässige Erzählerin bezeichnet wird. Themen wie Kriegstrauma, Armut, Klasse und Familienbeziehungen ziehen sich durch die langsame Erzählung, tauchen immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen auf. Das Buch lebt von den komplizierten Beziehungen der Charaktere zu einander, dem Verdeutlichen der Unmöglichkeit über bestimmte Dinge zu reden und Lucys Versuch Schriftstellerin zu werden und somit doch das Unsagbare in Worte zu fassen. Auf Deutsch ist der Roman bisher nicht erschienen, da ihre letzten Werke aber alle auch übersetzt erschienen, wird es nur eine Frage der Zeit sein.

Elizabeth Strout. 2016. My name is Lucy Barton. (Random House)

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Samstagabendbeat mit Nadia Reid

Aug. 13th, 2016 06:27 pm
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Posted by Nadia

Eine Stimme, die gleichzeitig glasklar und etwas düster ist, eine Brille wie sie selbst Daria Morgendorffer nicht besser hätte aussuchen können und dazu die ganz bezaubernden Tracks auf ihrem Debüt-Album „Listen to Formation, Look for the Signs“: Nadia Reid hat alles, was mich direkt zum Fangirl macht. (Und einen sehr schönen Vornamen, natürlich.)

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Who you gonna call? GHOSTBUSTERS!

Aug. 12th, 2016 12:39 pm
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Posted by Magda

Dieser Text ist Teil 26 von 26 der Serie Die Feministische Videothek

Zu meinen Kindheitserinnerungen gehört der grün-klebrige Schleim der Ghostbusters. Hilfreich dabei war wahrscheinlich auch der gleichnamige Hit von Ray Parker, Jr., der auch heute noch Glücksgefühle in mir auslöst. Deshalb habe ich mich riesig gefreut, als ich hörte, dass in diesem Jahr ein Remake erscheinen soll. Und bitte festhalten, denn dieses Mal soll es nicht vier Helden, sondern vier Heldinnen geben. Das hat ziemlich viele Leute (hust, hust, Typen) aufgeregt, weil die Kindheitserinnerungen nun anscheinend entheiligt würden. Jetzt wollen Frauen auch noch Ghostbusters sein!!!1 Was bleibt da noch übrig für die Jungs? Traurig, aber wahr: Kein anderer Trailer in der Geschichte von YouTube erhielt mehr Dislikes. Die Jungs sind sauer.

Gestern habe ich dann endlich Ghostbusters geschaut, seit über einer Woche läuft er in den deutschen Kinos. Überraschend fand ich den erstaunlich leeren Kinosaal. Wie kann es denn sein, dass so viele den Titelsong nachts um drei besoffen auswendig schmettern können – den Film also sehr wohl kennen – aber keinen Bock haben in den Remake reinzugehen? Sind weibliche Hauptfiguren für die deutschen Befindlichkeiten zu boring? Wahrscheinlich, denn der deutsche Trailer gibt der männlichen Nebenrolle eine echt große Bühne, während der englische Trailer darauf verzichtet und ausschließlich mit den vier Hauptdarstellerinnen glänzt: Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Kate McKinnon und Leslie Jones.

Eine umfassende Rezension kann ich leider nicht bieten (dazu bin ich zu wenig Film-Nerd), aber zwei Aspekte, die ich erwähnenswert finden, möchte ich gerne anreißen: Zum einen die Rolle von Patty (gespielt von Leslie Jones) und zum anderen das queere Potential des Films. Es folgen ein paar kleinere Spoiler.

Zuerst: Ich habe den Film sehr gerne gesehen. Er ist unterhaltsam, hat lustige und interessante Darstellerinnen und glänzt mit Knaller-Sätzen wie “No woman should walk around unarmed.” („Keine Frau sollte unbewaffnet rumlaufen“). Eine Tatsache nervt allerdings gewaltig: Während die drei weißen Darstellerinnen jeweils einen Doktortitel aufweisen und Forscherinnen sind, ist Patty Tolan – die einzige Schwarze Hauptdarstellerin – ohne Doktortitel, dafür mit lautem Organ und viel „Straßenwissen“ ausgestattet. Das ist ein bekanntes Bild: Weiße können mit akademischen Wissen glänzen und Schwarze Menschen werden als street-smart und mit einer großen Klappe dargestellt. Hier wurde meiner Meinung nach ein großes Potential verschenkt und auf ein rassistisches (und langweiliges) Stereotyp zurückgegriffen.

Patty Tolan (gespielt von Leslie Jones) steht den drei anderen Charakteren aber in nichts nach und gehört neben Dr. Jillian Holtzmann (gespielt von Kate McKinnon) zu meinen Favoritinnen. Die Rolle von Holtzmann war für mich eine echte Überraschung und der eigentliche Star der Vierer-Gang. Sie erfreut mit den besten Mimiken und Jokes und wird nicht ohne Grund von Queers gefeiert. Es gibt viele subtile und nicht-so-subtile Hinweise darauf, dass Holtzmann sich für alles und jede_n (Forschung, Geister, hotte Wissenschaftler_innen) interessiert, unabhängig von Geschlecht. Auch ihr Style ist leicht queer einlesbar.

Und genau hier, so glaube ich, wird es interessant: Holtzmann wird aus diesen Gründen als „die Queere“ des Vierer-Gespanns eingelesen und ich frage mich, warum wir uns mit *einer* queeren Person zufrieden geben. Keine der Protagonistinnen führt eine romantische (Heten-)Beziehung (zumindest bekommen die Zuschauer_innen das nicht mit); nur eine der Protagonistinnen schwärmt für einen Typen, was aber zu keiner bedeutenden Love Story wird. Ohne zu viel verraten zu wollen, gibt der Film viiiele Hinweise darauf, dass die vier untereinander in der Vergangenheit angebandelt haben bzw. aktuell miteinander flirten. Vielleicht ist das für ein heteronormatives Auge nicht so leicht erkennbar.

Für mich sind alle Leute queer bis sie mich vom Gegenteil überzeugen (was häufig recht schnell passiert, but well…). Die Ghostbusters-Protagonistinnen sind coole, unabhängige Frauen, die gerne auch miteinander flirten und erfolgreich gegen böse Geister kämpfen. Typen spielen eine untergeordnete Rolle bzw. werden meist eher als „trottelig“ dargestellt. Wieso werden trotzdem mindestens drei der Protagonistinnen selbstverständlich als Heten gelesen? Alle vier könnten queer begehren und/oder kein wirkliches Interesse an romantischen Beziehungen haben. Alle vier! Eine queere Girl Gang, why not?

Ein Extra-Lob gibt es für die Tatsache, dass kein einziger dickenfeindlicher Witz gemacht wurde. Ja, das hebe ich hervor, weil es nicht selbstverständlich ist, insbesondere, weil zwei der Protagonistinnen (Melissa McCarthy und Leslie Jones) nicht schlanken bzw. weißen Köper- und Schönheitsnormen entsprechen und dies üblicherweise in Filmen durch schlechte Witze thematisiert wird. Mein dicker Daumen zeigt nach oben!

(Abschließend sei gesagt, dass dieses ganze queer reading nur nötig ist, weil Hollywood sich nicht traut, queere Romanzen Blockbuster-gerecht zu vermarkten. Ich mag die Idee der queeren Ghostbusters Girl Gang, auch wenn diese nicht für alle offensichtlich ist. Wäre ja auch nicht verkehrt gewesen, in der Abschlussszene einen zarten Kuss zwischen zwei der Protagonistinnen zu zeigen…).

A girl can dream!

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Page generated Aug. 24th, 2016 01:39 pm
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