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Posted by creatureofhobbit

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Walternate succeeded in his plan. Walter crossed over, but was unable to save the Blueverse. Now Altlivia and Lincoln are bringing up Henry, determined that he must never know that it was his DNA used to operate the machine.

Words: 2111, Chapters: 1/1, Language: English

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Posted by Charlott

Welche Themen standen auf unserer feministischen Agenda 2014? Welche Ereignisse haben das Jahr geprägt? Welche Personen und ihren Aktivismus haben wir bewundert? Zum Abschluss des Jahres gibt es dieses Mal ein Lexikon. Zu jedem Buchstaben könnte es natürlich noch zig weitere Einträge geben – ergänzt doch eure in den Kommentaren!

A wie Aktivismus, Ausschlüsse und Ablasshandel
Ein Thema, welches sich eigentlich durch jedes Jahr zieht/ ziehen sollte: Wie wollen wir unseren Aktivismus gestalten? Wie können dabei unterschiedliche Positionen bedacht und genutzt werden? Welche Taktiken und Praxen haben sich bewährt? Nadine machte sich darum einmal Gedanken darüber, wer wann auf Podien sitzt, wo Absagen vielleicht Sinn machen und wo nicht (und was das mit unterschiedlichen sozialen Positionierungen zu tun hat) und über Geldspenden als Art der ökonomischen Umverteilung.

B wie #BlackLivesMatter und #BringBackOurGirls
Am 09. August dieses Jahres wurde der Schwarze Jugendliche Michael Brown von dem weißen Polizisten Darren Wilson in Ferguson, Missouri, erschossen. Gegen den Polizisten wurde nicht mal ein Verfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei natürlich nicht um einen Einzelfall, sondern es ist ein Beispiel für die anhaltende rassistische Polizeigewalt – die keinerlei Konsequenzen hat. In ihrem Text “Wenn Schwarzer Menschen nicht lächeln…” verlinkt Sharon eine ganze Reihe von weiteren Beispiel aus den USA und Deutschland. Von Ferguson ausgehend und durch weitere publik werdende Taten (die ebenfalls kaum Konsequenzen nach sich zogen) entwickelte sich in diesem Jahr eine Protestbewegung, die im Internet unter anderem unter dem Hashtag #BlackLivesMatter und auf den Straßen vieler Städte anzufinden war. In Berlin versammelten sich am 29. November Aktivist_innen am Brandenburger Tor, um den Opfern zu Gedenken und darauf zu verweisen, dass es stimmt: #FergusonIsEverywhere, Ferguson (d.h. rassistische Strukturen, die Gewalt legitimieren) sind kein rein us-amerikanisches Phänomen. So wird sich am 07. Januar zum bereits zehnten Mal der Tod von Oury Jalloh jähren. Derzeitig sammelt die Initiative im Gedenken an Oury Jalloh Geld um ein weiteres Gutachten zur Brand- und Todesursache anfertigen zu können.

Außerdem sollten nicht die 200 Mädchen, die am 14. April in Nigeria entführt wurden, vergessen werden.

C wie Chancengleichheit
Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Akzeptanz, > Toleranz, Inklusion – ein Wörtersalat, der häufig eher das “gut gemeint” als das “gut gemacht” abdeckt, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung geht. Hannah hat sich im November die Anhörung des Ausschusses “Arbeit und Soziales” zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen angehört und aufgezeigt, welche Diskussionen rund um das Bundesteilhabegesetz (nicht) geführt werden. Außerdem erklärte sie in einem weiteren Text, was der Begriff Inklusion eigentlich umfassen sollte und wie er häufig stattdessen ausgehöhlt wird.

D wie Diskurspolizei
Sprachdebatten zwischen “Darf man denn hier gar nichts mehr sagen!” und “Diese Gender-Leute drängen ja immer einen Sprachgebrauch auf!” begleiteten auch das Jahr 2014. Am prominentesten ist sicher die medial breit geführte “Debatte” um Lann Hornscheidts Sprachinterventionen. Auf einen öffentlichen Brief von WissenschaftlerInnen antwortete hier Jayrôme mit “Es ist Zeit, Realität als real zu betrachten“. Im Juli hatte außerdem accalmie die Verwendung diskriminierender Begriffe, die Verteidung dieser Praxis und das Umwerten als die echte Diskriminierung (TM) von Begriffen, die sonst unmarkierte Normen benennen, seziert.

E wie Elliot Rodger
Am 23. Mai tötete Elliot Rodger in Isla Vita, Kalifornien, sechs Menschen. Zuvor hatte er in Videos und einer über hundert Seiten langen “Autobiographie” seine Misogynie verbreitet. In vielen deutschsprachigen Medien wurde die Tat dekontextualisiert und individualisiert. Ich schrieb über die Hintergründe der Tat, wie sie vielleicht verhindert hätte werden können.

F wie Frauenquote und tiefergehende Kapitalismuskritik
Im Dezember rang sich dann die Regierungskoalition doch durch und einigte sich auf eine Regelung der “Frauenquote”. Sonderlich radikal fällt diese natürlich nicht aus und ist allenfalls ein winziges Feigenblättchen für ein kapitalistisches System, bei dem vielen hinten unter fallen. Bei der Mädchenmannschaft haben wir uns deshalb auch eher anderen Themen gewidmet: So schrieb ich über eine Toilettenaufsicht, die sich ihren Anteil auf Trinkgeld erstritt, Lisa schrieb zur Aktionskonferenz “Care Revolution Her mit dem guten Leben – für alle weltweit!”, Maria zum “Geschlecht der Rente mit 63” und Gastautorin Emilia Roig stellte “Politische Kämpfe und Organisierung von illegalisierten Arbeiter_innen” dar. Siehe auch > GDL-Streik und > Shoppen.

G wie GDL-Streik
Streik bei der Bahn, ein Lieblingsmeckerthema von vielen in Deutschland. Frederik führte in seinem Artikel anlässlich der Lokführer_innenstreiks im November aus, was denn eigentlich eingeschränkte Mobilität täglich bedeutet/ umfasst und von wem und welchen Strukturen diese Einschränkungen ausgehen. (Tipp: Es sind nicht die Lokführer_innen!)

H wie HoGeSa
HoGeSa steht hier stellvertretend für all die (immer noch zunehmenden) rassistischen und islamfeindlichen Demonstrationen, die in vielen Städten Deutschlands stattfinden. Statt gegen diese vorzugehen, gab es in vielen Medien und von Politiker_innen zu hören, dass die Sorgen der demonstrierenden Menschen doch ernstgenommen werden müssten (so zum Beispiel Innenminister de Maizère hinsichtlich der Pegida-Demo). Nadine fragte zurück: “Wann nimmt der deutsche Journalismus endlich die Ängste der Bevölkerung vor Rassismus ernst?” und Nadia erklärte anlässlich der “Reisewarnungen” zu HoGeSa, dass nicht nur, wenn es rechte Großdemonstrationen gibt, Räume für viele Menschen unsicher sind.

I wie Idpet
Die Petition „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“, die sich gegen den kommenden Bildungsplan in Baden-Württemberg richtete, spülte einmal mehr deutlich den Heterosexismus und Transfeindlichkeit an die Oberfläche und war Ausgangspunkt vieler Demonstrationen “besorgter Eltern” und anderer. Und auch die Politiktalkshows dieses Landes haben natürlich mal wieder gezeigt, dass sie kaum Kompetenzen haben, das Thema zu behandeln, so wurde lieber mal wieder “ergebnisoffen über Gewalt” diskutiert.

J wie Jubiläum
Seit nun mehr sieben Jahren gibt es die Mädchenmannschaft in diesem Internet. Anlässlich dieses freudigen Ereignisses sprachen MM-Autor_innen in einem Podcast darüber, wie sie eigentlich zum Blog(gen) gekommen sind. Und yeah: nach sieben Jahren mit dem gleichen Design wurden erstmals einige Veränderungen vorgenommen.

K wie Kulturbetrieb und all diese Bühnen
Wer steht eigentlich auf der Bühne (dahinter/ davor)? Wessen Geschichten werden erzählt? Wessen Songs gesungen? Das Bündnis kritischer Kulturpraktiker_innen veröffentlichte eine Stellungnahme zur Tagung “Mind the Gap”, die sich mit Ausschlüssen beschäftigen wollte, diese aber gleich mit reproduzierte. Magda berichtete außerdem im Mai von Erfahrungen als Musikerin und fragte: “Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?“.

L wie Leseempfehlung
Das Jahr 2014 war ein ziemlich wunderbares für alle jene, die Bücher sehr gern mögen. Schon lange hatte ich nicht mehr erlebt (um ehrlich zu sein das letzte Mal bei Harry Potter), dass so viele Menschen in meinem Umfeld auf ein Buch hinfiebern, wie bei der diesjährigen Veröffentlichung des Romans “Americanah” von Chimamanda Ngozi Adichie. Die Lesung in Berlin, wo Adichie zu Literatur, Rassismus und > #BringBackOurGirls sprach, war auch gleich ausverkauft. accalmie und ich hatten Karten ergattert und schrieben darüber. Magda stellte hingegen fest: “Wenn ich dieses Jahr nur ein Buch lesen dürfte: Es wäre die Autobiographie von Janet Mock“. Mehr zu Literatur findet ihr immer in unserer Feministischen Bibliothek.

M wie Mein Fett ist politisch
Seit November ist Magda vermehrt mit ihrem Vortrag „Mein Fett ist Politisch“ und einem Fat Empowerment Workshop unterwegs (und auch in 2015 wird es weitergehen!). Außerdem erschienen auch dieses Jahr eine ganze Reihe wichtiger Artikel zum Thema von Magda, z.B. “Fettcast #2: Fettenfeindliche Sprache und politische Selbstbezeichnungen“, “Warum der BMI scheiße ist (und ich kein Sellerie mag)” und “Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?!“. Im Dezember erklärte Katrin in einem Crosspost, warum der “Out-of-Bed-Look” nicht für alle Menschen eine wirkliche Option ist.

