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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Es ist so weit: Mit diesem Post läuten wir unsere alljährliche Sommerpause ein. Bis zum 31. August wird es hier an dieser Stelle keine neuen Blogeinträge geben, aber euch steht – ebenfalls in bester Tradition – dieser Thread offen, um eure Artikel zu teilen, auf Texte hinzuweisen, die ihr spannend fandet oder einfach um Themen anzustoßen, über die ihr gern diskutieren würdet. Sommerpause heißt aber auch, dass es ein wenig dauern kann, bis Kommentare freigeschaltet werden. Bitte habt etwas Geduld!

Aber auch sonst lassen wir euch nicht ganz allein im August. Auf unserer Facebook-Seite und über unseren Twitter-Account begehen wir den #SommerImArchiv. Täglich posten wir dort Texte, die hier in den letzten Jahren veröffentlicht wurden und die wir immer noch für aktuell, wichtig, berührend, anregend halten. Seid gespannt, lest nach und natürlich: Genießt den Sommer.

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Posted by der Mädchenmannschaft

Für den letzten Samstagabendbeat vor der Sommerpause haben wir euch nicht nur einen Song mitgebracht, sondern gleich eine ganze Playlist, die euch durch den (Rest-)Sommer bringen soll.

Anna-Sarah

Magda (Esther Bejarano mit „Mir lebn ejbig“ anlässlich 70 Jahre Befreiung im Jahr 2015)

accalmie

Nadia

Lantzschi



Sabine

Charlott

Hengameh

Hannah

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Posted by Charlott

Dieser Text ist Teil 280 von 280 der Serie Die Blogschau

Naekubi schreibt bei Danger Bananas über Rassismus (und auch sonst fast allen denkbaren *ismen) in Oliver Kalkofes Sendung „SchleFaZ – die schlechtesten Filme aller Zeiten“: „Satire, die nach unten tritt, ist vor allem eins: systemkonformes Mobbing.“.

Auf Stop! Talking. widmet sich accalmie Identitätspolitiken, situativen Priviliegien, Aneignungen und (fehlenden) Macht- und Strukturanalysen. (Englisch)

Das Underdog Fanzine hat die Wissenschaftlerin Melanie Groß zu ihren Forschungen und praktischen Interventionen, zu feministischem Aktivismus und Dekonstruktion, sowie queer-feministischer Jugendarbeit befragt.

Es interessiert mich nicht mit wem Du schläfst…„, Don’t degrade Debs, Darling! fasst zwanzig Punkt zu Biphobie zusammen.

Mein Körper Mit Mir ist ein Blog zum Leben mit Epilepsie, Alopecia Areata und Neurodermitis.

Das Blog no218nofundis berichtet von der Salzburger Demo unter dem Motto „Pro Choice is ois!“, die am 25. Juli stattgefunden hatte.

Bei Carmilla DeWinter gibt es eine Zusammenstellung typischer konservativer rhetorischer Mittel und Manipulationstechniken (aufgehangen an den Debatten rund um den Bildungsplan in Baden-Württemberg) und Vorschlägen, wie diesen begegnet werden kann. (Auch wenn dabei leider beispielsweise das Prinzip „Rationalität“ ziemlich wenig hinterfragt wird.)

Auf classless.org erklärt Kulla, dass Rassismus kein Problem mangelnder Bildung ist: „Umgekehrt geht Rassismus nicht weg, weil Menschen zum Gymnasium gehen – die dort ausgebrütete deutsche “Mittelschicht” ist ein Hort jeglichen Ressentiments gegen Arme, Schwache, Faule, Kranke, Verrückte (…)“.

Auf dem Missy Magazine Blog schreibt Hengameh über langweiligen Einheitsbrei: „Quoten auf Bühnen? Schön wär’s. Aber was ist eigentlich schlimmer, die Typenparaden auf den Bühnen oder die schlechten Ausreden der Organisator_innen?“

Die Bloggerin SchwarzRund arbeitet an ihrem ersten Roman. Zur Unterstützung hat sie eine Crowdfunding-Kampagne begonnen.

SchwarzRund Indiegogo from Melina Perez on Vimeo.

Habt ihr diese Woche etwas geschrieben, gezeichnet oder aufgenommen, das hier nicht verlinkt wurde? Kennen wir eure tolle Webseite/tollen Blog etwa noch gar nicht? Dann ab damit in die Kommentare. Regelmäßig verlinken wir Text_Wissens_Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum.

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The Transilience of Liberty

Aug. 1st, 2015 12:11 am
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Posted by raspberryhunter

by

In which it is revealed that the entirety of Fringe's S5 is all the fevered imaginings of a writer with an agenda.

Or: It's scary how much more sense fifth season makes if you postulate it as in-canon RPF.

(And in which the rest of the Fringe team critiques.)

Words: 4186, Chapters: 1/1, Language: English

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Posted by sunkelles

by

“He isn’t yours, Walter,” Nina says softly. Nina knows this, and she was barely a part of Peter’s life. She doesn’t understand how Walter ignores the fact so thoroughly.

Words: 5180, Chapters: 1/1, Language: English

Schwarzer Frost – Roman

Jul. 31st, 2015 07:00 am
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Posted by Gastautor_in

SchwarzRund schreibt schon ihr Leben lang, seit einem Jahr bloggt sie nun zu Mehrfachdiskriminierung und Eis-Essen. Ihre Novelle „Quasi“ kam vor einigen Monaten raus. Sie liebt es zu bloggen und Projekte so autark wie irgendmöglich umzusetzen, weil sie so Geschichten erzählen kann, die auch 1:1 bei dem_der Lesenden ankommen. Jetzt schreibt sie einen Roman: Schwarzer Frost. Die ersten Kapitel sind schon geschrieben, einen ersten Eindruck gab es in Videoform. Wir freuen uns, mit dieser Leseprobe hier einen weiteren Einblick in ihren queeren afropolitanen Roman geben zu können. Damit der Roman realisiert werden kann, braucht Schwarzrund finanzielle Unterstützung.

Schwarzer Frost – Roman

Manchmal wusste Tue nicht so recht ob die Routine des Bandlebens wirklich lebendiger war wie jene des Laden Alltags. Gerade wenn beides ineinander floß, erstickte die gleichzeitige Langeweile beide Tätigkeiten ihre Gedanken, beides führte zu belastender unkreativer Stille in ihren Gedanken. Beides war grauer Routinekleber, beides war Alltag.

Ihr Gesäßknochen drückten gegen das harte Sitzpolster des Barhockers, der Coffeeshop des Kreativ.Bürohauses roch nach alten Lilien und geschäumter Milch. Die Muskeln auf ihrer Stirn zogen sich schmerzhaft zusammen bei jedem Klingeln des Türmelders. Eine nicht enden wollende Anreihung gleich aussehender weißer Menschen betrat das Kaffee, die pragmatische Routine verhinderte jedes Denken.
„Hmmm“ sagte der weiße Mann vor ihr, studierte die Schilder hinter ihr, nutzte die Gelegenheit um die kleinen Löckchen zu betrachten die sich aus ihrer Kopfhaut heraus gekämpft hatten.

Sie schwieg. Nachdrücklicher wiederholte er „Hmm!“ und sah sie auffordernd an. Die Knochen schmerzten, ihre Genervtheit wandelte sich langsam zur Wut, ließ die Schale der lethargischen Langsamkeit fallen und brachte Kraft und Zorn zu ihr.“Einen Kaffee, vermute ich?“ Ihre Zunge war zu träge um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, ihr Körper zu routiniert darin die Maske der Gelassenheit zu spielen. Er sah ihr in die Augen, teilnahmslos, sie fühlte sich wie ein Tier das von einem Zoo Besucher ohne großes Interesse angestarrt wurde, sich in ein Objekt verwandelte nur um im Strom der Eindrücke aus der Erinnerung des Betrachtenden zu verschwinden. Er starrte, hielt den Blick ohne jeden Anflug von Freundlichkeit und brummte ein langes, „Hm…“. Die Luft zog sich durch ihre Zahnlücke, eins. Die Luft entwich zwischen den Backenzähnen, zwei. Ihre Augen drehten zur Decke, drei. Weiteratmen: Luft. Blicken, Routine.

Sie griff seinen Kopf und schlug ihn in die Auslage, das Glas zersprang und seine Gehirnmasse sickerte in die vertrockneten Bagel.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, sie sah ihn an. Entschieden sagte er: „Ich nehme einen Americano. Zum mitnehmen.“ Sie nickte, machte ihm einen Filterkaffee und kassierte einen Latte Macchiato. Das kleine Schildchen „zum halben Preis“ stellte sie in die Vitrine vor die Bagel und reinigte die Glasvitrine. Er verlies den Coffeeshop, die Stille ergriff erneut das leere Cafe. Statt des Gesichtes starrte nun das weiße Blatt sie an, ihr Stifte kreiste über den Zeilen. Sobald ein Wort ihr Gehirn streifte, schrieb sie es nieder, in unzusammenhängender Rheinfolge, in der Hoffnung Zeilen zu finden die später auf einer Gitarrenline zu Musik wurden.

Die Stunden sickerten durch Papier,
kaum Bezug zum Ort kaum Bezug zum hier,
Die Stunden sickerten durch mich-
und du trägst und du trägst und hörst mich nicht.
Die Anzeige blinkt es ist gleich viertel vor vier,
er notiert die Zeit, der nächste Zug fährt ein.
Der Weg, nur ein Bruchteil – Zahlenreihen!

Das Vibrieren ihres Handys riss sie aus dem Geburtssaal ihres neuen Liedes, frustriert drückte sie auf annehmen. „Tue, wo bist du?“ sie nuschelte abwesend Cafe, hörte aber kaum zu, ihr Gitarrist riss sie erst mit seiner Antwort aus den Wirren des Liedes: „weißt du, ohne Sängerin ist es reichlich kompliziert ein Album aufzunehmen, wärst du so gnädig und bewegst deinen Hintern ins Studio?“. Fuck, es war ja Dienstag. Trotz Routine schaffte sie es mit Unzuverlässigkeit zu glänzen, sie fummelte den Schlüssel aus der Hosentasche, kramte ihre Zettel in die Tasche und schmiss die Tür des Cafes ins Schloss. Während dessen redete  Betto über Kompositionen und Arrangements, sie hörte kaum hin. „Fuck “ fluchte sie dem Schloss des Ladens zu, dass sich verweigerte abzuschließen. „Mäßige dich mal, schließlich sind wir nicht Punk sonder pseudo – interlektuelle Hamburger Schule Mukke“ Betto kicherte über seinen eigenen Witz, Tue verspürte einen Anflug von Wut und Brechreiz. Was hatte sie nur dazu verleitet diesen Musikakademiker in ihre Band zu lassen? Gut, er war inspirierend, virtuos und der ganze Mist, aber was half das wenn sie ihn am liebsten beim nächsten Festival ausgesetzt hätte.

Sie stampfe die Treppen des kreativ.Bürohauses hoch in Richtung ihres Proberaumes. Dort hörte sie bereits die Riffe des Liedes, für das sie einen Text schreiben sollte. Die zerschmetternde Melancholie in den Klängen erstickte sie fast, die Härchen auf ihren Unterarmen stellten sich auf. Er ist zwar ein Idiot, aber ein talentierter Idiot, dachte sie sich nicht zum ersten mal beim Hören seiner Melodien.

Die Klinke klackte und sie drückte den Brustkorb durch, betrat den Raum, ein neuer Tag an dem sie die drei Männer in Schach halten musste.

„Ah, Madame hat entschieden sich doch noch zu ihren Lakaien zu bewegen, vielen Dank dafür“ dreckiges Gelächter erfüllte den Raum, sie schritt kommentarlos zum Mikrophon und zählte energisch „auf vier – 1-2-3-4″ in die Schweißgetränke Luft des Dachgeschosses. Sie sang die Texte die sie vor einem Jahr geschrieben hatte, starrte teilnahmslos auf da grüne Leuchten des Recorders:

„So trägt die Zeit
Jede Sekunde
Und Stunde um Stunde
breche ich
Aus der Zählung
Breche ich ein in die Welt
Breche ich dir auf die Schuhe
So alt ich auch bin
Mit lässt meine Jugend
Keine Ruhe“

Sie hasste Menschen, die Konzeptalben liebten. Sie hasste es durch ihren Vertrag nichts mehr zu sagen zu haben. Manchmal sehnte sie sich nach den Zeiten, in denen sie daheim am eigenen Rechner ihre Lieder aufgenommen hatte, ohne Konzept mit zweitklassiger Gitarrenmusik im Hintergrund. Wenigstens sang sie damals über wichtiges, wenigstens hatte sie damals Zeit, statt ein Album über die Zeit zu schreiben.

Das grüne Lämpchen wurde Rot. Schluss für heute, bis morgen. Tue ist dein Text schon fertig? Ein abwesendes Nicken und sie verschwand als erste wieder nach unten in das Cafe, sicherlich wartete weiterhin der Kaffeegeruch, die Knochenschmerzen und ein neuer Text auf sie.

Der Schlüssel glitt in das Schloss und harkte, knackte und zerbrach. Zuviel, gerade zu viel für sie. Ihr Körper gefror, keine Bewegung war mehr möglich. Leila würde sie in der Luft zerreißen, die gute Leila. Die gute, böswillige Leila die alle liebten für ihr sonniges Gemüt. Leila hatte im kreativ.Bürohaus vor vier Jahren den Coffeeshop eröffnet. TUEsday waren die Stargäste indem alten Fabrikgebäude, zu laut um neben ihn arbeiten zu können aber doch zu prestigereich um sie raus zu schmeissen. Die Bandmitglieder hatten versucht sich so gut es ging in das Gebäude-Leben einzubringen, und Tue hatte angefangen im Cafe. Seit ihrem Schulabschluss stand sie auf der Bühne, verdiente ihr Geld erst mit einer Girlband, dann mit Sologitarren Musik. Seit 5 Jahren nun durch handfeste Hamburger Schule Mukke, wie andere es nannten. Trotz allem war die Angst, irgendwann nicht mehr von der Musik leben zu können Dauer präsent in ihrem Leben. Der Nebenjob im Cafe gab ihr das Gefühl, etwas Sicheres zu haben, etwas Bodenständiges. Wenn sie nun nach ihrem Job gefragt wurde, erzählte sie von den Nöten einer Barista die Nebenbei Musik macht. Die Wahrheit war, das Arbeiten im Cafe ihr nur die Miete einbrachte, keinen Cent mehr. Es war Teil von Tue, die versuchte außerhalb von TUEsday zu existieren, es war ihr Anker in die reale Welt.

Aber da war eben auch Leila, Leila die Fröhliche. Eine Schönheit, ohne Ecken und Kanten, alles glitt an ihr ab. Ihr Zorn kam eiskalt daher, ihre Verachtung war spitz und klar, schmerzhaft wie Eis an offenen Zahnnerven. Sie verachtete jeden Fehltritt und Tue war eine Anhäufung von Fehltritten. Also erstarrte Tue, ihr Körper verwehrte den Gehorsam. Die Sekunden verfestigten sich zum Schutzschild, nicht handeln und einfrieren halfen gegen die Konfrontation mit der Realität. Solange sie diese Haltung aushielt, der zerbrochene Schlüssel noch versteckt im Schloss war, konnte ihr nichts passieren. Ihr Gedanken drosselten das Tempo der Außenwelt, Konfrontationen rückten in weite Ferne. Es entstand Raum, Raum zu aushalten. Durch die Glasscheibe sah die die Uhr im Coffeeshop. Die Sekunden tröpfelten dröge dahin, zähflüssig sickerten sie durchs Ziffernblatt um dann gänzlich einzufrieren. Tue hätte gerne gelacht über die stupide Kunstbezogenheit ihrer Panik, Dali, schon klar. Doch ihr Körper verweigerte auch diese Reaktion, verlieh ihrem Frust über die armselige Kreativität ihrer Panik keinen Ausdruck. Da war nur noch Tue, eingesperrt in der Starre und ihren Emotionen ausgesetzt. Sie flossen über ihre Seele, ihr Gemüt ihr ganzes Sein und zogen ihre Existenz in zweifel. Erinnerungen schossen in ihr hoch, Bilder von demütigenden Situationen die zulange zurück lagen um sie greifen zu können.

Sie erinnerte sich daran, wie sie mit 14 Jahren nicht begriffen hatte warum sie nicht mit ihrer besten Freundin zusammen sein konnte ohne das die anderen Kinder in diesem neuen Land sie triezten. Da Wort Lesbe erschien in ihrer Wahrnehmung und mit ihm riss der Schmerz auf der gut unterdrückt in ihr Schlummerte. Eingefroren in den Moment konnte sie nichts gegen die Bilder und Gefühle tun, die mit dem Nachhall des Wortes durch ihren Körper wanderten und sie zerrissen. Der Druck auf den Augäpfeln verriet ihr, dass Tränen vergeblich einen Weg nach außen suchten aber nicht durch das Eis brechen konnten, dass sie umgab. Der Schmerz erinnerte sie an die letzte Woche, sie saß mit ihren Bandmitgliedern zusammen und alle stritten darüber ob trotz Tue’s neuer Frisur Pressefotos gemacht werden könnten. Wörter wie Krause fielen, der Schlagzeuger strich über ihren Schädel und säuselte etwas von Schamhaaren. Tue biss von innen gegen ihre Wange, strich seine Hand weg und sagte nichts, lies sich wortlos zurück sacken in die Polster. Scham-haare. Sie kicherte, angetrunken vom Wodka, bedröhnt vom Weed und gekränkt vom Rassismus. Der Druck auf den Augen war der gleiche gewesen. Die Wellen des Schams wurden überflutet vom Selbsthass, warum hatte sie auch ihre Haare abgeschnitten?

Langsam schmerzten ihre Muskeln, ein gutes Zeichen. Die einzige Fluchtmöglichkeit aus dem Eis der Schockstarre waren Muskelschmerzen. Nun war sie in dem seltsamen Vakuum zwischen Eis und weinen. Zwischen Starre und Bewegung. Es war der Raum, in dem der Körper nicht reagierte aber die Seele sich wieder einpendelte. Sie nahm die Welt wieder wahr, die Uhr lief wieder in einem angenehmen Rhythmus. Nur die Bewegungen ließen auf sich warten. In diesem Zwischenraum hatte sie meist die besten Textideen.
Hier im Vakuum, sang es irgendwo in ihr, dumpfe Erinnerungen an ihre Jugend mit Junges Glück.

Gerade aber lies die Kreativität auf sich warten, die dröge  Langsamkeit der Dissoziation zeigte sich in ihrer ganzen öden Einfältigkeit.

Erleichtert stelle sie fest das ihre Fußsohlen anfingen zu schmerzen, ein weiterer Schritt in Richtung Schmelzen. Gerüche und Reize drangen wieder auf sie ein, sie sah wieder Objekte links und rechts von sich, der Raum bestand aus mehr wie ihr und dem Eis. Mit einem Mal fuhr ein Ruck durch sie, und mit der Sekunde der Bewegung schoss sowohl Erleichterung wie auch Panik in ihre Knochen. Der Schlüssel fiel zu Boden, zerbarste trotz Frost.

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 12 von 12 der Serie Feminist_innen zwitschern

Für die schnelle Sommer-Zwischendurch-Lektüre: Unsere liebsten Beobachtungen in 140 Zeichen (und weniger)!

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 288 von 288 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

„Der Fall einer schwangeren Zehnjährigen erregte in Paraguay die Öffentlichkeit. Dem Kind wurde eine Abtreibung verwehrt. Dass Vergewaltigungsopfer oder Schwerkranke zum Gebären gezwungen werden,“ passiert aber auch „bei uns, mitten in der EU“. Bei tagesschau.de geben Anna-Mareike Krause und Friederike Ott einen Überblick über strikte Abtreibungsgesetze in Europa und deren Konsequenzen.

„Überall im Land werden Flüchtlingsunterkünfte angezündet. Es reicht nicht, solche Straftaten härter zu sanktionieren. Es muss aktiv für die Sicherheit der Geflüchteten gesorgt werden“, schreibt Christina Lee in The European.

Handlungsmöglichkeiten gegen rassistische Gewalt und rassistischen Alltag diskutiert auch der Freitag: „Was tun, damit’s nicht mehr brennt?“ Einen aktualisierten Leitfaden, „Was tun, damits nicht brennt?“, zusammengestellt von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Berlin (MBR) für Gruppen und Einzelpersonen, kann man hier kostenlos herunterladen oder bestellen.

„80 Jahre nachdem alle jüdischen Sportler von den Olympischen Spielen in Berlin ausgeschlossen wurden“, findet „mit den European Maccabi Games die größte jüdische Sportveranstaltung der europäischen Nachkriegsgeschichte im Berliner Olympiapark statt. Mehr als 2.300 Athleten aus 35 Ländern sind dazu angereist. Sorge bereiten den Veranstaltern jetzt zahlreiche Drohungen aus der rechtsextremen Szene“, berichtet der ZEIT Störungsmelder.

Bente Varleman, bekannt durch ihren Spoken Word Text „Was ich habe,  spricht in der taz über Sexismus und die Poetry Slam Szene.

Die ZEIT analysiert, wie der Begriff „Asylkritiker“ Gewalt zu einer Meinungsverschiedenheit deklariert: „Die Maskerade des „Asylkritikers“ ist der Versuch, Ausländerfeindlichkeit zur legitimen Diskursposition zu erheben, eine Position in die Öffentlichkeit einzuführen und ihre Ideologie zu camouflieren. Eine Art Du-darfst-Rassismus. “

Unterstützenswert: Die queere Bloggerin und Autorin SchwarzRund schreibt an einem Roman (Arbeitstitel: „Schwarzer Frost“) und ihr könnt den Schaffensprozess finanziell unterstützen (und euch schon einmal das Buch sichern).

Englischsprachige Beiträge

#JusticeForSandraBland: In der New York Times stellt Charles Blow offene Fragen zur Festnahme und dem Tod Sandra Blands in Polizeigewahrsam, und Roxane Gay analysiert die Verletzlichkeit Schwarzer Körper: „She was treated as less than human. She protested her treatment. She knew and stated her rights but it did not matter. Her black life and her black body did not matter.“ Attiya Latif richtet in der Huffington Post einen Offenen Brief an weiße Verbündete: „Fordert Gerechtigkeit für Sandra Bland“.