N wie NSU
Am 9. Juni jährte sich zum bereits zehnten Mal die Detonantion der Nagelbombe in der Kölner Keupstraße. Am 4. November jährte sich zum dritten Mal die “Selbstenttarnung” des NSU. In diesem Jahr lief der so genannte NSU-Prozess weiter, Ermittlungen laufen, aber zum einen ist es immer noch zu wenig, zu spät und zum anderen rütteln die Erkenntnisse (wie beispielsweise “Es habe eine direkte Anweisung [Anm.: von Werner Jakstat, heute Präsident des LKA Thüringen] gegeben, nichts über das NSU-Trio herauszufinden – daraufhin seien die Ermittlungen gestoppt worden.“) nur noch weniger auf. Doch auch nächstes Jahr wird es weitergehen. Der Komplex ‘Nagelbombenanschlag auf die Keupstraße’ wird so zum Beispiel am 20. Januar am Gericht in München behandelt werden. Die Initiative Keupstraße ist überall ruft zum gemeinsamen hinfahren auf.

O wie Oranienplatz und Ohlauerstraße
Vor zehn Jahren wurde die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union (besser bekannt als Frontex) eingerichtet. Seit 2012 gibt es in Deutschland zusehend größere und vernetzte Proteste von Refugees, die für ihre Rechte einstehen. Beispielhaft dafür ist das Camp am Oranienplatz und die besetzte Gehrhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauerstraße (beides in Berlin). Das Protestcamp am Oranienplatz wurde bereits am 08. April zum Großteil geräumt, die Auseinandersetzungen um die Schule spitzen sich ab dem 24. Juni zu. Anfang Juli fassten wir Artikel zu den Geschehnissen seit 2012 in dem Dossier “Dossier: Flucht, Asyl und Protest” zusammen. Im September verabschiedete der Bundesrat dann einen neuen “Asylkompromiss”. Und seit November sind die übriggebliebenen Bewohner_innen der Gerhart-Hauptmann-Schule wieder von einer Räumung bedroht – dazu transkribierte (und übersetzte) ich die Erklärung der Frauen des womenspace.

P wie “Pille danach” und reproduktive Rechte
Wie bei der > Frauenquote bewegte sich auch beim Thema “Pille danach” plötzlich etwas im November: Denn die Rezeptfreiheit rückte entscheidende Schritte näher. Doch das die “Pille danach” nicht das einzige Thema sein sollte, wenn es um reproduktive Rechte geht, haben accalmie Anna-Sarah, Nadia und ich bereits in unserem Podcast zu “Reproduktive Rechte im Kontext” Anfang Februar besprochen. In diesem versuchten wir das Themenfeld in seiner Komplexität etwas auszuloten, aufzuzeigen welche Aspekte eher fokussiert werden, welche kaum in größeren Debatten eine Rolle spielen und wie alles zusammenhängt. accalmie berichtete im September dann von den “My Body, My Choice – Raise Your Voice!” Protesten gegen den “Marsch Für Das Leben”. Im Oktober stand dann plötzlich ein ganz neues Thema auf der Agenda: “Social Freezing“.

Q wie queer_feministische Caring Communities
Wie füreinander Sorge tragen? Welche Voraussetzungen benötigt dies? Was muss bedacht werden? Gastautor_in Jay steuerte einen ausführlichen, nuancierten Text bei der die Möglichkeiten und Bedingungen von queer_feministischen Caring Communities herausarbeitete. Dabei heißt es: “To care bedeutet für mich Anteilnehmen, sich für Themen und Menschen interessieren, einander zugeneigt und zugetan sein, füreinander sorgen.” Siehe auch > Aktivismus.

R wie R.I.P.
Leider geht natürlich auch kein Jahr vorüber, in dem nicht die Tode von Aktivist_innen und Vordenker_innen zu betrauern sind. In 2014 hieß es unter anderem Abschied nehmen von:

S wie Shopping
Kein neues Thema, aber auch 2014 wieder aktuell. Bei *istisch werbenden Unternehmen wie Netflix oder Mentos kaufen wir nichts. Aber: Kann es überhaupt einen “guten”, “ethischen” Konsum im Kapitalismus geben und wie kann Aktivismus (nicht) aussehen, der sich gegen all die Aspekte kapitalistischer Produktionen wendet? Nadia schrieb über “Primark und die eingenähten Etikette” und ich wandte mich allgemeiner den genannten Fragestellungen zu. Siehe auch > Frauenquote und weitergehende Kapitalismuskritik.

T wie Toleranz
Bereits im Februar stellte Nadine fest: “Gerade wird im Zusammenhang mit Homo- und Trans*feindlichkeit viel über den Unterschied von Toleranz und Akzeptanz geschrieben. Toleranz doof, Akzeptanz gut. Nicht thematisiert wird die Heteronorm, die hinter beiden Worten steckt.” Doch nicht mal der erste Gedanke (dass ‘Toleranz’ nicht so großartig ist), ist in diesem Jahr weit gekommen: Stattdessen feierten die öffentlich-rechtlichen eine ‘Toleranzwoche’ mit einem Fail nach dem anderen.

U wie UN-Feminismus
Als das Time Magazine Ende dieses Jahres eine Liste erstellte von Wörtern, die für das Jahr 2015 gebannt werden sollten, stand “Feminismus” mit drauf. Das zog lautstarke Proteste nach sich (und das Magazin entschuldigte sich etwas), zeigt aber auch: Der Begriff Feminismus war dieses Jahr an vielen, vielen Orten anzutreffen. Und während sich im deutschen Feuilleton eher irgendwelche weiße Typen ihren von Feminismus ausgehenden Ängsten widmeten und dabei Hass verbreiteten, öffnete die UN das Podium für Emma Watsons Rede zu Feminismus. Angekommen im ‘Mainstream’? Was bedeutet das eigentlich und welche Lebensrealitäten bleiben bei diesem UN-Feminismus mal wieder außen vor? Welche Perspektiven werden mal wieder zentriert?

V wie Vergewaltigungskultur
Kein Jahr ohne Ereignisse, die diesem Themenkomplex zuzuordnen sind. Und eigentlich auch kein Jahr, in welchem nicht prominente Männer als Täter bekannt werden – und dies kaum Auswirkungen auf deren Rezeption hat. Anfang des Jahres ging es (mal wieder) um Woody Allen, zum Ende des Jahres liegt nun der Fokus auf Bill Cosby. Dazwischen wie immer viel Abwehverhalten. Nicht verwunderlich ist in diesem Zusammenhang eine Zahl: 8 Prozent. Acht Prozent entspricht dem Anteil der Verurteilten nach Anzeige wegen Vergewaltigung in Deutschland.

W wie Weltmeisterschaft
“Weltmeisterschaft” wird ja gern synonym für die Männer-Weltmeisterschaft im Fußball gebraucht. Und die fand in diesem Jahr in Brasilien statt. Im Zuge dieser gab es natürlich Sexismus in der Berichterstattung, Normalisierung von Nationalismus und in Brasilien ‘Stadtumstrukturierungen’ (mit heftigen Protesten dagegen). Und dann gewann auch noch das Team aus Deutschland und nationalistisches Gepose gehörte noch mehr zum Alltag. Dazu schrieb Gastautorin Sandra Charlotte: “So grölen die Deutschen: Warum Nationalismus nicht harmlos ist.

X wie x-mal das Gleiche
Alles schon mal diskutiert, alles schon dagewesen. Alles: Argh. Aktivismus schlaucht schon auch häufig, aber nicht immer aus den auffälligsten Gründen, manchmal auch allein durch die ständigen Wiederholungen von Debatten, Ereignissen und Reaktionen. Nadia schrieb pointiert über das Phänomen “Feminist Bore-Out“. Und accalmie wies darauf hin, dass es keine “Feministische Feuerwehr” gebe, die eine_r bei jedem *istischen Vorfall anrufen kann, bereit zum Löscheinsatz. Denn: “Aktivist_innen gehen nicht auf die Suche nach Diskriminierung. Diskriminierung holt Menschen ein, täglich; sie strukturiert diese Gesellschaft. Die neuesten -istischen Spitzen bekommt man durchaus mit, ob man möchte oder nicht – und sollte das mal nicht der Fall sein, ist es zumeist sowieso besser so. Wie gesagt: Neu ist an Sexismus oder Rassismus nichts.”

Y wie Yeahs für tolle Leute
Leider schafft man es nur selten auf all die tollen Aktionen und Leute zu verweisen, die sich rund ums Jahr einsetzen, neue Wege beschreiten und wunderbare Gedanken formulieren. In unserer Serie “Applaus für…” feiern wir (un)regelmäßig einige von ihnen, wie dieses Jahr beispielsweise die Demonstrant_innen, die Thilo Sarrazin eine Lesung im Berliner Ensemble erst gar nicht beginnen konnte, oder Laverne Cox, die es auf das Cover des TIME-Magazines schaffte. Eine besondere Runde Applaus geht natürlich auch an Malala Yousafzai, die als bisher jüngste Person (und erste Person aus Pakistan) den Friedensnobelpreis zugesprochen bekam.

Z wie Zivilcourage
Eine weitere mutige Person, die in diesem Jahr gestorben ist (> R.I.P) ist Tuğçe Albayrak. Sie war bei einem Übergriff eingeschritten und wenig später als Reaktion darauf tödlich verletzt worden. Daraufhin entbrannte eine Debatte über Zivilcourage. Nadia schrieb, warum das die falsche Richtung der Diskussion ist und wie wichtig es ist das Geschehen zu kontextualisieren.

Schlusswort

Und dann will ich das Jahr mit Gedanken und Wünschen beenden, mit denen wir 2014 starteten:

Und Silvester machen wir’s uns schön, und wir machen nix mit Vorsätzen und anderem Gedöns, und bei der Tagesschau schalten wir grundsätzlich um, weil Renate sagt: „Dieser ganze neo-liberale Scheiß! Das kann ich nicht am Kopp haben!“, und wir stricken Socken die niemals jemand anzieht weil wir sie einfach wieder aufribbeln werden, einfach, weil wir es können, und weil nicht immer alles einen Sinn haben muss, und wir prosten uns zu mit Schnaps und sagen: „Auf uns!“, und wir kauen ‘rum auf Schnittchen, und wir verbrennen die alten To-Do-Listen im Schnee, und Renate hat Kanonenschläge gekauft, und Julia Engelmann kommt mit einer Flasche Korn um die Ecke sagt: „Nächstes Jahr schlafe ich extra jeden Tag aus! Diese leistungsbetonte Spaßgesellschaft kann mich nämlich mal!“

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Posted by Gastautor_in

Jayrôme C. Robinet ist freier Autor und Spoken Word-Künstler. Gender fluid mit Variationshintergrund, weiß, wird in Deutschland meistens als Person of Color gelesen, Akademiker aus einer bildungsbürgertumsfernen Familie und besitzt die französische Staatsbürgerschaft. Auf Jayrômes Blog veröffentlicht er Gedichte, Analysen und Gedanken in schriftlicher und audio_visueller Form in französischer, deutscher und englischer Sprache.