Al Jazeera berichtet über den Protest weiblicher Abgeordneter und Aktivist_innen gegen Gewalt gegen Frauen in Mexiko. Die Aktion #AlertaDeGenero (Gender-Alarm) möchte darauf hinweisen, dass in Mexiko jeden Tag sechs Frauen ermordet werden, aber nur 1.6% der Taten gerichtlich verurteilt.

Im Guardian schrieb Naomi Wolf, dass junge Frauen mit „destructive speech patterns“ aufhören sollten. Debbie Cameron antwortet auf dies: „People may claim that their judgments are purely about the speech, but really they’re judgments of the speakers.“

New York Magazine
: „‘I’m No Longer Afraid’: 35 Women Tell Their Stories About Being Assaulted by Bill Cosby, and the Culture That Wouldn’t Listen“.

technocandy war beim Stream Radical Transfeminism bei der LCCT 2015 in London und stellte ein Paper zu Germany’s Next Topmodel vor, in dem es um „Girl Hate, neoliberale Eingliederungen, Normalisierungszwang, trans, Pinkstinks und Lush“ geht.

„I Am a Native American Woman With White Privilege“: Misty Ellingburg thematisiert Fragen von Identität, sozialer Positionierung und (kontextbedingten) Privilegien.

Termine in Kassel und Karlsruhe

31. Juli bis 2. August: Lady*fest in Kassel, u.a. mit Workshops von Hengameh und Magda.

7. bis 9. August: Lady*fest in Karlsruhe.

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Posted by Nadine

In feministischen Kreisen™ hierzulande tut sich eine Kritik sehr schwer: Die Kritik an Hetero-Praxen, am Performen von Heterosexualität. Zum einen, weil die Kritik sich nicht ausschließlich an das abstrakte Etwas Heteronormativität richtet, sondern auch an _die_ Heten selbst, die mit ihren heterosexuellen Selbstverständlichkeiten rumnerven (z.B. Vergewaltigungswitzchen, ständiger Boyfriend- und Beziehungstalk, #notallheteros, umschweifende Raumeinnahme durch Austausch von Körperflüssigkeiten im öffentlichen Nahverkehr *no pun intended* oder Beengung von Wegen und Sitzplätzen durch Bilden einer symbiotischen Körpereinheit, vehementes Einfordern von Typenprivilegien zuerst für sich selbst und danach für alle anderen, Studieren und Erforschen von LGBT-Lebensrealitäten zur eigenen Belustigung, zum Aufpeppen des eigenen Seins oder zum Geld verdienen).

Kritisiert werden Hetero-Praxen und Performances in der Regel, um darauf aufmerksam zu machen, dass es außer Heten auch noch andere Menschen gibt, die ein Recht darauf haben, ein gutes Leben zu führen ohne das Recht auf körperliche Unversehrtheit oder Nichtdiskriminierung in den Mülleimer zu werfen und dass dieses gute Leben eben auch davon abhängig ist, wer sich ständig als Normalität inszeniert ohne Rücksicht auf das Umfeld zu nehmen. Überraschenderweise wird von Heten, die Heteronormativität als Problem erkannt haben (und von sich selbst auch manchmal als Heten und nicht als Menschen sprechen können, z.B. weil sie überhaupt erst einmal wissen, dass sie Heten sind), in Fällen der Kritik an Konkretem meistens auf das Abstrakte verweisen: Strukturen. Da gibt es diesen bösen Staat, der macht, dass Schwule und Lesben nicht heiraten und nicht adoptieren dürfen (so eine Ungerechtigkeit!11!!1) und äääh ja Trans* und so diese Leute haben’s auch nicht einfach. Betroffenes Nicken.

Heten und ihr „LGBT*-Aktivismus“

Kritisiert wird von Heten oft nur das, was sie selbst für erstrebenswert erachten und anderen verwehrt wird: Heiraten und Kinder kriegen/großziehen/für sie sorgen/Familie haben, Vorstandsetagensessel, Ruhm. Insofern werden auch eifrig Gay Rights mitpropagiert, wird der Regenbogen gefeiert und manchmal empört getan, dass Lisa B. aus K. auf offener Straße zusammengeschlagen wurde, weil er_sie nicht ins Konzept passt von dem, was als Hetero gilt und damit in den Augen von passenden (im Sinne von: Passing/ durchgehen als…) Heten eine Gefahr darstellt. Wer sich als queere Person einreiht ins schöne Hetero-Leben mit den eigenen politischen Forderungen oder Betroffene_r von „wirklich schlimmer“ Diskriminierung ist, um ungefragt als Abziehbild ins Skandalös-Gutmensch-Hetero-Heftchen geklebt zu werden, hat vielleicht die Chance auf Solidarität. Alle anderen, die von Umverteilung (Geld, Zeit, Kapazitäten, politischen Prioritäten in aktivistischen Kämpfen) reden, naaaah…die müssma net anhörn. die tun wa extra. in dieses LGBT dings rein. und dafür hamm wa keene Zeit, weil wegen Vereinbarkeitsproblematik und so. Lieber noch ein bisschen rumjammern, dass das Thema feministische Mutterschaft immer so untergeht zwischen diesen kinderfeindlichen Queer_Feminist_innen, die alles dominieren. Und deshalb (jetzt erst recht!!!) als weiße, ableisierte, Mittelschichts-Hetera den 239. Blog einer weißen, ableisierten, Mittelschichts-Hetera lesen und verlinken, die von 50/50 (AS IF…) und rosa für Jungs plappert.

Kritik an Heteropraxen und Performances ist allerdings auch wegen einer anderen Sache nicht gern gesehene Gäst_in in hiesigen feministischen Debatten: In dieser Kritik würden auch Menschen mitgemeint werden, die sich nicht als Hetero definieren oder nicht als Hete gelesen werden, auch wenn sie sich so definieren. Damit würde die Hetero-Kritik Sexismus bzw. Bifeindlichkeit und Trans*diskriminierung reproduzieren. Um den Unmut über die Kritik zu äußern, die sich nicht an die eigene Person und die eigene Alltagspraxis zu richten haben darf, werden dann munter lesbenfeindliche, sexistische und derailende Behauptungen in die Diskussionsschale geworfen, die z.B. „Lesben sind Cis-Frauen, die auf Cis-Frauen stehen“, „Lesben hassen Menschen, die mit Männern(Sternchen) schlafen“, „Frauen(Sternchen) vorzuschreiben, wen sie lieben dürfen [AS IF… Anm. von mir], ist frauen(sternchen)feindlich“ oder kurz: „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben?“ lauten.

Ein Label macht noch keine Diskriminierungserfahrung

Wahlweise wird der Kritik dann auch der argumentative Boden entzogen, in dem erst mal lang und breit über sexistische Ausschlüsse in queeren Kontexten elaboriert wird. Nicht, dass diese Kritik nicht fundamental wichtig wäre, ich finde lediglich, dass sie im Kontext von Hetero-Kritik als Strohmensch eingesetzt wird, um sich nicht weiter damit auseinander zu setzen, was eigentlich Begehren genau heißt und was und wen Hetero-Kritik eigentlich meint. Zumal und das soll hier auch nicht unerwähnt bleiben, der Unmut oft von jenen geäußert wird, die meinen, sich ein Label überzustreifen würde die entsprechende allumfassende Diskriminierungserfahrung nach sich ziehen (auch rückwirkend). Oder mit Kritik an sexistischen Ausschlüssen in queeren Kontexten mitunter gemeint ist, nicht angeflirtet oder nicht als potentielle_r Sexpartner_in wahrgenommen zu werden (Frage an das Publikum: Könnte diese Erwartungshaltung auch mit heterosexueller Sozialisation zu tun haben? Und warum werden queere Kontexte als ausschließlich sexualisierte/sexuelle/körperbegehrliche Kontexte wahrgenommen?) Und was machen die Heten in all diesem verkürzten Argumentationswust? Klatschen Beifall, weil sie sich auch ein bisschen ausgeschlossen fühlen (endlich sagt’s mal wer!!!)

Nachdem ich nun zynisch und polemisch den Kontext umrissen habe, in dem sich der nachfolgende Teil wiederfindet, möchte ich euch vorstellen, worum es mir geht: Begehren ist nicht ausschließlich etwas Sexualisiertes/Romantisches oder auf Sexualpraktiken Bezogenes. Wenn Hetero-Praxen kritisiert werden, geht es um die Kritik an einer selbstverständlichen Bezugnahme (durch Handlungen und Denkweisen) auf eine bestimmte Norm und dass weder die Norm noch die Bezugnahme kritisch befragt werden. Darauf, was das für andere bedeutet, für feministische Politiken und Bündnisse oder allgemeiner: Wie das Machtverhältnisse und Diskriminierungen fortschreibt. Wen und was ich begehrenswert finde, ist nicht einfach so da oder kann das ersetzen/überschreiben, was mir jeden Tag zugeschrieben wird und nach wie vor geformt durch Diskriminierung wird. (Wer dem nicht zustimmt, kann den Text wegklicken).

Wer wie begehrt, ist geprägt durch Diskriminierung

Es ist mir ein Leben lang eingetrichtert worden, mein Begehren als etwas ausschließlich sexuelles_körperliches zu begreifen, um es dann als natürlich/genetisch/biologisch/veerbt/unschuldig/politisch irrelevant/war schon immer so/kann sich halt auch ändern/who knows?/nicht kritisierbar zu definieren. Für mich gibt es aber keine Unterscheidung zwischen: mit wem tue ich körperliche/sexuelle/liebesromantische Dinge und mit wem freund_innenschaftliche/soziale/politische. Mein Punkt hier ist die Sichtbarmachung und Hinterfragung von Bezugnahme und Bereitstellung eigener emotionaler, physischer, mentaler und intellektueller Kapazitäten. Es kann demnach gar nicht um Denk/Handlungs/Sexverbote gehen, sondern um einen Vorschlag: Sich zu überlegen, was für eine_n selbst aus dieser Hinterfragung von Bezugnahme und Bereitstellung folgt an Handlungen. Also, alles ganz harmlos. Für mich. Aber nicht für andere. Vielleicht liegt darin auch das Sprengpotenzial. Zu erkennen, dass mein Handeln Auswirkungen auf die Handlungen/Möglichkeiten anderer Menschen hat.

Ich kritisiere Zwangsheterosexualität und Heteronormativität und bin dabei oft in die Falle getappt, Heten an sich zu kritisieren. Doch wer sind diese Heten? Und welche Heten meine ich eigentlich? Profitieren alle Heten gleichermaßen von einem heteronormativen System? Profitieren alle Menschen gleichermaßen von der Bezugaufnahme auf Typen? Und wen meine ich eigentlich mit Typen? Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. Deshalb habe ich nun im folgenden Teil versucht, meine Gedanken zu Zwangsheterosexualität und Heternormativität zu formulieren. Mein Wunsch ist, dass sich die Kritik an Hetero-Performance/Praxen nicht nur an Heten richtet, sondern generell an alle, die in vielen Bereichen ihres Lebens von einer bestimmten Norm und der Bezugnahme darauf profitieren.

Zwangsheterosexualität und Heteronormativität sind für mich nicht nur das Aufeinander-Bezogen-Sein von dem, was als eindeutig/authentisch/über Zeit hinweg gleich als „Mann“ und was als „Frau“ gilt und die Reproduktion dieser Idee als gesellschaftliche Norm_alität und die Ausrichtung gesellschaftlicher Strukturen entlang dieser Norm_alität und das Verhalten von Individuen entlang dieser Norm_alität. Begehren wäre dieser Definition nach der Ausdruck eines körperlichen/romantischen/emotionalen/intellektuellen/sozialen/politischen Wollens und Strebens von mir als „Mann/Frau“ hin zum „jeweils anderen“ Gender mit der Motivation einer Verbundenheit oder Gleichheit/Angleichung. Wer sich dieser Definition nicht zuordnet, sei angeblich automatisch durch Zwangsheterosexualität/Heteronormativität diskriminiert.

Eine Kritik an Zwangsheterosexualität und Heteronormativität will oft „nur“, dass diese Form des Begehrens, des Aufeinander-Bezogen-Seins nicht mehr Norm ist, nicht mehr Zwang ist, sondern Option neben vielen anderen Möglichkeiten zu begehren und damit auch eine Veränderung eben jener privilegienbringender Strukturen für Heter@-L(i)ebende.

Hetero ohne die Berücksichtigung von Mehrfachdiskriminierung

Wen und wie wir begehren, nach „wem“ wir streben, „wen“ wir wollen und was wir in dieser Gesellschaft zu unserem Beziehungsziel erklären, ganz egal ob körperlich, romantisch, emotional, intellektuell, sozial, politisch, mit wem wir uns in Beziehung setzen, mit wem wir Verbindungen suchen, ist geprägt durch viele Machtverhältnisse und deren Diskriminierungsformen. Blick/Sprech/Bewegungs/Handlungs/Beziehungs/Begehrensweisen haben sich hier in der BRD in der Regel auf eine Norm auszurichten, die weiß-deutsch, cis-Typ (vermeintlich eindeutig „Mann“ nach einer zweigeschlechtlichen Idee), ableisiert (vermeintlich gesund/leistungsfähig/funktionierend – physisch/psychisch), dünn, christlich säkularisiert (das z.T. unbemerkt stattfindende Fortschreiben christlicher Werte und Vorstellungen in gesellschaftliche Strukturen nach dem Bedeutungsverlust der Religion) und mindestens Mittelschicht ist.

Heterosexualität meint also nicht einfach nur das Begehren von Typen, sondern das Begehren eines Archetypen. Das Begehren von und hin zu einer Verkörperung dieser Norm in Menschengestalt. Das Begehren von und hin zum Menschen an sich. Durch Zwangsheterosexualität und Heteronormativität werden Menschen immer wieder in Bezug zu dieser Norm gesetzt, erleben dieses Beziehen und Bezogenwerden als Normalität und profitieren unterschiedlich von der eigenen Nähe/Zuwendung zu dieser Norm, zu diesem Menschen an sich, je nach dem wie sie sozial positioniert sind. Demnach bin ich nicht einfach diskriminiert durch Zwangsheterosexualität/Heteronormativität, wenn ich mich nicht hetero definiere. Und umgekehrt profitieren auch nicht alle, die sich hetero definieren von ihrem Begehren (individuell und/oder strukturell).

Schauen wir uns nur an, wer die Heten sind, die in gesellschaftlichen Machtpositionen sind oder die sich als Paar oder als Einzelperson geschützt im öffentlichen Raum bewegen können, die andere definieren, bewerten, studieren, „entdecken“, kolonialisieren und diskriminieren können. Und schauen wir uns genauer an, welche Typen von Sexismus wie profitieren. Ich denke hier nicht in Kategorien von Schmerzensmann, Macho, Rockträger oder „Feminist“, sondern in sozialen Positionierungen. Also schauen wir uns an, wer die Typen sind, die in gesellschaftlichen Machtpositionen sind, die sich geschützt im öffentlichen Raum bewegen können, die andere definieren, bewerten, studieren, „entdecken“, kolonialisieren und diskriminieren können (sie sind weiß, able-isiert, hetero, cis, vermeintlich nicht-religiös, deutsch, usw). Und zuletzt schauen wir uns die an, die sich nicht hetero definieren und in gesellschaftlichen Machtpositionen sind, die sich (manchmal) geschützt im öffentlichen Raum bewegen können, die andere definieren, bewerten, studieren, „entdecken“, kolonialisieren und diskriminieren können. Schauen wir uns mich an:

Begehren als Streben hin zu einer Norm und der Widerstand dagegen

Ich und mein Leben haben auf die eben beschriebene Norm ausgerichtet und bezogen zu sein. Ich soll mich dabei mich in meinem Denken und Handeln auf den Archetypen beziehen und ihn körperlich begehren. Durch Norm und ihre Verkörperung wird mir die Welt erklärt oder vorgeschrieben, welche Perspektive ich an- und einzunehmen habe, wenn mein Denken und Handeln als „wahr“, „richtig“, „vernünftig“, „kompetent“, „logisch“, „erfolgreich“ gelten soll. Einfach: wenn ich als Mensch anerkannt werden will, und zwar nicht nur als „auch-Mensch“, sondern als der Mensch an sich. Ich bin mehr Mensch an sich als auch-Mensch, weil ich mich auf verkörperter und erlebter Ebene näher an der Norm befinde als andere und mich öfter auf diese Norm beziehe als andere. Dabei ist es egal, ob das durch eigenes Zutun, Geschichtlichkeit, Gewordenheit/Sozialisation, Zuschreibung von außen, Lebenswandel, „Zufall“ so ist. Es zählt, dass es ist und was daraus folgt. Darin liegt meine Verantwortung als handelnde, politische Person.

Manchmal bin ich trotzdem auch-Mensch, weil ich auf vielen Ebenen meines Handelns, Seins, Aussehens, Lebens, meiner Politiken, meines Alltags mich dem Begehren nach dieser Norm widersetze. Ich komme nicht mehr (so oft) in den Genuss bestimmter Privilegien auf Kosten von anderen. In Liebesfragen geht es mir etlichen Jahren leicht von der Hand (höhö) und die Frage nach dem Warum ist dabei völlig unerheblich. In anderen Bereichen meines Lebens musste ich mich zwingen, mich anders auszurichten. Die selbst/kritische Beschäftigung mit Machtverhältnissen, durch die ich diskriminiert und privilegiert positioniert werde, hat mich dabei unterstützt. Dass ich mich nicht mehr auf diese Norm beziehen muss, weil ich diese Anerkennung schlichtweg als ideologisch falsch und unmenschlich ablehne und ablehnen kann, hat auch mit meinen Privilegien zu tun und bringt mich gleichsam in eine verletzbare/angreifbare Situation, in eine Situation die voller Widersprüche steckt, durch die ich mich nun täglich hindurch manövriere und hindurch scheitere auf der Suche nach anderen Ideen/Menschen zum Beziehungen führen/mich in Beziehung setzen/Verbindungen aufsuchen.

Identität ist mehr als das bloße Wort

Es ist also zweitrangig, wie ich mich nenne, welches Label ich mir gebe, das für mich nur ein Marker / Erkennungszeichen für andere ist, mir Respekt und Anerkennung zu geben, selbst Anerkennung zu wollen, zu signalisieren, ich bin trotz auch-Mensch auch Mensch an sich. Es ist vordergründig, wen und wie ich begehre, nach „wem“ ich strebe, „wen“ ich will und was ich in dieser Gesellschaft zu meinem Beziehungsziel erkläre, ganz egal ob körperlich, romantisch, emotional, intellektuell, sozial, politisch, mit wem ich mich in Beziehung setze, mit wem ich Verbindungen suche, wem und welcher Sache ich meine körperlichen, mentalen, emotionalen und intellektuellen Kapazitäten zur Verfügung stelle. Was daraus folgt. Für mich und für andere.

Ich kann also überlegen, welche Vorteile mir mein Begehren gesellschaftlich bringt, von welchen Strukturen ich profitiere, ganz egal, wie ich mich selbst definiere. Diese Welt funktioniert aufgrund von machtvollen Konstruktionen und Zuschreibungen (anhand von Äußerlichkeiten) und nicht, weil Selbstbestimmung und Widerstand gegen Fremdbestimmung das höchste Gut sind. Das wäre schön. Aber so ist die Welt nicht. Sich in Begehrensfragen entscheiden zu können und meine Entscheidung nach außen hin verteidigen zu können, mich sichtbar machen zu können mit meinem Begehren, ohne Sanktionen und Gewalt fürchten zu müssen, ist ein krasses Privileg. Heterosexualität/Hetero-Praxis, die immer auch heißt, sich einer umfassend privilegierten Norm zuzuwenden, nicht als Zwang wahrzunehmen, sondern als Möglichkeit von vielen, ist ein krasses Privileg. Sich als „nicht (nur) hetero“ outen zu können im Erwachsenenalter mit Anbindung an wertschätzende, annehmende und respektierende Sozialkontakte, die eine Art safer space bilden können, ist ein krasses Privileg. Nicht schon über die meiste Zeit des eigenen Lebens Zwang und Diskriminierung aufgrund von Zuschreibungen und den damit verbundenen Erwartungshaltungen erfahren zu haben, ist ein krasses Privileg.

Wieso ist „privilegiert“ sein etwas, das ich partout von mir weisen will, statt die Chancen und (auch politischen) Möglichkeiten, die ich aufgrund dessen hatte und habe wertzuschätzen, zu nutzen für Veränderung? Warum sind Label wichtiger als Alltagspraxen und deren Veränderung, deren Politisierung und Nutzung für aktivistische Zwecke? Identitätspolitik heißt für mich Widerstand gegen Normen, gegen Zwang, Diskriminierung und Gewalt, angefangen bei mir selbst. Meine Erfahrungen, meine Praxis, mein Denken und Handeln formt meine Identität formt meine Erfahrungen, meine Praxis, mein Denken und Handeln. Und nicht das bloße Wort.

 

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Posted by Charlott

Vor ein paar Wochen wurde eine neue Studie von Wissenschaftler_innen der University of California veröffentlicht, deren Ergebnisse auch schnell den Weg in viele (gerade auch feministische) Medien fand. Im Kern sagt die Studie, dass die über drei Jahre lang befragten Teilnehmer_innen zu 95% ihre Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch nicht bereuen. In erster Linie interveniert die Untersuchung also in das Narrativ des vermeintlichen „Post-Abtreibungssyndroms“: Ihre Ergebnisse setzen der Legende, die meisten Personen würden vorgenommene Abtreibungen lebenslang bereuen, deutlich etwas entgegen. Doch stellt sich mir die Frage, ob es langfristig sinnvoll ist, sich überhaupt auf die Debatte rund ums ‚Bereuen‘ einzulassen.