Weihnachten kann eine ziemlich schwere Zeit sein, z.B. wenn die Erstfamilie nicht mehr da ist – aus welchem Grund auch immer. Da darüber hinaus Liebe und Akzeptanz nicht immer selbstverständlich sind, wird es in diesem Video zelebriert. Dies gilt aber nicht nur für die elterliche Liebe sondern darüber hinaus auch für das Ankommen in der Wahlfamilie.

Video in deutscher Lautsprache mit englischen Untertiteln. Darunter findet ihr die deutschsprachige Transkription des Textes.

Regie: Estelle Beauvais
Musik: Jef Guillon

***

Transkription des deutschen Textes

Das Licht ist weder richtig noch unrichtig

Früher habe ich Schminke-Schichten im Ton meiner Haut auf mein Gesicht
eingerichtet.

Früher habe ich mit einem richtigen Kajalpinsel eine Linie durch den Ansatz meiner
Wimpern gebahnt,
eine Kurve, die sich in eine Kante verwandelte.
Meine Wangenknochen bestreute ich Rosarot,
ein bisschen Lid unter dem Glitzer,
eine Puste Puder
und der rote Stift belebte mich von Mund zu Mund
von der einen Lippe zur anderen.

Früher kam es vor, dass Unbekannte und ihre Augen einen Schritt zurückgingen, um
mich besser zu mustern:
„Kann ich dich was fragen?
Also, mit meinen Kumpels und mir haben wir ein Bierchen gewettet:
Bist du eine Frau oder eine Tunte?“
Und ich antwortete:
„Ja.“

Heute stütze ich mich mit beiden Händen auf den Waschbeckenrand,
unweit der Katze, die den Wasserhahn anstarrt
und auf die entstehende Rundung eines Wassertropfens lauert.
Begeistert weht sie mit dem Schwanz hin und her,
als wäre es die US-Flagge und sie, die allererste Katze auf dem Mond.

Ich habe Angst.
Seit einem Jahr habe ich meine Eltern nicht mehr gesehen
und in fünf Minuten wollen sie zu Besuch kommen
in Begleitung der Gesamtheit ihrer prüfenden Blicke.

Der Wassertropfen stürzt und die Katze erschrickt und haut ab.
Es ist soweit.
Heute nehme ich den Rasierer in die Hand.

Um einen guten Grund zu haben, ihn zu gebrauchen, musste ich erstmal zum
Psychiater.
Daran kam ich nicht vorbei, denn das sieht das Gesetz vor.
Der Psychiater schlug mir nur wenige Fragen vor:

„Junge Frau, wollten Ihre Eltern etwa einen Jungen?
Vielleicht sind Sie auch einfach nur lesbisch?“

Herr Professor Doktor, wären Sie in der Lage,
ein Blatt Papier immer und immer wieder in immer winzigere Teile zu falten,
bis es irgendwann verschwindet?
Sehen Sie,
bei Sonnenaufgang belebt man sich manchmal selbst
und man denkt sich:
Jetzt reicht’s.
Vielleicht werden sich beim Lichteingang der Dämmerung des Morgenrots die
Geschlechter eines Tages abwechseln
so wie der Tag und die Nacht
oder auch die Jahreszeiten es tun.

Bis das passiert, bewilligte der Professor Doktor meine Testosteron-Therapie.
Seitdem ist einiges geschehen.
Jeder Muskel, jeder Stimmbruch, jedes Schnurrbarthaar wirken wie ein Wunder.

Gestern ging ich mit einem echten Lächeln in einen Laden
und wurde gleich angemacht:

„Hey, was grinst du so blöd?”

Heute, wenn ich Menschen in die Augen lächele,
wird es von Frauen als Flirten aufgefasst
und von Männern als Provokation.
Oder sie denken, ich sei Schwul –
was an und für sich nicht schlimm ist
aber die meisten Typen finden das anscheinend schlimm.

Und auch wie geht, steht, sitzt, pisst, tanzt oder trägt ein echter Kerl zehn Kilo
Katzenstreu?
Soll ich den Sack über die Schulter schmeißen und gemütlich laufen?
Den hinter dem Kopf tragen?
Unter dem Arm?
Einhändig vor dem Bauch?
Beidhändig vor’m Bauch?
In einer Hand baumelnd wie einen Aktenkoffer?
Oder vielleicht sind Männer einfach keine Katzenbesitzer.

In der Ferne höre ich das Klingeln an der Tür.
Bald stehe ich im Lichtstrahl der Augen meiner Eltern.
Das Licht ist weder richtig noch unrichtig.
Es sorgt für Helligkeit, nicht mehr und nicht weniger.

Wie gern hätte ich es ihnen erspart
im Bruch einer Sekunde begreifen zu müssen,
wofür ich so viele Jahre gebraucht habe.
Zahllose Jahre habe ich mich vergraben.
Ich versuchte, mich in den Wimpern der Anderen zu verstecken.
Ich redete und sprach Selbst-, Mit- und Doppellaute aus
aber das Schweigen war
unter den Buchstaben selbst
wie ein Riss inmitten all der Worte.
Und meine Stille
in Alarmbereitschaft.
Stille
wie umgekrempelter Lärm.
Stille
als Komprimierung von tausenden Schreien.
Stille
die zu jeder Sekunde in alle Richtungen hätte bersten können
als würden meine Stimmbänder im tiefsten Inneren des Rachens röhren.
Ich schieße eine Kugel Schaum in die Höhle meiner Hand.

Mit einem richtigen Rasierpinsel bahne ich mir eine Linie durch den Ansatz meiner
Wangen,
eine Kurve, die sich in eine Kante verwandelt.
Mein Gesicht schäume ich ein
im Ton meines Pfeifens,
und entdecke meine Wangen rosarot,
unter den Haaren ein bisschen Haut,
und da,
einen leichten Schnurrbart, der meinen Mund berührt.

Heute habe ich mich entschieden, mich darin zu üben, glücklich zu werden
und wie ein Blatt Papier mich zu entfalten.
In der Küche sitzen meine Eltern und trinken Kaffee in den alten Tassen vom
Flohmarkt.
In dem Augenblick, als ich ihnen zulächele, richtet sich auf mich ihr neuer
Blickwinkel.

Heute weiß ich es:
Sie werden mich weiter lieben.

***

Das Licht ist weder richtig noch unrichtig ist im Kultur- und Gesellschaftsmagazin Freitext erschienen.

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Posted by Gastautor_in

Dieser Text ist Teil 4 von 4 der Serie Die Emanzipation der Banane

Naekubi bloggt bei Danger! Bananas über das Leben von Asiat_innen in Deutschland, Kultur und Alltag, Rassismus und Feminismus, Selbstbewusstsein und Selbstverständnis. Wir freuen uns sehr, dass sie nun auch eine Kolumne bei der Mädchenmannschaft schreibt.

Das Thema “gute Unterhaltung” lässt mich nicht los. Jetzt, wo es wieder kalt und dunkel ist, bewege ich mich noch weniger aus dem Haus. Stattdessen sitze ich abends zu Hause, eingemummelt in Decken, und stopfe mich voll. Nicht nur mit Keksen, Lebkuchen oder Plätzchen, sondern mit Medien. Bücher, Serien, Filme. Blöd nur: Es schmeckt mir nicht mehr so wie früher. Filme und Serien, die ich früher bedenkenlos zu mir nahm, finde ich heute eklig und bisweilen ungenießbar. Sind die Medien schlechter geworden? Das denke ich nicht. Aber meine Perspektive hat sich verändert – ich bin älter geworden, was mit gewissen Begleiterscheinungen einher geht: Zum Beispiel, dass ich nicht mehr alles unkommentiert konsumiere, was mir vorgesetzt wird.

Früher, ja früher, da war das anders. Als ich jünger war, störte es mich nicht, wenn alte Klischees aufgewärmt und billige Tropoi verwendet wurden. Etwa wenn bei den Schlümpfen oder anderen Zeichentrickserien im Stammensemble genau eine Frau oder ein Mädchen war. AsiatInnen kamen nur als böse Ninjas vor oder als BesitzerInnen von China-Restaurants. Damals machte mir nichts aus, es war schließlich immer schon so gewesen, das war der Normalzustand. Gleichzeitig fiel es mir nicht einmal auf, wenn ausnahmsweise doch ein Mädchen Protagonistin war, wie bei “Clarissa”. Hauptsache, die Serie war unterhaltsam und bunt. Als Kind und Jugendliche ist man noch leicht zu beeindrucken. Konsumieren bedeutet schließlich, alles zu schlucken – was ich sehr zuverlässig und bereitwillig tat.

Mit dem Alter verfeinert sich der Gaumen und man lässt sich von künstlich aufgebauschten Produkten voller Farbstoffe und billiger Zutaten nicht mehr beeindrucken. Und es wird einfach umso deutlicher, wie langweilig, formelhaft und mies die Rezeptur vieler Medien ist. Nehmen wir zum Beispiel Firefly – eine zum Bedauern vieler Geeks kurzlebige Science-Fiction-Serie von Joss Whedon, die in einem amerikanisch-chinesischen Universum in der Zukunft spielt. Damals fand ich die Serie gut und unterhaltsam. Heute, beim nochmaligen Besehen frage ich mich, wie um alles in der Welt es mir nicht auffallen konnte, dass es für ein amerikanisch-chinesisches Zeitalter kaum chinesisch oder asiatisch aussehende ProtagonistInnen und StatistInnen gab. Chinesisch ist reduziert auf Flüche, die die ziemlich weiße Crew hin und wieder äußert. Oder Sherlock: So sehr ich die BBC-Serie schätze, so bescheuert fand ich den Teil “The Blind Banker”, wo wieder mal die olle asiatische Drachenlady als Bösewichtin und eine zarte Lotusblume als Köder herhalten mussten. Gähn.