Faktoren für ‚Reue‘ – Stigmata und wenig Unterstützung

Die Studie hat einige Kernpunkte, die sie präsentiert: Die Proband_innen empfanden mit überwältigender Mehrheit ihren Schwangerschaftsabruch als die richtige Entscheidung – auch unabhängig davon, ob die Abtreibung früh oder später im Schwangerschaftsverlauf stattgefunden hat. Diejenigen, denen eine Entscheidung schwerer gefallen war, sind auch diejenigen, die sich unsicherer sind über die Richtigkeit der Entscheidung. Im Allgemeinen aber nehmen über die Zeit sämtliche Gefühle, positive sowie negative, hinsichtlich der Abtreibung ab. Und während nach sechs Monaten die Teilnehmer_innen noch ‚manchmal‘ an den Abbruch denken, dann denken sie nach drei Jahren ‚kaum‘ daran. Die Studie traf auch eine Aussage darüber, was eigentlich weitere Faktoren dafür sind, dass die Befragten von Reuegefühlen berichteten. Zwei Dinge zeichneten sich dabei ab: Negative Gefühle wurde häufiger von denjenigen berichtet, die ein stärkeres Stigma von Abtreibungen in ihrer Gemeinschaft wahrnehmen und von denjenigen, die wenig soziale Unterstützung erfuhren.

Zu den Leerstellen der Studie, schreiben die Wissenschaftler_innen selbst (alle Übersetzungen von mir):

Erleichterung und Fröhlichkeit mögen die relevantesten Gefühle direkt nach der Abtreibung sein und weniger relevant über die Jahre hinaus. Untersuchungen haben insbesondere herausgefunden, dass zu den positven Empfindungen, die Frauen mit der Zeit nach einer Abtreibung rückmelden, Reife, tiefere Selbstkenntniss und gesteigertes Selbstvertrauen gehören. Zusätzlich kann es sein, dass die sozialen Erwartungen, dass Abtreibungen ein etwas emotional Schwieriges sein sollten, dazu geführt haben, dass vermehrt negative Post-Abtreibungs-Gefühle rückgemeldet wurden. Die Teilnehmer_innen zweimal im Jahr über ihre Emotionen zu befragen und darüber, wie häufig sie an ihre Abtreibung denken, kann auch zu einer erhöhten Rückmeldung zu allen Leveln der Ergebnisse geführt haben.

Auch weitere Einschränkungen bei der Aussagekraft der Daten diskutiert das Paper zur Studie bereits, mir aber geht es hier in diesem Text nicht konkret um die Durchführung der Studie, sondern darum, wie mit dem Argument der ‚Reue‘ in der Politik, der Medizin und den Medien gearbeitet wird. Denn dass so viele feministische Publikationen voller Enthusiasmus darüber berichteten, hat ja ebenfalls gute Gründe.

Politiken mit antizipierter Reue

„Argumente, dass Abtreibungen emotionalen Schaden bei Frauen verursachen, werden genutzt um Abtreibungen, inbesondere spätere Eingriffe, in den USA zu regulieren. Doch existierende Untersuchungen sind nicht beweiskräftig,“ heißt es bereits im Abstract zur Studie. Post-Abtreibungssyndrom, welches unter anderem Gefühle von Reue und Schuld, Depressionen sowie Alkhol- und Drogenmissbrauch umfasst, ist das Stichwort.

Unter der Prämisse, dass die betroffenen Personen den Eingriff eventuell bereuen könnten (und dann in Sucht und Depression ‚abstürzen‘), werden immer wieder Gesetze erlassen, die den Zugang zu Abtreibungen ehrblich erschweren – und das natürlich nicht nur in den USA. In Deutschland müssen Menschen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen wollen, zu einer Pflichtberatung. Zwischen Eingriff und Beratung müssen dann nochmals mindestens drei Tage verstreichen. So soll sich die Person auch ganz genau sicher sein. Doch diese vorgeschobene ‚Sorge‘ ist natürlich vor allem eins: Schikane.

Denn in nur wenigen Feldern wird mit möglicher ‚Reue‘ argumentiert. Doch dann, wenn es darum geht, Körper von Frauen und_oder trans Personen zu regulieren, wird plötzlich mit dieser moralischen Erpressung gearbeitet (siehe ebenfalls Debatten über Transitionen von trans Kindern und Jugendlichen). Gegen diesen sehr starken Diskurs (mit all seinen praktischen, handfesten Auswirkungen) versucht die Studie also vorzugehen. Sie versucht nicht nur deutlich zu machen, dass das angeblich so weit verbreitete Post-Abtreibungssyndrom eher ein Mythos ist, sondern zu dem aufzuzeigen, dass vorhandene negative Gefühle auch nicht kontextlos entstehen, sondern gerade auch von gesellschaftlichen Stigmata mit verursacht werden.

Wo bleibt der Raum für komplexe Leben?

Die Überschrift bei ThinkProgress verkündete überschwänglich: „Diese Studie sollte alle Debatten beenden, ob Frauen Abtreibungen bereuen“. Doch warum ist es auch wiederum zu einfach, direkt mit dem Jubeln zu beginnen (ganz abgesehen von möglichen Schwächen der Ergebnisse)? Wer verliert in einem Hin und Her, welches auf „Sie bereuen es!“ vs. „Sie bereuen es nicht!“ fokussiert?

So wie die Debatte derzeit geführt wird, bleibt für Personen, die Abtreibungen prinzipiell befürworten, aber nach dem Eingriff selbst auch negative Gefühle verspüren (aus welchen Gründen auch immer), kaum Raum diese zu artikulieren, ohne dass sie befürchten müssen, den Falschen ™ in die Hand zu spielen oder dass ihnen zu mindestens genau das vorgeworfen wird. Ein ähnliches Dilemma hatte Hannah hier in der letzten Woche beschrieben, als es um die Kritik an Monica Lierhaus‘ Aussage ging, dass sie ihr Leben mit Behinderung als weniger lebenswert empfindet.

Eine ganze Reihe von Entscheidungen können bereut werden – ob es nun deswegen ist, dass die Gesellschaft immer wieder suggeriert, dass du die Entscheidung ja bereuen musst oder aus anderen Gründen. Das Gefühl von Reue muss dabei dann noch nicht einmal unbedingt heißen, dass die Person, wenn sie in exakt der selben Situation noch einmal die Wahl hätte, anders entscheiden würde. Leben(srealitäten) sind komplex. Deswegen hoffe ich, dass wir in feministischen Diskussionen zwar zum einen das Argument der ‚Reue‘ entlarven, aber dabei auch gleich mit deutlich machen, warum – selbst wenn einzelne Personen einer Entscheidung im Rückblick nicht ausschließlich positiv gegenüberstehen – dies nicht bedeuten kann, die Rechte aller einzugrenzen.

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Breakfast For "Dinner"

Jul. 26th, 2015 03:04 am
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Posted by Leytivia

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A late night conversation between Walter and a pregnant Olivia. Some Peter x Olivia. Part of my Come and Gone series on ffnet but I'm too lazy to upload that whole thing.

Words: 1558, Chapters: 1/1, Language: English

Selbermach-Sonntag (26.07.2015)

Jul. 26th, 2015 08:00 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenWas hat euch beschäftigt, erfreut, geärgert, traurig und wütend gemacht, euer Herz vor Begeisterung hüpfen lassen? Jeden Sonntag habt ihr bei der Mädchenmannschaft die Möglichkeit eure Gedanken der letzten Woche zu teilen, Links zu tollen Texten, Blogs, Webseiten, Videos, Fotos, Gifs und Audiobeiträgen zu posten. Also ab damit in die Kommentare! Wir wünschen euch eine angenehme und erholsame Restwoche.

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Where You End Up

Jul. 24th, 2015 05:57 pm
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Posted by clarityhiding

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The old home was not an easy place to visit, for many reasons. (It wasn't an easy place to leave.)

Words: 1623, Chapters: 1/1, Language: English

embracing self-destruction

Jul. 24th, 2015 07:00 am
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Posted by Nadine

liebhaber_innen von zines werden vielleicht maranda elizabeth kennen. maranda schreibt seit vielen jahren das zine telegram. es ist ein personal zine, also ein zine, das eher tagebuch-charakter hat. ich hatte die ausgabe #35 in den händen. in #35 erzählt maranda von marandas letztem (dokumentierten) suizidversuch. maranda wird vor dem todeseintritt ins krankenhaus gebracht und überlebt. es ist nicht der erste suizidversuch von maranda und so dreht sich das zine um den wunsch zu sterben, vergleiche zwischen dem ersten und dem aktuellen suizidversuch, die reaktionen und umgänge des sozialen umfeldes mit der suizidalität von maranda, diverse psychiatrie-aufenthalte, gender-basierte gewalt, diagnosen, medikalisierung gegen psychische und körperliche beschwerden, eingeschliffene verhaltensmuster, die schwer bis unmöglich zu durchbrechen sind, immerwährendes scheitern (von unterstützung, von community, von konkreter ab_hilfe) und wie das alles wiederkehrend zum wunsch nach tod führt, zu verzweiflung, abgestumpftheit, zum verlust von freund_innenschaften und beziehungen.

„the worst part of surviving suicide is still wanting to die. the worst part is wishing i didn’t fuck it up. the worst part is feeling obligated to pretend to care about things when i don’t care at all. the worst part is wondering if the friends i’ve got left are fucking sick of it. the worst part is watching myself repeat patterns of shit i’ve been doing for a decade and feeling no motivation to stop or change. the worst part is knowing the changes i want to make but feeling incapable. the worst part is returning to real life and continuing all the habits that led me to a coma. the worst part is wanting to be alone but not being able to take care of myself.“

[der schlimmste teil am überleben von suizid ist, noch immer sterben zu wollen. der schlimmste teil ist der wunsch, nicht gescheitert zu sein damit. der schlimmste teil ist, sich verpflichtet zu fühlen, so zu tun als ob mensch sich um dinge sorgt, wenn mir im grunde alles egal ist. der schlimmste teil ist, sich zu fragen, ob die freund_innen, die ich noch habe, verdammt nochmal die schnauze voll haben. der schlimmste teil ist, mich selbst beim wiederholen von scheiß mustern zu beobachten, die ich seit einem jahrzehnt tue und keine motivation habe, damit aufzuhören oder sie zu verändern. der schlimmste teil ist zu wissen, welche veränderungen ich machen will, aber mich unfähig zu fühlen. der schlimmste teil ist die rückkehr ins richtige leben und mit all den gewohnheiten weiter zu machen, die mich ins koma geführt haben. der schlimmste teil ist der wunsch nach alleinsein, aber nicht in der lage zu sein, auf mich zu achten.]

das obenstehende zitat hat mich beim lesen sehr gerührt. nicht aus mitleid, sondern aus mitgefühl. ich kann sehr viel mit marandas gedanken anfangen: manchmal zu wissen, wo mensch hin will, oder was getan werden muss, damit … und doch nicht herauszukommen aus der situation, sich immer wieder in stimmungen und mustern zu halten, unbewusst und bewusst. wiederkehrende suizidgedanken oder -versuche zu haben (oder fantasien, sich selbst zu verletzen – körperlich und psychisch). in einem anderen teil des zines schreibt maranda darüber, dass maranda keine unterstützung und hilfe in marandas community findet, dennoch immer wieder zurückkehrt und auf’s neue enttäuscht wird. ich habe diesen abschnitt so gelesen, dass es nicht darum geht, anderen die schuld zu geben oder verantwortung für sich selbst an andere abzugeben, sondern eher um sich zu hause fühlen von gedanken, mustern und handlungen. sich nicht isoliert zu fühlen mit dem, wie mensch gerade ist und fühlt.