Die Kekse von früher schmecken nicht mehr so wie damals, weil sie nicht so gut waren wie ich immer gedacht hatte. Und nicht nur mir geht es so: Erst letztens unterhielt ich mich mit meinem Schwesterherz über genau dieses Thema. Wir stellten fest, dass uns unsere Freizeitbeschäftigung durch Sexismus vermiest wurde. Was ich bei Serien und Filmen erlebte, sah sie bei Manga und Anime. Seit Jahrzehnten wird sie mit denselben stereotypen Frauenfiguren genervt, zuletzt von einem Anime über Fahrradfans namens Yowamushi Pedal: “Ich hab mich auch gefragt, wieso es in diesem Road Racing Club keine Mädchen gibt… und wieso das einzige Mädchen, das totale Fahrradenthusiastin ist, NICHT SELBST FÄHRT!!!” Auch in Manga und Anime sind Frauen gerade in gemischten Ensembles häufig nur Dekoration, das “Token-Mädchen” oder Love Interest. Selbst ein großer Cast von weiblichen Figuren bringt nicht viel, wenn es sich um einen Harem-Anime handelt – wenn also alle Frauen hinter dem einzigen Kerl her sind. Großartig. Die guten Angebote muss man daher mit der Lupe suchen, und selbst dann ist nicht alles perfekt. Ich greife nach jedem Strohhalm, wenn es um Unterhaltung geht.

Da wäre zum Beispiel die Serie Selfie mit John Cho und Karen Gillan, die ich trotz des fürchterlichen Titels unterhaltsam finde. Gillan spielt Eliza Dooley, eine (scheinbar) oberflächliche, Social-Media-abhängige junge Frau, die von Marketing-Guru Henry Higgs (Cho) bessere Manieren lernen und ein neues, besseres Image erhalten soll. Das klingt erst einmal nach “älterer Mann bringt dummer junger Frau etwas bei”, doch das legt sich sehr bald. Die beiden werden als vielschichtige Personen in einer Freundschaft gezeigt. Ich mag John Cho als “romantic interest” in dieser romantischen Komödie, denn wo gab es das das letzte Mal? Eben. Bezeichnenderweise wurde die Serie nach einer Staffel abgesetzt und die Chancen stehen schlecht, dass sie von einer Online-Plattform gerettet werden könnte. Boo-fucking-hoo. Zumindest die verbleibenden Folgen werden online veröffentlicht.

Eine andere Serie, die ich persönlich gut gemacht und unterhaltsam finde, ist Black-ish – sie versucht, die Schwarze Familien-Sitcom wiederzubeleben. Doch anders als die früheren Formate widmet sich die Serie dezidiert Fragen und Lebenswirklichkeiten von Afro-AmerikanerInnen, ohne dass man sich als Nichtangehörige/r ausgeschlossen fühlt oder keinen Zugang erhält. Die MacherInnen im Hintergrund treffen den Ton meistens sehr gut, die Witze haben ein gutes Tempo und Niveau erreicht, was auch an der hervorragenden Auswahl der KinderdarstellerInnen liegt. Diese Serie scheint auch von der Quote her ein großer Erfolg zu sein und ich hoffe auf weitere Folgen, schließlich ist der Winter noch lang.

Das sind derzeit genau zwei für mich genießbare Serien von einem Buffet an Medienangeboten aus dem Jahr 2014, das anscheinend nur aus altem Weißbrot von vorvorgestern besteht. Was mich dabei auf die Palme bringt, ist die offensichtliche Faulheit und Ideenlosigkeit der sogenannten Kreativen. Ich habe es satt, wenn Kreative schlicht und ergreifend zu den immer selben Rezepten greifen. Niemand muss das Rad neu erfinden, aber ein wenig Mühe geben erwarte ich schon. Es braucht nicht die x-te Story von dem weißen, männlichen, heterosexuellen Helden, der die Welt rettet und am Ende das Mädchen kriegt.

Ich wünsche euch allen deshalb ein inklusiveres Jahr 2015, in dem es mehr Charaktere mit unterschiedlichsten Lebenswelten auf den Bildschirm schaffen und weniger von den ollen Kamellen.

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Wer war… Hannah Arendt?

Dec. 18th, 2014 08:00 am
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Posted by Viruletta

Dieser Text ist Teil 44 von 44 der Serie Wer war eigentlich …

“Wenn man als Jude angegriffen ist, muß man sich als Jude verteidigen.”

Hannah Arendt, 1963. Dieses Bild wurde zur Verfügung gestellt von Ryohei Noda.

Hannah Arendt, 1906-1975. Hier im Jahre 1963.
Dieses Bild wurde zur Verfügung gestellt von Ryohei Noda.

Hannah Arendt war eine jüdische, deutsch-amerikanische Theoretikerin und Publizistin, die heute vor allem mit ihren Aufzeichnungen zum Eichmann-Prozess und dem daraus entstandenen Buch “Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen.” in Verbindung gebracht wird.

Kindheit und Jugend in Deutschland

Johanna Arendt ist am 14. Oktober 1906 als erstes und einziges Kind der säkular jüdischen Eltern Martha und Paul Arendt in dem deutschen Dorf Linden geboren worden und in Königsberg aufgewachsen. Durch den frühen Tod ihres Vaters wurde sie mit nur sieben Jahren zum Kind einer alleinerziehenden Mutter. Martha Arendt, die selbst in Paris studiert hatte, legte viel Wert darauf, Hannah eine gute Schulbildung zu ermöglichen, was zur damaligen Zeit für Mädchen noch keineswegs üblich war. Außerdem war es Martha wichtig, dass Hannah in der Schule aufgrund ihrer jüdischen Herkunft keine Benachteiligung erfuhr. Hannah erhielt die Anweisung, unverzüglich nach Hause zu kommen, wenn von Seiten des Lehrpersonals antisemitische Äußerungen getätigt wurden, egal gegen wen. In diesen Fällen schrieb Martha Arendt sofort einen Beschwerdebrief an die Schulleitung. Hannah lernte dadurch schon früh, sich nichts gefallen zu lassen.

Darüber hinaus begleitete sie ihre Mutter bereits mit 12 Jahren zu politischen Diskussionen. Sie wurde zu einer sehr rebellischen Schülerin und aufgrund dessen auch mit 15 Jahren von der Schule verwiesen, nachdem sie ihre Mitschüler*innen dazu aufgefordert hatte, den Unterricht zu boykottieren. Ihre Mutter, die nach wie vor absolut hinter ihr stand, schaffte es jedoch durch ihre guten Beziehungen, Hannah zu ermöglichen, auch ohne Abitur ein paar Jahre an der Berliner Universität zu studieren. Im Frühjahr 1924 durfte Hannah dann doch noch unter verschärften Bedingungen als Externe ihr Abitur ablegen – sie bestand mit glänzendem Erfolg und war ihrer alten Klasse damit sogar noch um ein Jahr voraus.

Studium bei Heidegger, Husserl und Jaspers

Nach dem Abitur ging Hannah nach Marburg, um dort bei dem jungen Privatdozenten Martin Heidegger zu studieren, mit dem sie kurz darauf eine Affäre einging. Hannah verließ Marburg jedoch schnell wieder, um bei Edmund Husserl in Freiburg zu studieren und anschließend in Heidelberg bei Heideggers Freund Karl Jaspers zu promovieren. Nachdem sie Ende 1928 mit nur 22 Jahren den Titel »Dr. phil.« erworben hatte, beschloss sie nach Berlin zu gehen und ein Buch über die Jüdin Rahel Varnhagen zu schreiben, was für sie zugleich eine Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte bedeutete.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Flucht nach Frankreich

Im Juni 1929 heiratete sie ihren Marburger Studienfreund Günther Stern, der ebenso wie sie aus einer säkular jüdischen Familie stammte. Als dieser im Februar 1933 erfuhr, dass die Nazis seinen Namen in Bertolt Brechts Adressbuch gefunden hatten, floh er nach Paris. Hannah blieb zunächst in Deutschland und begann auf die Bitte ihres Freundes Kurt Blumfeld hin, eine Sammlung antisemitischer Äußerungen in Deutschland anzulegen, um das Ausland darüber zu informieren, was in Deutschland vor sich ging. Die Sache war sehr riskant und führte dazu, dass Hannah und ihre Mutter zu einem Verhör vorgeladen wurden, weshalb sie acht Tage lang inhaftiert blieben. Obwohl sie glücklicherweise noch relativ unbeschadet aus der Sache herauskamen, stand für beide anschließend der Entschluss fest, aus Deutschland zu fliehen. Im August 1933 gelangten sie mithilfe einer tschechischen Fluchthilfeorganisation über Prag, Genua und Genf nach Paris.

Obwohl Hannah in Frankreich keine Arbeitserlaubnis besaß, gelang es ihr, bei einer jüdischen Organisation eine Anstellung zu finden. In diesem Zusammenhang reiste sie auch das erste Mal nach Palästina und war beeindruckt von der dortigen Aufbauleistung. Das zionistische Ziel eines eigenen jüdischen Staates lehnte sie jedoch ab. In Paris lernte die erst frisch von Günther Stern getrennte Hannah Arendt außerdem den ebenfalls aus Deutschland geflohenen Kommunisten Heinrich Blücher kennen, der 1940 ihr zweiter Ehemann werden sollte.

Lagerhaft und Ausreise in die USA

Im Herbst 1939 wurde Heinrich Blücher in das Sammellager Villemalard interniert, doch Hannah schaffte es durch ihre guten Beziehungen, ihn Ende des Jahres wieder nach Paris zu holen. Im Mai 1940 wurde dann auch Hannah aufgefordert, sich in das Lager Vel d’Hiv zu begeben, von wo aus sie zwei Wochen später in das Lager Gurs am Fuße der Pyrenäen verlegt wurde. Gurs war das größte der damals etwa 100 französischen Internierungslager und ein fast reines Frauenlager. Als die Insassen Mitte Juni erfuhren, dass die Deutschen Paris besetzt hatten, gelang  es Hannah mit etwa 200 weiteren Frauen, Entlassungspapiere zu fälschen und damit das Lager zu verlassen, was sich als ihre Rettung herausstellen sollte – viele der verbliebenen Insassen wurden später nach Auschwitz deportiert. Als Hannah anschließend in Montauban ihren Mann und ihre Mutter wieder traf, beschlossen die drei sofort, Einreisevisa für Amerika zu beantragen. Sie hatten Glück und konnten im April 1941 nach New York einreisen.

Auseinandersetzung mit dem Holocaust und dessen Einfluss auf ihr theoretisches Werk

Im August begann Hannah von New York aus für die deutschsprachige Zeitschrift Aufbau eine Kolumne zu schreiben, in der sie dafür plädierte, dass die Jüd*innen mit einer eigenen Armee in den Krieg eingreifen sollten. Erst Anfang 1943 erfuhr sie jedoch von dem kompletten Ausmaß des Holocaust und war zutiefst bestürzt und schockiert.

Das war wirklich, als ob der Abgrund sich öffnet. Weil man die Vorstellung gehabt hat, alles andere hätte irgendwie noch einmal gutgemacht werden können […] Dies nicht. Dies hätte nie geschehen dürfen. […] Da ist irgend etwas passiert, womit wir alle nicht fertig werden.

Sie begann sich intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen und entwickelte daraus später ihr Werk “The Origins of Totalitarianism” (“Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft”), in dem sie neben dem Nationalsozialismus auch den Stalinismus analysierte. Im Bezug auf die nationalsozialistischen Vernichtungslager entwickelte sie den Begriff des “radikal Bösen”, welches sie als etwas definierte, was Menschen weder bestrafen noch vergeben könnten. “Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft” galt schnell als bahnbrechendes Werk und Hannah wurde europa- und us-amerikaweit zu Vorträgen eingeladen. An der Universität von Princeton bekam sie das Angebot, als erste Frau dort Vorlesungen zu halten. Bald darauf folgten ähnliche Angebote aus Harvard und von der New York University. 1954 erhielt sie einen Literaturpreis der National Institutes for Arts and Letters, was ihr Ansehen noch verstärkte. Sie bekam daraufhin auch einen Lehrstuhl an der University of California angeboten. 1958 erschien ihr nächstes Buch “The Human Condition” (“Vita activa oder vom tätigen Leben”), in dem sie sich mit den Begriffen der Arbeit, des Herstellens und des (politischen) Handelns beschäftigte. Bereits nach vier Monaten waren alle Ausgaben vergriffen und das Buch musste neu aufgelegt werden.

Der Eichmann-Prozess und die Entwicklung der These einer “Banalität des Bösen”

1960 erfuhr Hannah Arendt, dass Adolf Eichmann, ein geflüchteter Nazi, der eine zentrale Rolle bei der Massenvernichtung von Jüd*innen während des zweiten Weltkrieges gespielt hatte, vom israelischen Geheimdienst in Argentinien aufgegriffen und nach Jerusalem gebracht worden war. Dort sollte ihm der Prozess gemacht werden. Sie wandte sich sofort an die Zeitschrift The New Yorker und fragte an, ob diese sie als Prozessberichterstatterin nach Jerusalem schicken würde. Ihr Angebot wurde ohne zu zögern angenommen. Am 11. April 1961 begann der Prozess, dem Hannah von Anfang an beiwohnte. Sie war überrascht von dem Eindruck, den Eichmann auf sie machte – sie hatte damit gerechnet, im Gerichtssaal einem “Ungeheuer” zu begegnen, stattdessen sah sie sich mit einem “Hanswurst” konfrontiert. Nichtsdestotrotz sah sie in ihm keine Randfigur, sondern einen typischen Nazi. Mitte Dezember wurde Eichmann zum Tode verurteilt, am 31. März 1962 wurde das Urteil dann vollstreckt. Ein Jahr später, am 16. Februar 1963, erschien Hannah Arendts mit Spannung erwarteter erster von fünf Artikeln über den Eichmann-Prozess im New Yorker.

Die Artikel führten sogleich zu heftigen Kontroversen. Zum einen hatte Hannah Arendt darin ihren früheren Begriff vom “radikal Bösen” durch den der “Banalität des Bösen” ersetzt, was von vielen als verharmlosend empfunden wurde. Zum anderen diskutierte sie dort die Rolle von Judenräten im Nationalsozialismus, welche sich an Deportationen beteiligt hätten. Sie wurde aufgrund ihrer Artikel von mehreren jüdischen Organisationen heftig kritisiert und auch einige sehr enge und langjährige Freund*innen wandten sich von ihr ab. Hannah litt unter den Folgen, die ihre Artikelreihe ausgelöst hatte, und doch sagte sie in einem Interview mit Günter Gaus (siehe unten), in dessen Sendung Zur Person sie ebenfalls als erste Frau eingeladen war, sie hätte das Buch auch angesichts der Reaktionen nicht anders geschrieben, ja schreiben können.

Sehen Sie, es hat mich jemand gefragt: Wenn Sie das und das vorausgesehen hätten, hätten Sie das Eichmann-Buch nicht anders geschrieben? Ich habe geantwortet: Nein. Ich wäre vor der Alternative gestanden zu schreiben oder nicht zu schreiben. Man kann ja die Schnauze halten.

Engagement und wissenschaftliche Tätigkeit der späten Hannah Arendt

1963 hatte Hannah Arendt noch ein weiteres Buch veröffentlicht, was in der Eichmann-Affäre jedoch untergegangen war. Es trug den Titel “On Revolution” (“Über die Revolution”) und beinhaltete einen Vergleich der Französischen mit der US-amerikanischen Revolution.

Im Zuge des Vietnam-Krieges kam es unter anderem an der Universität Chicago, an der Hannah Arendt zu diesem Zeitpunkt lehrte, zu Studierendenprotesten. Hannah Arendt beteiligte sich an den Diskussionen und unterstütze das Anliegen der Studierenden, mehr Mitspracherecht an der Universität zu erhalten. Außerdem verfasste sie ein Essay über Die Lüge in der Politik, in dem sie die Ansicht vertrat, die USA würden diesen Krieg in erster Linie für ihr Image führen, um sich als größte Macht der Welt zu inszenieren. Das Essay fand ein großes Echo und sorgte erneut dafür, dass Hannah von vielen Universitäten eingeladen wurde, um über dieses Thema zu referieren.

1973 begann Hannah Arendt Vorlesungen an der Universität von Aberdeen in Schottland zu halten, die zur Grundlage einer Fortführung ihres Werkes Vita Activa werden sollten, diesmal mit dem Fokus auf die Begriffe des Denkens, Wollens und Urteilens. Leider konnte Hannah das Buch jedoch nicht mehr selber fertig stellen, denn sie starb am 04. Dezember 1975 in ihrer Wohnung in New York in Gegenwart zweier Freund*innen an einem Herzinfarkt. Die Urne mit ihrer Asche wurde auf dem Friedhof des Bard College, an dem ihr einige Jahre zuvor verstorbener Ehemann Heinrich Blücher viele Jahre gelehrt hatte, neben dessen Urne beigesetzt.

Eine umstrittene Persönlichkeit

Hannah Arendt ist bis heute keine unumstrittene Person. Neben der im Kontext des Eichmann-Prozesses geäußerten Kritik sind vor allem ihre Rassismusanalysen in großen Teilen schwierig. So sucht sie den Ursprung für Rassismus bei den diskriminierten Personen, und nicht bei den diskriminierenden Personen. Darüber hinaus lehnte sie gemeinsame Schulen für Schwarze und weiße Kinder ab, mit der Begründung, dies sei eine Angelegenheit, die in der Politik und nicht in der Gesellschaft verhandelt werden müsse. Auch ihre Position zum Feminismus ist durchaus widersprüchlich. Außerdem wird Arendts Werk aufgrund ihrer konsequenten Ablehnung jeglicher Ideologien oftmals für den Gebrauch von Extremismustheorien instrumentalisiert. Was ihr trotz all der berechtigten und wichtigen Kritik jedoch keineswegs abzusprechen ist, ist dass sie sich zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens für das eingesetzt hat, was sie für richtig hielt – und zwar ungeachtet jeglicher Konsequenzen, selbst dann noch, wenn sich daraus eine Gefahr für ihr Wohlergehen und nicht zuletzt auch ihr Leben ergeben konnte.

Wir fangen etwas an; […] Was daraus wird, wissen wir nie. […] Das gilt für alles Handeln. Einfach ganz konkret, weil man es nicht wissen kann. Das ist ein Wagnis. Und nun würde ich sagen, daß dieses Wagnis nur möglich ist im Vertrauen auf die Menschen. Das heißt, in einem – schwer genau zu fassenden, aber grundsätzlichen – Vertrauen auf das Menschliche aller Menschen. Anders könnte man es nicht.

(Alle hier aufgeführten Zitate entstammen dem unten verlinkten Gespräch mit Günter Gaus. Die restlichen Informationen sind in erster Linie der Biographie “Hannah Arendt oder die Liebe zur Welt” von Alois Prinz entnommen.)

Zum Weiterlesen/ -hören:

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Posted by Gastautor_in

MJK Cover 2015-1Judith gibt den Mädchenjahreskalender mit heraus, der dieses Jahr zum zweiten Mal erscheint.

Im März 2013 verbrachte ich mit meiner besten Freundin Luisa einen langen Sonntag im Schlafanzug, an dem wir irgendwann die Idee zu einem Projekt hatten, über das ich hier berichten möchte. Inspiriert von einem Ringblock-Kalender mit feministischen Zitaten, den Luisas Mutter während ihrer Studienzeit mit einer Freundin für ihre Kommilitoninnen gemacht und im Kopie-Shop vervielfacht hatte, endeckten wir die Marktlücke des schönen Taschenkalenders mit inhaltlichen Anspruch für Jugendliche und fingen mit dem Brainstormen an. Irgendwie stießen wir auf den Aufruf, Förderanträge zusammen mit dem Konzept für das eigene Jugendprojekt einzureichen. Beides verfassten wir völlig gestresst in der Nacht und schickten viel zu spät ab. Trotzdem wurden uns rund 4,5 Tausend Euro vom Jugenddemokratie Fonds Berlin genehmigt. Zur Umsetzung haben wir uns in unserem Freundeskreis umgesehen und Coco, Marthe, Nina und Helene gefragt. Da haben wir zum Glück eine fantastische Entscheidung getroffen, weil wir, zu mindestens meist, als Team sehr gut funktionieren und uns und unser Projekt mit unseren Ideen gegenseitig weiterbringen.