in meinem umfeld sprechen wir viel über diagnosen, psychotherapie, psychiatrie. die meisten menschen, die ich kenne, sind diagnostiziert, therapiert oder gerade in therapie, wiederum einige haben zeit in der psychiatrie verbracht, andere haben medikamente genommen, nehmen noch medikamente. viele behelfen sich außerdem mit diversen heilverfahren und unterstützungsangeboten, die nicht schulmedizinisch anerkannt oder von der krankenkasse bezahlt werden. und ja das tun auch die, die eigentlich nicht so viel geld für sowas übrig haben. manchmal, weil alles andere nicht geholfen hat oder weil mensch nicht will, dass therapie und/oder psychiatrie oder geschweige denn eine diagnose in der krankenakte auftaucht, die trotz schweigepflicht und datenschutz immer wieder ihren weg in andere akten findet, die selbstgewählte pläne für das eigene leben behindern können.

egal, ob ich mich mit menschen über all das austausche, die psychopathologisierung und den medizinischen komplex darum politisieren und kritisieren oder mit menschen, denen das nicht so wichtig ist: eher selten sprechen wir über scheitern. über nicht-anders-wollen. über aufgeben wollen. über muster, die, wie maranda schreibt, ständig wiederholt werden, obwohl mensch es besser weiß. über suizid und suizidgedanken. und über unsere eigene verrücktheit, die immer wieder zu situationen führt, in denen wir uns alleine und nicht wahrgenommen fühlen – selbst mit unseren engsten menschen.

die omnipräsenz von diagnosen, tabletten und therapien führt in meinem umfeld jedenfalls öfter zu selbstpathologisierungen und erklärungen von „i was born this way“ oder „das BIN ich“. wir sprechen selten darüber, welche diagnosen wir bekommen haben und warum es gerade diese diagnosen sind und keine anderen. ich habe mir schon einige diagnoseschlüssel im dsm oder icd angesehen und dachte beim lesen: mensch, im grunde habe ich von vielen diagnosen etwas (ganz gleich welche 1-3 f-schlüssel in meiner akte auftauchen). trotzdem vertrauen wir den diagnosen, von denen wir wissen, dass wir sie bekommen haben und wenden sie auf unser erleben an. „ich bin borderline, deshalb…“ „ich mit meiner angststörung…“ „ich als bipolare person“.

wir reden selten über erfahrungen, die uns zu diesen diagnosen geführt haben, seltener über: warum reagiere und erlebe ich so, wie ich es tue? was hat sich über zeit verändert? ohne all diese medizinischen begriffe, die doch nicht die komplexität unserer persönlichkeiten und handlungen und empfindungen fassen können. ich bin verwundert darüber, dass der unausgesprochene konsens von „alles ist sozial konstruiert/nichts ist einfach so da“ auf das thema „seelische zustände“ selten angewendet wird, wenn es um das selbst geht. witzig. denn bei anderen dingen wird peinlichst darauf geachtet, dass alles von meiner identität eine frage der entscheidung ist und/oder von außen herbei geführt wurde. oder sich verändern kann über zeit und raum. nur mit diagnosen ist das oft nicht so. die sind halt nur ein wort für das, was mensch ist (und schon immer war).

radikale selbstakzeptanz geht offenbar nur auf kosten meiner selbstbestimmung, nur dann, wenn ich mein gesamtes leben in eine diagnose-schublade stecke. wahrgenommen von anderen werde ich häufig nur dann, wenn ich mich permanent selbst pathologisiere und diagnosen als erklärungen für alles nutze, was mich betrifft und mit gesundheitsnormen und normalitätsvorstellungen der gesellschaft bricht oder brechen könnte. wenn ich mich oute mit diagnosen. und wer nicht out&proud ist damit oder keine hat, ist eben gesund_normal und nicht „neurodivers“ (was für ein wort…). ich gehe davon aus, dass alle menschen, die diskriminierung und gewalt erleben, die pathologien dieser diskriminierung und gewalt in sich aufnehmen, darauf reagieren… diese welt ist verrückt, warum sollten wir es nicht sein?

auf der anderen seite nehme ich wahr, dass es viel darum geht, sich selbst zu verändern. den leidensdruck zu lindern, ein gutes leben führen zu wollen mit einem zustand von sich selbst, der sich im heilungsprozess befindet oder geheilt ist. muster zu durchbrechen, sich umzuprogrammieren oder mindestens andere überlegungen, prozesse und empfindungen in sich hineinzuschreiben. mehr möglichkeiten der reaktion und interaktion zu haben. in diesen erzählungen ist selten platz für die frage: warum eigentlich? für wen eigentlich? warum stoße ich mit bekannten mustern auf so viele barrieren? warum leide ich manchmal an meinem zustand? warum will ich mich nicht verändern (in teilen)? und es ist wenig platz für destruktivität, selbstverletzung und all die schönen dinge, die mit mustern einhergehen, die von außen jedoch als selbstzerstörerisch, falsch, … bewertet werden.

warum haben nicht all meine persönlichkeitsfacetten platz in diesem imaginierten guten leben? warum kann ich das gute leben erst haben, wenn ich muster aufgebe, die bekannt sind, gewohnt sind, manchmal stabilität bieten? warum ist das eine absurde logik? muster, mit denen ich mich schon so viele jahre meines lebens (und oft den überwiegenden teil meines lebens) wohl fühle? die schmerz und linderung zugleich sind? wo ist platz für widersprüche (gegen selbstpathologisierungen und gegen diesen ungebrochenen fortschrittsglauben der immer mit leistung_produktivität_anpassung verbunden ist)?

warum haben meine diagnosen platz im jetzt, jedoch nicht das konkrete oder akute? warum haben leere worthülsen wie trauma, depression, suizid, ptsd, panikattacken ihren angestammten platz in unseren erzählungen (weil kennen wir ja alle irgendwie), jedoch weniger, wie wärmend sich einsamkeit und verzweiflung anfühlen können, wie gut es tun kann, zu leiden, weil es emotion ist, weil es was auslöst in meinem körper, andere gefühle als angst und ausschalten wollen, überhaupt ein gefühl haben, spüren, mich spüren, mich spüren beim gedanken, mir ein messer in den handrücken zu rammen, blut zu sehen, auszurasten vor wut und sachen kaputt zu machen, zu klauen, ein öffentliches ärgernis sein, zuzuschlagen beim nächsten versuch des übergriffes, tagelang nicht die wohnung oder das bett zu verlassen, zu scheitern an den anforderungen des über_lebens oder (je nach erleben und perspektive) des chronischen sterbens (z.B. wegen lohnarbeit, beziehungsarbeit), einfach zu springen, soviel tabletten zu nehmen, dass ich nicht mehr aufwache, in gedanken abschiedsbriefe zu schreiben, heute einfach nicht an morgen und die konsequenzen meiner handlungen für mich und mein leben zu denken, an die konsequenzen meiner handlungen zu denken und traurig darüber zu sein, dass es nicht anders sein kann, tiefe trauer zu empfinden, sie zuzulassen, sich von ihr einnehmen zu lassen, einfach sein ohne das mantra der produktivität, der konstruktiven reaktion, des „du musst an diesen und jenen punkt kommen, damit…“. ohne unterbrechung, ohne stopps.

wer sind wir und was tun wir, wenn wir nicht darüber nachdenken, wer wir sein könnten, wie wir zu sein haben, was wir tun sollen… was der EIGENTLICH richtige weg wäre? wenn all das zu unserem er_über_leben gehört, wenn wir all das mit anderen teilen können, ohne gedanken zuzulassen, dass das gerade vielleicht nicht hilfreich sein könnte (für wen und warum?), dass es angeblich ein marker für „being stuck“, stillstand oder „opfer sein“ ist (für wen und warum)?

wenn wir keine erklärungen und rechtfertigungen in diagnosen finden müssten? wenn wir nicht ständig auf der suche nach neuen/anderen strategien des umgangs mit der welt wären, die uns dazu zwingt, uns auf bestimmte anerkannte art und weise zu verhalten? wenn community auch heißt, veränderungen anders zu denken, als aufzuhören mit mustern, die in der medizin wie in polit-kontexten als passive, nicht selbstbestimmte, nicht freie, selbstzerstörerische handlung gewertet werden? die angeblich macht über uns haben, aber wir angeblich keine macht über sie. wenn muster als etwas begriffen wird, das es partiell zu überwinden gilt, aber nicht als etwas, das zu uns gehört und dass es wert ist zu leben, solange wir anderen damit nicht gewalt antun. wenn wir ehrlich und offen sein können damit, dass die muster auch nach jahren des durchschauens, erklärens, verändern wollens noch immer zu uns gehören und einfluss auf unser er_leben und unsere interaktion mit anderen nehmen? einfach, weil wir sie nicht (vollständig) loslassen können_wollen?

was ist, wenn wir all die gründe auflisten, die uns davon abhalten, vermeintlich destruktive dinge zu tun? was ist, wenn wir all die gründe auflisten, die uns in die vermeintliche destruktivität treiben und feststellen, dass es überschneidungen gibt?

was würde das machen mit uns, unseren beziehungen zu anderen?

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Lebenswert behindert sein

Jul. 23rd, 2015 07:00 am
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Posted by Hannah C.

Monica Lierhaus sagte in einem Interview, dass sie heute verschiedene Entscheidungen anders treffen würde, als vor ein paar Jahren noch. Wäre Frau Lierhaus nicht behindert, würde diese Aussage angehört und wieder vergessen.

Als Person aber, der eine Operation das Weiterleben ermöglichte und als Person, die in der Folge behindert ist, hat sie diese Entscheidung gefälligst nicht (öffentlich) zu bereuen und schon gar nicht hat sie ihr Leben danach als weniger lebenswert zu empfinden, weil das die Öffentlichkeitsarbeit anderer Behinderter untergräbt. So lese ich zumindest den Kommentar von Christiane Link in ihrem Blog. Frau Link schreibt, dass sie öfter hört, Menschen könnten oder wollten an ihrer Stelle nicht leben und setzt dies in einen, vielleicht richtigen, vielleicht aber doch auch unvollständigen Kontext mit Bewunderung.

Und ich stehe (mit anderen) neben diesem Disput und denke darüber nach, wann es denn erlaubt ist zu äußern, dass man sein Leben als behinderte Person nicht als lebenswert empfindet. Darf man es äußern, wenn man nicht prominent ist? Darf man es äußern, wenn ein kleiner tragbarer Motor das eigene Herz ersetzt und man jede Woche zur Dialyse muss? Oder wenn der fünfte Versuch einer Behandlung mit Psychopharmaka zu massiven körperlichen Veränderungen und emotionaler Schmalspur verholfen hat? Oder einfach nie, weil das Leben so unfassbar kostbar wichtig ist, dass es, ohne jede Reflektion, jeden Preis kosten darf – und muss und soll?