Was unser Konzept ausmacht ist, dass wir versuchen andere Mädchen auf Augenhöhe für politische und vor allem feministische Themen zu begeistern bzw. zur Auseinandersetzung zu motivieren. Dabei sind monatlich abwechselnd ein Portrait einer inspirierenden Feministin zu lesen oder ein Essay zu gesellschaftlichen Themen, mit denen wir die Auseinandersetzung wichtig, interessant und herausfordernd finden. Sie sind eingebettet in ein detailliert-gestalteten und gelayouteten Taschenkalender, indem zusätzlich historische Daten stehen. Rosa haben wir als Farbe gewählt, weil wir zeigen wollen, dass diese Farbe für starke intelligente emanzipierte Frauen stehen kann. Feminismus bedeutet für uns die Freiheit, zu tun, zu mögen und zu lassen was man möchte. Uns geht es dabei um die Würde und das Selbstbewusstsein einer Generation und wir möchten anregen, sich mit den Ideen und Idealen der Frauenbewegung auseinander zu setzen und sich nicht von Vorurteilen aufhalten zu lassen.

Was unser Projekt auch ausmacht, ist das wir alle befreundet sind und auch alle noch in die Schule gehen und nebenbei eben völlig unabhängig und selbstständig unser Projekt verwirklichen. Wir machen alles selber: von der inhaltlichen wie gestalterischen Konzeption und Ausführung, über die Besprechung dieser und die notwenige Recherche, bis hin zum Pressemittelungen schreiben und die Buchläden anfragen und beliefern. Für das Layout haben wir eine professionelle Layouterin, die wir für die Ausführung unserer Vorstellungen bezahlen und in unseren Freundeskreisen haben wir uns Leute zum Lektorieren gesucht.

Im Dezember 2013 haben wir den „Mädchenjahreskalender 2014“ herausgebracht, der innerhalb von 2 Wochen ausverkauftMJK Notizseite-1 war. Im Mai 2014 haben wir dann die Goldene Göre – Deutschlands höchstdotierten Preis für Kinder-und Jugendbeteiligung gewonnen. Dank dem Preisgeld waren wir in diesem Jahr finanziell ebenfalls in der Lage einen Mädchenjahreskalender 2015 herauszubringen. Dieser ist am 1.12. erschienen und ist in über 30 Läden in Berlin erhältlich. Unserem Konzept sind wir treu geblieben, haben die Inhalte aber zum Beispiel durch Interviews mit mit u.a. Meredith Haaf und Kübra Gümüsay, sowie einem Do it Yourself-Guide erweitert, in dem wir sieben Tipps geben, die einem ein wenig mehr Autonomie im alltäglichen Leben ermöglichen sollen – vom Fahrradreifen wechseln, über Selbstbefriedigung bis hin zu den Basics der Selbstverteidigung.

Oft werden wir auch von Jungs angesprochen, wann es endlich einen JJK geben wird, bisher halten wir aber daran fest, dass wir es für wenig sinnvoll halten, einen Kalender mit Inhalten von Mädchen für Jungs zu machen. Trotzdem ist der MJK natürlich für jede_n – egal welchen Alters und Geschlechts – ein Mädchen muss man nicht unbedingt sein!

Wie es zukünftig weitergeht, steht momentan noch in den Sternen. Vorerst müssen wir natürlich darauf hoffen, dass sich die 1200 Exemplare des Kalenders gut verkaufen. Außerdem werden Coco, Nina und ich kommenden Sommer unser Abitur machen und danach wahrscheinlich nicht mehr in Berlin sein. Wie gut sich Auslandsjahr und ein so aufwendiges Projekt vereinbaren können, wissen wir nicht und ob wir den Versuch wagen wollen, müssen wir uns noch überlegen. Ideen für einen MJK ‘16 hätten wir aber auf jeden Fall…

Den Projektverlauf und unsere Chronik der Erfolge und Stolpersteine kann man auf unserer Facebookseite, vorallem aber auf unserem Tumblr nachvollziehen. Bestellen kann man den Kalender über maedchenjahreskalender(at)posteo.de.

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Posted by der Mädchenmannschaft

Dieser Text ist Teil 260 von 260 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Am Montag marschierten an die 15.000 Pegida-Anhänger_innen (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) durch Dresden. Die Parolen sind klar rechts, rassistisch und islamophob. Die taz ist mitgelaufen und schreibt über das Selbstverständnis der Mitmachenden. Die Süddeutsche berichtet vom Symposium “Grenzen im politischen Meinungskampf – Zum Umgang mit rassistischen Vorurteilen und Diskriminierungsideologien”, welches sich auch mit Pegida auseinandersetzte.

Die taz hat ein Interview mit der Islamwissenschftlerin Noha Abdel-Hady geführt. Sie untersucht die Rolle weiblicher Gelehrter im Islam. 

Warum ich für meinen Sohn Weihnachtsfiguren mit dunkelbrauner Hautfarbe bestelle“: Wie Kinder Rassismus erfahren, reproduzieren und verarbeiten,  erzählt Tupoka Ogette beim Migazin.

“Alleinerziehende und Hartz IV Alltagskampf bis zur Erschöpfung” - bei Deutschlandradio Kultur gibt es einen Beitrag über viele der strukturellen Faktoren, die sog. alleinerziehende Mütter und ihre Kinder in Armut halten.

In der sog. Düsseldorfer Tabelle ist geregelt, wieviel Geld zum Lebensunterhalt Kindern zusteht. Diese Tabelle ist nun angepasst worden – allerdings zugunsten der unterhaltspflichtigen Personen. Von denen die Mehrheit derzeit getrennt lebende Väter sind, die wiederum oftmals ohnehin nicht, nicht regelmäßig oder zu wenig Unterhalt für ihr(e) Kind(er) zahlen, obwohl sie statistisch finanziell von einer Trennung oft profitieren. Der Deutsche Juristinnenbund kritisiert daher die Entscheidung.

Türkisch, deutsch, lesbisch, feministisch: Ein schönes Interview von FrauTV mit Dj Ipek zu Identität und gegen eindimensionales Schubladendenken.

neues deutschland veröffentlicht einen ausführlichen Nachruf auf die Refugee-Aktivistin Mimi.

Beim Missy Magazine kritisiert Katrin Gottschalk den Zeit-Kommentar “Menstruationscomics, nein danke”, der sich, “wie so viele andere, am Image des Feminismus” abarbeite, “anstatt sich mit seinen Inhalten zu beschäftigen.”

englischsprachige Links

18 Badass Women You Probably Didn’t Hear About In 2014” hat Buzzfeed zusammengestellt.

In dem neuen Dokumentarfilm “Regarding Susan Sontag” verbindet Nancy Kate Tagebucheinträge von Sontag mit selten gezeigtem Archivmaterial von Auftritten, Interviews und aus den Städten, in denen Sontag lebte. Autostraddle bespricht den Film.

Beim Guardian schreibt Chelsea Manning über legale, insitutionelle und bürokratische Vorschriften/ Strukturen, die trans* Personen immer wieder Gewalt aussetzen: “Despite bureaucratic assumptions, we exist. […] the problem is not just inclusion or equal opportunities in institutions like government identification systems or voting – because such systems are inherently, if indirectly, biased to favor high income, straight, white, cisgender people. How can trans people change a system to which we don’t even have access?”

Schon mal von Lilly Yokoi gehört? Bust stellt die Fahrradakrobatin quasi als Vorgängerin all jener, die jetzt Tricks auf dem BMX machen, vor.

“We are Black Women, AfroIndigenous and women of color who have organized a social media Blackout.” – Aktivistinnen zur Aktion #ThisTweetCalledMyBack, unbezahlte Bildungsarbeit und den gewaltvollen Backlash.

Melissa McEwan hat auf Shakesville einen neuen Beitrag in der Serie “Hilfreiche Tipps für Typen”, die sich weniger sexistisch verhalten wollen, veröffentlicht.

französischsprachigesprachige Links

Die queer-feministische Organisation Queer African Youth Network veröffentlichte im Rahmen der Kampagne “16 Day Against Gender-Based Violence” 16 Geschichten von lesbischen_queeren Frauen aus den frankophonen Ländern Westafrikas und Kamerun.

Termine

17.12. in Berlin, ab 16:30 Friedrichstraße/links neben Friedrichstadtpalast: Die Geburtshilfe steht vor dem Aus. #zappenduster – eine Demo der Hebammen.

17.12. in Berlin, 18:00 – 20:00 Kurfürstenstraße/Ecke Frobenstraße : Gedenken von Berliner Sexarbeiter*innen gegen Gewalt anlässlich des Internationalen Tags zur Beendigung von gegen Gewalt gegen Sexarbeiter_innen

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Chemistry

Dec. 3rd, 2014 01:51 pm
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Posted by kerithwyn

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Sometimes, it’s just this easy.

Words: 1668, Chapters: 1/1, Language: English

Mein Körper – (k)ein Politikum

Dec. 16th, 2014 08:00 am
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Posted by Gastautor_in

Dieser Text ist Teil 33 von 33 der Serie (Mein) Fett ist politisch

Der folgende Beitrag erschien bereits auf Don’t degrade Debs, darling!  - wir bedanken uns für die Erlaubnis zum Crossposting!

Teil feministischer Arbeit ist oft, neben dem Blick auf Gesellschaft, auch ein Blick auf sich selbst. Ein kritischer Blick, wie im optimalen Falle auch ein fürsorglicher. Ich habe an einem Workshop teilgenommen, der diesen fürsorglichen Blick im Fokus hatte. Es ging um Emotionen als Teil aktivistischer Arbeit und um Körperarbeit als Teil feministischer Arbeit.

Es war ein guter Workshop, dass möchte ich vorab deutlich sagen, aber verlassen habe ich ihn letztendlich aufgewühlt, hilflos und wütend.

Wenn eine Arbeit mit und über Körper nicht bedenkt, dass verschiedene Körper verschiedene Realitäten erleben, führt diese Auseinandersetzung für bestimmte Körper möglicher Weise zu dem erneuten Erleben von Gewalt. Es fängt bei Kleinigkeiten an. Wenn Übungen gemacht werden sollen, die nicht jede Person machen kann, zum Beispiel. Auch wenn es „okay“ ist nicht mitzumachen, wird häufig nicht bedacht, was ein Am-Rand-Stehen und als einzige nicht teilzunehmen auslösen und reproduzieren kann. Ein Beispiel aus dem Workshop: Es war eine „einfache“ Übung, die ich aber aufgrund meines Bandscheibenvorfalls nicht machen konnte. Ich musste abbrechen und stand dann daneben. Ich fühlte mich an Schulzeiten erinnert. Das dicke oder das „kranke“ Kind, dass im Sportunterricht nicht mitmachen kann. Weil es aus verschiedenen Gründen nicht springen oder über den Bock hüpfen kann. Es fühlt sich peinlich und unangenehm an. Ich weiß, was die anderen Schüler_innen und die Lehrer_innen denken. Es ist schließlich selbstverständlich, dass der dicke Körper „krank“ oder der „kranke“ Körper dick und egal wie rum unsportlich ist (der gesamte Satz ist sarkastisch zu verstehen). Sportlichkeit ist wichtig. Es nicht zu sein, ein Makel. Im Sportunterricht daneben zu stehen, weil ich aufgrund meines Körpers vieles nicht machen kann oder will und zu wissen bzw. zu hören, welches Bild das bei anderen produziert ist ein Trauma, dass tief sitzt und ich weiß, dass es vielen Menschen so geht, die mit bestimmten Körpern zum Sportunterricht gehen mussten, aber nicht teilnehmen konnten_wollten. Sportlich und fit zu sein, ist von klein auf ein menschliches Qualitätsmerkmal. Warum werden solche Sachen bei körperlichen Übungen nicht thematisiert? Warum ist es selbstverständlich, dass bei „einfachen“ Übungen alle mitmachen können? Warum glauben Leute, es ist okay, einfach nicht mitzumachen, wenn es nicht geht? Wissen sie, dass es oft nicht okay ist, weil es oft nicht okay war?

Diese Übungssituation hat das erste Mal an diesem Tag dazu geführt, dass ich mich unglaublich unwohl und ungesehen gefühlt habe.

Als dann der Körper als Aspekt der Selbstfürsorge tatsächlich in den Mittelpunkt gerückt ist, habe ich den Raum verlassen, weil Körperrealitäten und Gewalt im Bezug auf Körperwahrnehmung dabei oft nicht bedacht werden. Mein dicker und seit meiner Kindheit häufig „kranker“ Körper steht gegen meinen Willen ständig im Fokus. Und ständig glauben Menschen mir sagen zu müssen, was gut und wichtig für mich ist. „Selbstfürsorge“ wird von Außen verlangt, weil ein dicker Körper Menschen glauben lässt, mensch schätze sich selbst nicht genug und wer krank ist, muss schnell wieder gesund werden. Von dem Paternalismus anderer, was ich tun und lassen muss, mal ganz abgesehen.

Das Muss, sich mit dem eigenen Körper auseinander zu setzten, um fürsorglich sein zu können, empfinde ich als außerordentlich ignorant und gewaltvoll. Denn eine Zwangsauseinandersetzung erlebe ich tagtäglich. Online aktiv zu sein, war eine Möglichkeit meinen Körper aus dem Fokus zu ziehen. Beziehungsweise meinen Körper selbstbestimmt zu thematisieren.

Dabei verstehe ich sehr wohl, warum Körperarbeit als Teil feministischer Arbeit verstanden werden kann, aber bestimmte Menschen sind ohnehin ständig gezwungen sich mit ihrem Körper auseinanderzusetzten, weil der eigene Köper ständig Gegenstand der Betrachtung und Bewertung anderer ist. Die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper zur Pflichtkür feministischer Auseinandersetzung zu machen, denkt das nicht mit.

Oft habe ich auch die Befürchtung, dass wenn der Körper im Fokus der Selbstfürsorge steht, der Gedanke entsteht: Ist der Körper gesund, stark, fit, ist auch die Aktivistin gesund, stark, fit. Das ist schon in diese Richtung falsch (ganz zu schweigen davon, warum gesund, stark, fit erstrebenswert sein muss), in die andere Richtung wird es noch fataler: Ist der Körper krank, schwach, nicht fit, ist es auch die Aktivistin (nicht).

Dies wird auch deutlich, wenn Sätze fallen, wie „sie (die Aktivistinnen) achten vor Stress nicht mehr auf sich und essen ‘shitty things'”. Denn „shitty things“ essen kann für Menschen auch eine Errungenschaft und unglaublich empowernd sein. Wenn ich mich gut fühle, esse ich Pommes in der Öffenbtlichkeit und freue mich drüber. Wenn es mir schlecht geht, ertrage ich mögliche Kommentare nicht und lasse essen in der Öffentlichkeit häufig ganz. Handlungen und Ernährung, die im hegemonialen Diskurs als „gesund“ gelten, gehen gedanklich viel zu häufig Hand in Hand, wenn es um den Aspekt der Selbstfürsorge geht.

Als Grund, warum die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper so wichtig ist, hat die Workshopleitung immer wieder das Vergessen des eigenen Körpers benannt. Ganz ehrlich: Tage, an denen ich meinen Körper vergessen kann, sind Grund für Pommes und Champagner! Es sind gute Tage! Denn meistens kann ich meinen Körper nicht vergessen! Genauso wie viele andere Menschen das nicht können, weil sie aufgrund von fatshaming, trans*feindlichkeit oder Rassismus kommentiert, angestarrt und be_ver_urteilt werden. Überrascht es, dass dieses Beharren auf die Betrachtung des eigenen Körpers von einer weißen, schlanken, agilen Cis-Frau kommt? Eher nicht. Es macht mich wütend wenn ich merke, dass über Körper gesprochen, aber nicht an Körper gedacht wird.

Die Übung, die mich dann letztendlich vor Wut zum Weinen gebracht hat, war eine, bei der eine Silhouette gemalt wird und dann soll anhand von Schmerzen, Unwohlsein und Verspannungen nachgespürt und eingezeichnet werden, wo schlechte Gefühle und Emotionen sitzen. Warum soll ich noch mehr Negatives mit meinem Körper verbinden? Das empowert mich nicht! Als ich das angemerkt habe und gefragt habe, wie ich Positives in meinem Körper spüren und einzeichnen kann, wurde das so interpretiert, als würde ich so leiden, dass ich mich nach einem guten Körpergefühl sehne. Es wurde nicht verstanden, dass es gute Gründe gibt ,nicht zusätzliche Negativ-Verbindungen zum eigenen Körper aufzubauen, weil es die schon zur Genüge von Außen gibt. Statt dessen wurde es als wichtiger „Heilungsprozess“ betitelt und meine Bedenken, meine Tränen, meine Wut gegen diese Verkörperlichung von Selbstfürsorge und meine Kritik nicht verstanden. Warum fällt es so schwer zu verstehen, dass ich, wenn ich Gewalt aufgrund negativer Zuschreibungen in Bezug auf meinen Körper erfahre, es nicht als heilend empfinde den negativen Punkten meines Körpers nachzuspüren? Warum wird meine Frage nach den Orten der positiven Gefühle in meinem Körper abgetan als weniger reflektiert, weniger achtsam, weniger heilend, als Ausdruck meiner Verzweiflung meinem schmerzenden Körper gegenüber? Warum muss mein Körper Ort der Heilung sein? Warum wird nicht verstanden, dass ein dicker Körper ständig mit Angst, Abwehr, Trauer, mit negativen Emotionen assoziiert wird? Ich also wegen meines Körpers und gesellschaftlichen Vorstellungen früh gelernt habe negative Emotionen in meinem Körper zu verorten und ihn in seiner Erscheinung und seinem Wirken als Folge dieser schlechten Einflüsse und Gefühle zu sehen? Warum ist mein schmerzender Körper ein Aufgabenfeld, ein zu verhandelndes und zu bearbeitendes Politikum? Warum ist mein schmerzender Körper in seiner Berechtigung, in seinem krank_sein- und schwach_sein- und nicht_da_sein-dürfen KEIN Politikum? Warum sagen am Ende eigentlich alle wie toll und bereichernd sie es fanden, während ich weine und mich unverstanden und alleine fühle? Warum verstehen es am Ende dann doch noch viele aus der Runde, nur die weiße, schlanke, agile, sportliche Cis*-Frau, die Selbstfürsorge zu ihrem Lebensinhalt gemacht hat und mit anderen dazu arbeitet scheinbar nicht. Tja… warum nicht… Weil für sie scheinbar bestimmte Körperrealitäten (k)ein Politikum sein können.

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Out of Time

Dec. 15th, 2014 09:59 am
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Posted by beautyofsorrow

by

"They are here, and Etta is not." Peter & Olivia post-Purge, leading up to the split.

Words: 3607, Chapters: 1/1, Language: English

Down The Rabbit Hole

Dec. 15th, 2014 07:13 am
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Posted by cotillion66 (C0tilli0n)

by

In which Agent Phillip Broyles stumbles into the unexpected...

Words: 10590, Chapters: 1/1, Language: English

Token

Dec. 3rd, 2014 01:50 pm
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Posted by kerithwyn

by

A missing scene, a glimmer of possibility.

Words: 902, Chapters: 1/1, Language: English

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Posted by Gastautor_in

Dieser Text ist Teil 89 von 89 der Serie Die Feministische Bibliothek

Julia Roßhart ist Lektorin für feministischen, lesbischen und queeren Text und promoviert zu anti-klassistischen Interventionen in der Frauen-/Lesben­bewegung der BRD. Zur Erholung liest sie Fiktionales. Und gärtnert. Julia verschlingt lesbisch_trans_queere Neu­erscheinungen – Belletristik! – und schreibt bereits Empfehlungen und Rezensionen unter der Überschrift Lesbisch_queere Bücherwelten für die feministische Online­buch­handlung FEMBooks. Auch für die Mädchenmannschaft stellt sie von nun an Empfehlens­wertes zusammen.