Darf ich, wenn ich äußere, dass ich mein Leben als nicht lebenswert empfinde noch bitte selbst definieren was “Leben” und was “Wert” für mich ist? Darf ich bitte über meine Er-Lebensrealität und ihre Bewortung noch selbst bestimmen und nicht andere Menschen? Darf in einer Zeitung auch mal eine beschissene Selbstansicht von Behinderten über sich selbst und ihr Leben stehen?

Warum ist es so wichtig, aus einer Behinderung etwas zu machen, was tragbar ist und, was das eigene Leben ja eigentlich nicht dann doch nicht behindert oder beeinflusst? Manchmal ist sie das eben nicht. Manche Barrieren und (Vor-) Urteile in Bezug auf das Leben mit Behinderungen gibt es auch im Kopf der Behinderten selbst und Interviews, wie das von Frau Lierhaus und auch der Text von Frau Link – genau wie meiner hier – tragen dazu bei, sie sichtbar zu machen.

Ich habe die abfällige Bezeichung “die Sonnenscheinbehinderten” für Menschen, die sich öffentlich ausschließlich so äußern, als wäre ihre Behinderung bzw. ihre chronische Erkrankung eigentlich gar nicht so schlimm. Und eigentlich auch gar kein Problem. Nie und nirgends und wenn doch: nicht lange und schon gar nicht unaushaltbar. Für mich ist es so, dass ich mir an der Stelle denke: “Ah, okay cool – schön für diese Personen. Schade, dass ich es nicht auch so einstufen/erleben kann.”. Was in etwa der gleiche Gedanke ist, wie ich ihn habe, wenn ich von hochbegabten Kindern in umfänglichen Förderprogrammen höre; von traumatisierten Menschen erfahre, die austherapiert mit ihrer selbstgegründeten Familie und halbwegs gesichertem Leben in den Sonnenuntergang schauen und von Menschen, die ihre Depressionen mit einer Tablette täglich als erträglich empfinden können.

Ich frage mich, was an mir falsch ist, dass ich nichts davon auch habe. Nicht mal nah dran bin. Ich frage mich, was ich übersehe, welche Energie ich wo falsch hinpumpe, dass ich das nicht habe. Ich schaue in unsere Gesellschaft und frage mich, was läuft da falsch, dass ich mich nicht glücklich optimieren kann– wo ist denn dieser verdammte Sonnenschein, der andere Behinderte in die Fernsehkamera lächeln lässt?!

Und was genau ist eigentlich der Lebenswert von dem da dauernd gesprochen wird? Wenn Leben so preislos anzunehmen ist – braucht es dann noch eine zusätzliche Aufladung mit Wert? Steht Leben dann nicht eigentlich absolut darüber und sollte gar nicht erst in einer Wortkombination mit “wert” erscheinen?

Mein Leben ist nicht wertvoll für mich und das habe ich schon im Alter von 9 Jahren verstanden. Man kann mich im Kopf erneut zum Opfer von Gewalt machen und sagen, in meinem Lebensumfeld hätte ich ja auch keinen Anlass gehabt davon auszugehen, dass das anders ist. Man kann mir aber auch glauben, dass ich durchaus auch von Menschen umgeben war, die mir vermittelt haben, dass es okay ist, dass es mich gibt.
Man darf mir auch zuhören und verstehen, dass es nicht andere Menschen sind, die mir definieren, was mir mein Leben wertvoll oder auch “lebenswert” macht.

Leben ist einfach, für mich. Leben will nichts und Leben braucht nichts. Es ist einfach nur da. Und, ob man sich damit verbindet oder nicht und wie man es für sich be_wert_et oder füllt, liegt an den Personen selbst und dem Umfeld, in dem sie leben.

Für den Lauf der Dinge (das Leben) ist es irrelevant, ob es mich gibt oder nicht.

Ich sehe mein Er-Leben nicht als wertvoll geschätzt für diese Gesellschaft. Ich werde als Person genauso weder gewollt noch gebraucht, wie ich einfach mit Lebensbewertungs-und –dankbarkeitszwang überfordert werde. Ich bereue keinen einzigen meiner Suizidversuche, weil ich keine Schuld empfinde, etwas von mir zu nehmen, um das ich nicht gebeten habe. Ich bewerte Dinge und Prozesse, die sind, nicht. Entsprechend ist mein Leben für mich auch nicht lebens_wert, sondern lebbar, genau wie es nicht lebbar ist. Diese Einordnung und ihre Definition, erlebe ich auch als Teil meines Lebens und meines Entwicklungsprozesses. Als etwas, was der Umstand zu leben eben auch impliziert.

Am Leben zu sein, bedeutet von einer Option definiert zu sein, die als einzige wirklich bedingungslos ist und in ihrer Entstehung unbeeinflussbar war. Niemand kann etwas dafür geboren worden zu sein. Niemand kann sich dafür entscheiden geboren zu werden oder eben nicht. Aber jede Person kann sich entscheiden, ob sie am Leben bleiben will oder nicht und wenn ja, wie sie das für sich bewertet.

Ich verstehe, dass es anstrengend und nervig ist, Menschen zu sagen, dass man das eigene Leben mit einer Behinderung nicht als Last oder Leidensquelle empfindet. Doch meine Last daran, Menschen immer wieder klar machen zu müssen, dass es mir trotz viel psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfen und trotz viel beachtetem Potenzial in mir, eine Leidensquelle ist, eben doch nicht zu sein (und niemals werden zu können), wie Menschen, die diese Hilfen nicht brauchen um ihre Verbindung mit dem Leben auszuhalten und damit umzugehen, die wird genau in dem Moment ausgeblendet und zum Bedrohungsfaktor erklärt, wenn der Anspruch an alle heißt, niemals zu äußern, dass man sein Leben als nicht lebenswert empfindet.

Was ist das für ein mieser Schuldspruch, bei einer gesellschaftlichen und juristischen Sachlage, wie der, die wir aktuell in Deutschland und im Rest der Welt vorfinden? Was ist das für ein Anspruch auch an die Behinderten selbst, die jeden Unterstützungs- und Hilfebedarf über Nichtbehinderte definiert erfahren und daran nie eine Kritik äußern können, ohne ein bestimmtes (überlebenswichtiges) Anpassungslevel zu verlassen?

Wenn es heute noch Meinungen gibt, die besagen, das Leben von Behinderten wäre eine Last oder Behinderte sollten besser nicht leben, dann gibt es diese Meinungen zu allerletzt, weil Behinderte sich öffentlich zu ihrer Er-Lebensrealität äußern. Menschen mit Behinderungen werden gehasst, ausgegrenzt, verachtet und zur Belastung erklärt, weil man es kann. Weil es dafür gesellschaftliche, wie bürokratische Strukturen und kulturelle Praxen gibt. Um daran etwas zu ändern, braucht es Sichtbarkeit. Braucht es Ehrlichkeit. Braucht es Verstehen und Annahme von Unterschiedlichkeit.

Auch dann, wenn es anstrengend wird und eben nicht mehr nur der unproblematische Sonnenschein betont werden kann, der denen, die sich autark so weit selbst optimieren können, dass sie sich zur Norm erheben können, vermittelt es gäbe keine Unterschiede, wo doch permanent welche gemacht werden (müssen).

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Posted by accalmie

Ganz ehrlich: Ich persönlich bin kein großer Nicki-Minaj-Fan. Es gibt ein, zwei Lieder, die ich nicht schlecht finde, und ansonsten wundere ich mich (nicht) darüber, dass andere Rapperinnen – Rapsody, Jean Grae, Sa-Roc, Rah Digga, Dai Burger, um nur ein paar Namen zu nennen – nicht halb so viel Aufmerksamkeit genießen. Das hat mit Minajs besonderem Flow, genreübergreifenden Stil und Vermarktungsgeschick zu tun, aber auch mit Minajs konventioneller(er) Schönheit und der einfachen Reduzierung ihrer sex-positiven Self-Empowerment-Message auf „Sexbombe“ für einen male gaze. In jedem Fall ist Nicki Minaj eine der erfolgreichsten Rapperinnen aller Zeiten und versteht – im Gegensatz zu Iggy Azalea, zum Beispiel – nicht nur ihr Handwerk, sondern auch die Geschichte des Rap/Hip Hop.

Ihr letztjähriger Hit, „Anaconda“, war nicht nur ein Charterfolg, sondern Minaj brach mit dem Video Rekorde. Etwas über eine Woche nach der Veröffentlichung hatte „Anaconda“ bereits 100 Millionen Zuschauer_innen; es war eines der erfolgreichsten Videos des Jahres. Auch ihr und Beyoncés „Feeling Myself“, das zwei der aktuell bekanntesten und erfolgreichsten Hip Hop- und Pop- Künstler_innen vereinte, resultierte in einem sehr beliebten Video, dessen Regie beide maßgeblich führten. „Anaconda“ wurde in diesem Jahr für einen MTV „Video Music Award“ (VMA) in den Kategorien „Best Female Video“ und „Best Hip Hop Video“ nominiert. „Feeling Myself“ ging leer aus, und „Anaconda“ wurde ebenfalls nicht in der wichtigen „Video of the Year“-Kategorie nominiert (wenngleich Beyoncés „7/11″ eine Nominierung erhielt). Bei Twitter hat Nicki Minaj dies kritisiert.

[Übersetzung: 1. „Wäre ich eine andere „Art“ von Künstlerin, wäre Anaconda nominiert für Beste Choreographie und auch für Video des Jahres.“ 2. „When die „anderen“ Mädels Videos veröffentlichen, die Rekorde brechen und Auswirkungen auf Kultur haben, werden sie nominiert.“ 3. „Wenn dein Video Frauen mit sehr schlanken Körpern zelebriert, wirst du für „Video des Jahres“ nominiert.“ 4. „Ich bin nicht immer selbstbewusst. Nur müde. Schwarze Frauen beeinflussen Popkultur so sehr, aber werden selten dafür belohnt.“]

„Und weiter?“, könnte man sagen. Preisverleihungen wie die VMAs sind kapitalistische Selbstzelebrierungen: Den kommerziell erfolgreichsten Künstler_innen wird noch mehr gegeben. Nominierungen orientieren sich an finanziell gemessenen „Leistungen“. Einen „Moon Man“ zu gewinnen ist wichtig, weil die VMAs die „junge“ Ergänzung zu den Grammys sind, was de facto bedeutet, dass die erwünschten, ideal(isiert)erweise kaufkräftigen Zielgruppen direkt erreicht werden und lukrative Werbedeals, Netzwerke und ähnliches warten, wenn man bei den VMAs erfolgreich ist. Es geht also – Überraschung! – in erster Linie um ökonomisches und soziales Kapital; auch bei Nicki Minajs Einwand.

Das ist aber nicht alles. Nicki Minajs Tweets zielen auf Fragen kultureller Aneignung, aber zentraler noch der Repräsentation und der Anerkennung; nämlich der Repräsentation und Anerkennung Schwarzer Frauen in Popkultur und der Repräsentation und Anerkennung bestimmter Körperformen in jener (schon vor der Revolution). Diese Fragen bringen viele Leute immerhin dazu, es als empowernd zu sehen, wenn Lena Dunham in „Girls“ die Hüllen fallen lässt, aber Beyoncé als „Schlampe“ zu bezeichnen, wenn sie strippt. Diese Fragen machen „Home“ zu einer Fußnote in der Animationsfilmwelt des „Frozen“; diese Fragen machen „Critical Whiteness“ (bzw. das, was weiße Menschen je nach Tagesform darunter verstehen möchten) zum Anathema des Feminismus (u.v.m.). Popkultur ist nur einer der gesellschaftlichen Bereiche, in dem diese „Logik“ greift.