In wissenschaftlichen Neuerscheinungen der Gender und Queer Studies taucht der Begriff Lesbe nur randständig auf. Gilt wohl als zu identitäts­politisch. Oder zu alltäglich, ‚gewöhnlich‘? Vielleicht auch zu 80er oder – naja, zu lesbisch halt. Ausnahme aus 2014: Perverse Bürgerinnen. Staatsbürger­schaft und lesbische Existenz von Christine M. Klapeer (Ich habe es noch nicht gelesen, deshalb kann ich nicht mehr dazu sagen als: klingt vielversprechend!).

In der Belletristik sieht es etwas anders aus, was lesbische Präsenz angeht. (Das haben wir vor allem den alten und neuen lesbischen und queeren Verlagen zu verdanken.)

Acker auf den SchuhenEinen sehr berührenden und politisch überzeugenden Lesben­roman hat im vergangenen Jahr Peggy Wolf geschrieben: Acker auf den Schuhen, vom Berliner Querverlag veröffentlicht. Die einzige lesbische Protagonistin, Susann, taucht in Persona allerdings nie auf, sondern lediglich in den Erinnerungen der anderen ProtagonistInnen. Susann ist nämlich tot – sie hat ihr Leben beendet. Warum, darüber schweigt das familiäre und dörfliche Umfeld beharrlich. Wie einst Susann, findet sich die_der Leser_in in eine Umgebung gebannt, die geprägt ist durch alltägliche, still­schweigende, kaum gebrochene Hetero­normativität – alleine. Die Geschichte, die Peggy Wolf überzeugend erzählt, ist ein fiktional umgesetztes, schmerzhaftes Stück lesbischer Geschichte und auch Gegenwart.

Die wundersamen Weltraumabenteuer von Helen Hayer und Christine de CastelbaraqueEher spaßig kommen indessen Die wundersamen Weltraum­abenteuer von Helen Hayer und Christine de Castelbaraque daher, von der Autorin Judith Jennewein, 2013 beim jungen, queeren Wiener Verlag zaglossus erschienen. Eine zweifellos (mehr als) unterhaltsame lesbische Science-Fiction-Geschichte. Besondere queer-feministische Schmankerl sind: varianten­reiche Formen von Geschlecht­lichkeit – je nach Zeit­dimension und Planet!– , die sprach­politisch ebenso viel­fältig umgesetzt werden; feministische ‚Ur-Themen‘ wie Reproduktions­technologien; dazu eine Portion Kapitalismus­kritik. Verpackt ist das Ganze in ein Weltall-Reise­abenteuer, das zugleich eine Liebes­geschichte ist, und dabei: voller origineller Ideen mit Witz, die eine_n zum Schmunzeln, manchmal sogar zum Lachen bringen.

Windmühlen auf dem WeddingEin kluger Lesbenroman zum Thema Gentrifizierung erschien 2014 beim Berliner Lesben­verlag Krug und Schadenberg: Windmühlen auf dem Wedding von Astrid Wenke. Das Haus im Berliner Stadtteil Wedding, in dem Sybilla Kischotta wohnt, wird gerade verkauft, Eigen­tumswohnungen sollen es werden; und die Betreiberinnen der nahe­gelegenen Stamm­kneipe haben eine saftige Mieterhöhung im Briefkasten – Berliner Verdrängungs­alltag und Weddinger Kiezgeschichte.

Es ist nicht die ganz schlimme Verdrängungs­realität – Entmietung um jeden Preis, Zwangs­räumung, Obdachlosigkeit –, die Astrid Wenke hier erzählt. Die Haupt­figuren können der Verdrängung widerstehen: mal aufgrund von Geld­privilegien, mal aus purem Glück, mal durch gegenseitige Unter­stützung und Organisierung. Es ist eben nur eine Geschichte.

Eine große Stärke des Romans liegt im Nachspüren von alltäglichen Klassen­beziehungen und damit verbundenen Wider­sprüchen. Da ist einmal Kischotta selbst: mit kleinem Einkommen und kleiner Wohnung, aber bildungs­bürgerlicher Herkunft. Da ist die Tango tanzende Amalia, in die sich Sybilla verliebt – und das, obwohl sie für Sybilla das Bürgerlich­werden des Weddings verkörpert (Tango! Im Wedding!). Da ist die Haus­bewohnerin Martha, proletarisch und inzwischen Rentnerin, die Sybilla mehr als einmal mit deren inneren (Klassen-)Wider­sprüchen konfrontiert. Und da ist Jutta, langjährige Freundin Sybillas und Anwältin, die proletarischer Herkunft ist und auch deshalb andere Strategien rund um Wohnen und Wedding verfolgt als Sybilla …

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Adventszeit my ass

Dec. 15th, 2014 08:00 am
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Posted by Gastautor_in

Heng ist freie Autorin, bloggt auf Tea-Riffic und twittert unter @sassyheng. Zuletzt schrieb sie auf der Mädchenmannschaft über gruselige Halloween-Kostüme

Spätestens mit der ersten Herz-Brezel-Stern-Lebkuchenmischung des Jahres ist es schwer zu verdrängen: Die beschissenste Zeit des Winters geht los. (Ich sage bewusst nicht des Jahres, denn auch der Sommer kann richtig kacke sein.) Der ohnehin schon gruselige white-savior-Charity-Geist spukt härter als zuvor. Spende für Kinder hier, Benefizkonzert für Mädchen in Indien dort und überhaupt: Wissen Die Leute In Afrika™ eigentlich, dass Weihnachtszeit ist?!

Parallel rattert die Kapitalismusmaschine ordentlich vor sich hin. Läden sind überfüllter als sonst, außerdem ist die musikalische Untermalung besonders hässlich. Da es mein Hobby ist, durch Geschäfte zu flanieren, ist die erhöhte Anzahl an Menschen ein großes Problem für mich. (Menschenmassen stressen mich schnell. Glühweingeruch auch.)

Werbekataloge und -kampagnen erinnern daran, dass ALLE ihren Herzensmenschen zeigen sollten, welchen Stellenwert sie in ihrem Leben haben. Wenn schon nicht durch Schmuck, dann wenigstens durch ein Los für irgendwelche dubiosen Lotterien. Oder was Selbstgebasteltes. Yeah, DIY! Als ob alle, die kein Geld haben, automatisch Zeit und Zugang zu Material hätten, um sich easypeasy und SUPERgünstig edgy Geschenkideen auszudenken.

Oder Adventskalender. Schlimmer als Pärchenbilder sind auf Instagram nur die morgendlichen Dokumentationen der jeweiligen Türchen-Inhalte. Schön für dich, dass du viele Freund_innen hast, die sich die Zeit nehmen können, dir so etwas Aufmerksames zu basteln. Ich meine es nicht ironisch, wirklich. Das ist richtig cool und wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch nichts gegen Geschenktüten in täglicher Ration, fast einen Monat lang. Es ist auch völlig okay, sich darüber zu freuen.

Was nicht okay ist, ist durch vermehrte mediale Inszenierung das Feiern von Weihnachten und das Besitzen schöner Adventskalender zu normalisieren. Das Prinzip kennen wir schon von Reproduktion von Heteronormativität durch Hetenperformance allerorts. Wenn ich überall sehe, dass dieses westliche, kapitalistische, klassistische Fest gefeiert wird, dann denke ich erst mal: Das muss so sein, dass machen alle™ und ich bin ganz schön komisch, wenn Christmas-Feels für mich Aversion und Apathie bedeuten.

Als Kind war ich sehr traurig, dass meine Familie kein Weihnachten gefeiert hat. Oder Ostern. Ich hab im Kindergarten meistens erst gemerkt, dass Ostern war, weil alle ihre Geschenke mitgebracht haben. Trotzdem hab ich an den Weihnachtsmann geglaubt und mir die mickrige Bescherung damit erklärt, dass ich faul und unartig war. Meine Eltern haben sich Mühe gegeben, dass ich trotzdem am 1. Weihnachtstag eine Kleinigkeit auf meiner Fensterbank stehen hatte, was ich total lieb finde. Ich kann heute auch sehr gut nachvollziehen, dass sie damals andere Sorgen hatten als Polly Pockets vor dem Ausverkauf zu retten. #SadButTrue

Mittlerweile bin ich eher traurig, dass meine Eltern die Erwartung haben, dass ich an den Feiertagen nach Hause komme und mit anderen Verwandten socialize. Weihnachten feiern wir trotzdem nicht, es ist eher eine muslimische Familienfeier, die von christlichen freien Tagen profitiert. Letztes Jahr war ich nicht dort und es ging mir damit extrem gut. Keine Geschenke für niemanden, keine überteuerten Reisetickets, nada.

Dieses Jahr “muss” ich hin, denn die eine Tante und die eine Cousine bekomme ich sonst nie zu Gesicht. Aber beim Gedanken an die bevorstehenden Diät-Talks bekomme ich Nervositätsdurchfall. Will damit sagen: Die Feiertage in ihrer bloßen Existenz nerven mich trotzdem. Wegen Erwartungshaltungen, normalisierten Pflichten und immer wieder auftauchender Diskurse. Ich bin halt ein Grinch, white middle-class christmas-all-over people’s pain is my gain.

Insbesondere dann, dann betont wird, dass es an Weihachten gar nicht um Geschenke, sondern um das Versammeln der (Herkunfts-)Familie geht, beginnt die Dauermigräne. Denn: Breaking News, nicht alle Personen finden es geil, mindestens drei Tage am Stück mit Verwandten und Fleischbüffet in einer Wohnung_einem Haus festzusitzen, wenn auch noch die Läden zu haben und nur Scheiße im Fernsehen läuft, parallel aber auch das Internet von Geschenke- und Essensbildern überflutet ist. ES IST EINFACH NICHT SO GEIL.

In meinem unmittelbaren Umkreis wird Weihnachten zum Glück nicht so zelebriert. Es steht nicht einmal zur Debatte, ob sich irgendwer was bastelt oder schenkt. Obligatorische Herkunftsfamilienbesuche bleiben dennoch nicht erspart. Immerhin bin ich nicht mehr die einzige in meinem Umfeld, die mit dieser Jahreszeit in erster Linie über effektivere Überlebensstrategien nachdenkt. In diesem Zuge: Ganz viel Energie allen, die nicht Weihnachten feiern (können)!

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Selbermach-Sonntag (14.12.14)

Dec. 14th, 2014 08:00 am
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Posted by der Mädchenmannschaft

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