Die vielen vorsorglichen Smileys haben Minaj nichts gebracht: Sie wurde bereits zur „Angry Black Woman“ gemacht. Taylor Swift fühlte sich durch Minajs Tweets angesprochen und beleidigt und antwortete so, wie es der hashtag #SolidarityIsForWhiteWomen (Solidarität ist für weiße Frauen) präzisierte:

[Übersetzung: „Ich habe nichts getan, außer dich zu lieben und zu unterstützen. Es sieht dir nicht ähnlich Frauen gegeneinander auszuspielen. Vielleicht hat einer der Männer dir deinen Platz weggenommen.“]

Was Taylor Swift hier macht, ist Nicki Minajs Kritik an rassistischen und körpernormierenden Diskriminierungen des Popkultur-Geschäfts – das sich über den Umsatz, der durch Schwarze Künstler_innen generiert wird, freut, aber diese nicht gleichwertig anerkennt, was wiederum auch finanzielle Auswirkungen auf jene hat –  zu übergehen und sich stattdessen persönlich angegriffen zu fühlen. Schlimmer noch, Taylor Swift ignoriert nicht nur die grundlegende Kritik Minajs an diesen Machstrukturen, sondern münzt die Diskussion auf sich um: Es geht nicht mehr um Minajs strukturelle Kritik, sondern um Taylor Swift als Mittelpunkt und um Minajs angeblich unfaires Verhalten, eine ihr wohlgesonnene Person unvermutet anzugreifen. Swift macht Minajs antirassistische und anti-fatshaming-Kritik, die Swift mit keinem Wort erwähnte, zu einer Frage unbedingter weiblicher* Solidarität: Kerngeschäft Feminismus, für das z.B. Antirassismus nur Ablenkung vom Wesentlichen ist. Man kann es den „klassischen Move“ weißer Feminist_innen nennen.

Hier schließt sich der ironische Kreis zu den VMAs als schlichte kapitalistische Selbstbeweihräucherung und der Frage, warum man über diesen Klassenaspekt hinaus weiterdiskutieren möchte: Feminist_innen wissen meist um die Wichtigkeit von Repräsentation und Anerkennung als Aspekte von Macht  – angefangen bei geschlechtergerechter Sprache über Protest gegen sexistische Werbung hin zu  Quoten. Schlagartig vergisst man aber genau dieses Mantra, wenn es nicht mehr (nur) um Antisexismus, sondern auch um Antirassismus und Antifaschismus geht. Wehrte man sich vorher noch (zu Recht) gegen die Idee_Ideologie, dass rhetorischer Universalismus (im generischen Maskulinum…) mehr bedeute als „Männer“, schwindet das Differenzierungsvermögen radikal, wenn rhetorischer Universalismus nicht nur als androzentrisch, sondern auch als weiß (und heteronormativ, und cissexistisch, und ableistisch) kritisiert wird. Taylor Swift zeigt exemplarisch, wie das geht: Kritik ignorieren, sich selbst als Opfer einer Woman of Color (WoC)-Attacke stilisieren und dann an weibliche Solidarität appellieren. Schnell wird also die Kritikerin zur antifeministischen Verräterin, wenn sie den Burgfrieden nicht hält. Wir hatten das schon oft.

Die Mädchenmannschaft zum Beispiel sieht sich regelmäßig mit der Kritik konfrontiert, dass wir „uns“ vergäßen (das „wir“ wird hierbei imaginiert als homogenes, weißes, Feministinnen-Kollektiv und der Zeit, in der das tatsächlich so war, nostalgisch nachgetrauert), dass man sich als Feminist_in auf das „Kerngeschäft“ besinnen müsse, dass Critical Whiteness ™, die man fortwährend (und erstaunlich frei) mit uns assoziiert, ein ausschließlich auf US-Zusammenhänge anwendbares Konzept sei und jede Form feministischer Kritik auch an People of Color (PoC) communities unmöglich mache. Sowohl die Geschichte als auch der Sinn hinter Critical Whiteness Studies werden dabei natürlich gänzlich aussen vor gelassen. Was vor kurzem noch schlichter Antirassismus war, gar common sense (z.B., dass Rassismus eine gesellschaftliche Struktur ist, der man sich nicht mit persönlicher „Ich bin kein_e Rassist_in“-Deklaration entzieht), ist mittlerweile als „Critical Whiteness“ und „Privilegien checken“ verschrien, um sich mit diesem Schlagwort-Konzept aus der Verantwortung ziehen zu können. Die Thematisierung von Rassismus in feministischen Bewegungen_in der Linken wird so verunmöglicht; gleichzeitig hält die rechte Rhetorik von „PCness“, „Diskurspolizei“ und „Denkverboten“ Einzug, wenn man sich mit antirassistischen und anti-antisemitischen Kritiken konfrontiert sieht. Auch „Definitionsmacht“ wurde zu einem geflügelten Wort; bedeutet es in den meisten Zusammenhängen doch aber nur, dass von Rassismus Betroffene durchaus in der Lage sind, Rassismus selbst zu erkennen.

Zurückkommend auf Taylor Swift und Nicki Minaj heißt das: Statt sich mit Nicki Minaj zu solidarisieren, fordert Swift Solidarität von unten nach oben. Statt sich als Feministin mit Minaj genau deshalb zu verbünden, unterteilt Swift Identitäten und die ihnen zugrunde liegenden Machtstrukturen (deshalb Identitätspolitik, übrigens, not for the hell of it…) in Schwarz oder Frau. Statt zu erkennen, dass für WoC weiße Frauen eine ebensolche Quelle an Diskriminierungen sind wie (weiße) Männer, ist Swift Feministin, solange es in diesem Feminismus nicht um Schwarze Frauen geht. Statt sich mit dem tatsächlich Gesagten auseinanderzusetzen, stilisieren Swift und weite Teile der Medien Minaj zur „wütenden Schwarzen Frau“ (Angry Black Woman), der man bisher mit viel Liebe und Unterstützung begegnet sei, die sie nicht erwidere (…und offenbart so die Erwartungshaltung, dass PoC dankbar sein müssten für die Einhaltung grundlegender Regeln des Umgangs).

Kerngeschäft Feminismus: In dieser Welt(sicht) geht nur A oder B. Man kann nicht zugleich PoC und Feministin sein, man muss eines dem anderen unterordnen. Kritik an Strukturen wird als persönlicher Angriff verstanden, als „cat fight“, als „Stutenbissigkeit“, als Unfreundlichkeit, statt als eine politische Auseinandersetzung. Das letzte Jahrhundert an feministischen Debatten hat in dieser Sichtweise niemals stattgefunden. Im Kerngeschäft Feminismus ist alles Spaltung, was sich nicht der weißen, heterosexuellen Cis-Norm unterordnet; was nichts mit Lohnungleichheit zwischen Frauen ™ und Männern ™, Quoten, heteronormativen reproduktiven Rechten und sexistischer Werbung zu tun hat, ist kein richtiger Feminismus. Diese Eindimensionalität wird gleichzeitig als Stärke zelebriert, während sie weite Teile von Frauen* ausschließt. Reagieren Frauen* dann auf jene Ausschlüsse, sind sie unsolidarisch – nicht umgekehrt. Sich mit eigenen Rassismen, mit Antisemitismus, mit Heteronormativität, … zu beschäftigen, wurde entweder zu „aggressiv“ gefordert und kann daher ignoriert werden oder ist die kuriose Angelegenheit queerfeministischer „Sekten“. Kerngeschäft Feminismus: Taylor Swift hat es in 140 Zeichen illustriert.

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 287 von 288 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die ZEIT veröffentlichte den Schlussvortrag der Rechtsanwälte Ernst Freiherr von Münchhausen, Onur Özata und Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler im Strafverfahren gegen Oskar Groening am 14. Juli 2015.

„Auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft kann wohl kaum mehr falsch gemacht werden als damit, Väter in ihrer bisherigen Interpretation ihrer Vaterrolle zu bestärken.“ – Jochen König kritisiert den Familienbericht 2015 für den Berliner Senat.

Im August findet in Helmarshausen das Bundestreffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland statt. Dafür kann auch noch gespendet werden, um Menschen, die wenig Geld haben, die Teilnahme zu ermöglichen.

Seit Montag gibt es eine Online-Meldestelle (deutsch- und englischsprachig) für antisemitische Äußerungen_Angriffe in Berlin. Das Projekt, das unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wird, hat auch zum Ziel, auf Antisemitismus im Alltag aufmerksam zu machen.

„Aggressive für Deutschland“ – das LOTTA-Magazin analysiert den Machtwechsel innerhalb der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

„Frauen, die lange Haare haben und „weiblich“ wirken, wird ihr Lesbischsein häufig nicht geglaubt; genausowenig Frauen, die Kinder haben.“  – in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet LesMigras-Mitarbeiterin Saideh Saadat-Lendle über die Situation lesbischer und schwuler Geflüchteter in Deutschland.

„Die Zwangsregistrierung für Prostituierte gab es zuletzt 1939.“: Bereits im Juni hat die Jungle World ein Interview mit Juanita Henning, Vorsitzende der Organisation Doña Carmen, zum geplanten und perfide betitelten Prostitutiertenschutzgesetz geführt.

Dr. Jamie Pax Abad hat einen Erfahrungsbericht und weitere Informationen zur Vornamensänderung in ausschließlich geschlechtsneutrale Vornamen nach dem Namensänderungsgesetz für Personen, die sich ausserhalb der binären Geschlechterkategorien identifizieren, zusammengestellt (PDF).

Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiss“ ist seit gestern auch in neuester, überarbeiteter Version als E-Book erhältlich.

Englischsprachige Beiträge

Bei einem Bombenanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç wurden am Montag mindestens 32 Aktivist_innen, die einen Hilfseinsatz in Kobane (Syrien) geplant hatten, getötet und über 100 Menschen verletzt. Die New York Times, Neues Deutschland und Publikative.Org berichten über die Geschehnisse und Hintergründe. Trauer- und Protestdemonstrationen wurden derweil in der Türkei massiv von der Polizei angegriffen.

Über die spezifische Rolle weißer Frauen bei der Aufrechterhaltung von Rassismus schreibt der Atlanta Black Star.

„Vier Dinge, die du deinen Kindern genau jetzt zu Rassismus beibringen solltest“: Black Girl Dangerous listet sie auf.

BBC News berichtet über die britische Politikerin Liz Kendall, die sich gegen das Boulevard-Blatt Mail on Sunday wehrt, das sie nach ihrem Gewicht fragte: „Can you imagine the Mail on Sunday asking the weight of the prime minister, George Osborne or any other leading politician?“

Termin in Göttingen

31.07. in Göttingen: SchwarzRund liest im Kabale: Quasi, Schwarzer Frost und Poesie (Facebook-Link).

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